• vom 14.12.2017, 16:44 Uhr

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Update: 14.12.2017, 17:20 Uhr

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Disney auf dem Weg zur medialen Allmacht




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  • In einer der größten Medienfusionen der Geschichte übernimmt Disney Teile von Fox.

"Lightning McQueen", das legendäre Rennauto aus der Disney-Filmreihe "Cars", auf der Automesse. - © dpa

"Lightning McQueen", das legendäre Rennauto aus der Disney-Filmreihe "Cars", auf der Automesse. © dpa

Wien. (bau) Nach Wochen der Gerüchte ist es nun fix: Der US-Konzern Disney will einen großen Teil des Konkurrenten 21st Century Fox kaufen. Disney biete 52,4 Milliarden Dollar sowie eine Übernahme von 13,7 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten, teilte der Konzern mit. Mit dem Schritt wollen sich die Unternehmen gegen die Konkurrenz der Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime wappnen. Der Zusammenschluss werde es Disney ermöglichen, "mehr attraktive Inhalte" direkt zu Kunden rund um die Welt zu bringen, erklärte der Konzern. Wie Disney weiter mitteilte, bleibt Disney-Konzernchef Bob Iger bis 2021 auf seinem Posten. Eigentlich hatte Iger seinen Rücktritt für Juli 2019 angekündigt.

Fox setzt künftig fast nur noch auf News und Sport. Murdochs Konzern wird durch den Verkauf massiv verschlankt; was vom Geschäft übrig bleibt, soll in eine neue Gesellschaft abgespalten werden. Fox behält seine großen Sportsender und die bekannten News-Kanäle. Hier läuft es derzeit rund - die Einschaltquoten und Werbeerlöse sind nicht zuletzt wegen des Rummels um Donald Trumps Präsidentschaft hoch. Murdoch hat einen engen Draht zu Trump - ein großer Fox-Fan.


Disney gewinnt mit der Übernahme indes zahlreiche zusätzliche TV-und Filminhalte und stellt damit die Weichen für einen Großangriff im boomenden Streaming-Markt. Der Konzern will 2019 einen Online-Video-Service starten, der mit Netflix konkurrieren soll. Bereits im kommenden Jahr soll der unter schwindenden Abo-Zahlen leidende Sportsender ESPN als Internet-Dienst starten.

Streaming gilt als das Geschäft der Zukunft, immer mehr US-Kunden - vor allem die jüngeren Zielgruppen - kündigen ihre Kabelverträge und sehen im Internet fern. Disney hat durch seine Filmstudios, die hinter Blockbustern wie "Star Wars" stehen, bereits Zugriff auf viele attraktive Inhalte. Mit der Fox-Akquisition sichert der Konzern sich jede Menge weiterer exklusiver Produktionen.

Erzkonservative Shows
Denn auch wenn der Fox-Konzern insbesondere durch seine erzkonservativen Polit-Talkshows bekannt ist, liefert er in anderen Sparten Kontrastprogramm. Mit den "Simpsons", aber auch mit Shows wie "Empire", im Bezahlsender FX laufenden Serien wie "Fargo" oder "The Americans" und Kinohits wie "Avatar", "X-Men" oder "Deadpool" konnte der Murdoch-Konzern große Erfolge feiern und Kritiker überzeugen. Da die Übernahme internationale Beteiligungen wie Sky und Star India umfasst, baut Disney zudem das globale Geschäft stark aus. An Sky hält Fox bis jetzt 39 Prozent. Der Plan, sich das Netzwerk ganz einzuverleiben, ist wegen Bedenken der britischen Aufsichtsbehörden in der Schwebe. Der Eigentümerwechsel könnte sich hier positiv auswirken, da die Regulierer sich vor allem am Murdoch-Clan stören, der sich 2011 durch einen Abhörskandal unbeliebt gemacht hatte.

Der Deal mit Fox verdoppelt außerdem Disneys Anteil am kleinen Netflix-Konkurrenten Hulu, an dem sowohl Fox als auch Disney bislang rund 30 Prozent halten. Disney-Chef Bob Iger, dessen Amtszeit bis Ende 2021 verlängert wird, hatte Netflix bereits vor einigen Monaten mit der Kündigung einer Lizenz-Partnerschaft den Kampf angesagt. Zwischenzeitlich hatte sich auch der US-Kabelriese Comcast für Teile von 21st Century Fox interessiert, war dann aber aus den Gesprächen ausgestiegen. Murdoch hatte seinen Konzern in Jahrzehnten zu einem Medienimperium ausgebaut. Der 86-jährige Australier ist umstritten, Kritiker werfen ihm vor, mit dem konservativen TV-Nachrichtensender Fox News großen Einfluss auf die US-Politik zu nehmen.

Verkauf statt Zukauf
Das Firmenreich des Medienmoguls, der traditionell eigentlich eher für aggressive Zukäufe steht, zerfällt mit dem Verkauf weiter. Im Zuge des Abhörskandals beim britischen Boulevardblatt "News of the World" hatte er unter öffentlichem Druck bereits sein Zeitungsgeschäft, zu dem etwa das "Wall Street Journal" und die "New York Post" gehören, vom restlichen Konzern getrennt.




Schlagwörter

Medien, USA

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-12-14 16:50:07
Letzte Änderung am 2017-12-14 17:20:04



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