Bürgerkrieg in Syrien, G20-Gipfel in Hamburg, Neuwahlen in Österreich. Ein turbulentes Jahr neigt sich dem Ende zu. Das Interesse unserer Leserinnen und Leser spiegelt das Weltgeschehen jedoch nur teilweise wider. Die drei Artikel, die 2017 am öftesten gelesen wurden sind: "Erdogan öffnet die Schleusen" von WZ-Korrespondent Ferry Batzoglou, ein Interview mit dem Achtsamkeits-Kritiker Theodore Zeldin von WZ-Redakteurin Bettina Figl und der Gastkommentar "Kern ist jetzt nur noch Passagier" von Christina Aumayr.

Wir haben das Jahr noch einmal Revue passieren lassen und uns auf die Suche nach den lesenswertesten Texten des Jahres gemacht. Hier finden Sie die Lieblingsartikel der Redaktion der "Wiener Zeitung". Eine Auswahl an Reportagen, Analysen, Kommentare und investigativen Recherchen.

Vom Ladendiebstahl über Korruption bis zum Mord – am Wiener Straflandesgericht wird alles verhandelt. 7336 Urteile fielen hier im vergangenen Jahr. Die WZ-Redakteure Michael Ortner und Matthias Winterer haben viele Stunden in Verhandlungssälen verbracht, um ein Bild der größten Urteilsmaschine des Landes zu zeichnen.

In dem Artikel "Grüne Schule, brauner Anstrich" beschrieb WZ-Redakteur Werner Reisinger, woher das umstrittene Konzept der "Lais-Schulen" kommt, welche Rolle völkisches Gedankengut, Verschwörungstheorien und auch Personen aus dem Rechtsextremen Milieu spielen. Es ist der Teil zwei einer umfassenden Serie, die 2017 zur Sensibilisierung für das Thema sektoide Schulen beitrug.

Die SPÖ-Spitze zeigte im Vorjahr wieder mehr Interesse für ihre Basis. Doch wie sie tickt, wissen Bürgermeister Häupl und Co. längst nicht mehr. "Fußvolk auf Sinnsuche" von Solmaz Khorsand und Bernd Vasari.

Ein #femstorm zog durch die "Wiener Zeitung"

Unter dem Titel "Ab in die erste Reihe" veröffentlichte Solmaz Khorsand den ersten Leitartikel der "Wiener Zeitung", der von einer Frau verfasst wurde. Die Hälfte der Redaktion der "Wiener Zeitung" ist weiblich. Wir haben uns 2017 zum Ziel gesetzt, dass sich das in Zukunft noch stärker in unseren Inhalten wiederspiegeln soll und zum Auftakt rund um den Frauentag am 8. März 2017 den "#femstorm" ausgerufen. Einige Kommentare wie "Sind Frauennetzwerke feministisch?" wurden in den sozialen Netzwerken heftig diskutiert, alle Artikel, die in der #femstorm-Woche erschienen sind, finden Sie hier.

Im Mai 2017 machte eine Frau mit einem besonderen Wienerisch-Sprachkurs Internetfurore. Sie unterstrich damit die Vielfalt des Wortes Oida. Das Feuilleton nutzte die Gelegenheit für eine Betrachtung der erstaunlichen Karriere von "Oida".

Das Feuilleton nahm sich auch dem "Atlas der erfundenen Orte" an: Er ist eine Anregung, selbst auf Reisen zu gehen – wenn auch nur in der Fantasie (als ob das nicht die schönsten und spannendsten Reisen wären!). Und schließlich sind solche Reisen auch ein Kompendium all dessen, was man erlebt hat, erleben will und vielleicht erleben wird.

Zum 70er von Franz Schuh

Das Extra hat dieses Jahr den Wiener Schriftsteller Franz Schuh gewürdigt. Dieser ist 70 Jahre alt geworden – und wird hoffentlich noch lange darüber hinaus Österreichs gewichtigste Figur und Stimme bleiben, wenn es um stilvoll-multiples Nachdenken über so gut wie alles (und manchmal auch nichts) geht.

Auch über Fragen der Political Correctness, die Auswirkungen des Neoliberalismus und (zu viel) Moralisieren der Linken wurde im "Extra" der "Wiener Zeitung" diskutiert. Hier tun es der ehemalige KPÖ-Funktionäre Walter Baier und der Philosoph Robert Pfaller auf erfrischend kontroverse Art.

Normopathie, also das Bestreben, stets als "normal" gelten zu wollen, kann auch zur Plage werden – für Einzelne, aber erst recht für ganze Gesellschaften. Der deutsche Psychoanalytiker und Psychiater Hans-Joachim Maaz hat sich ausführlich mit dem Phänomen beschäftigt – und viel Erhellendes darüber zu sagen, wie das Interview zeigt.

Aufregung an der TU Wien

Im Juni 2017 berichteten wir von hohen Durchfallquoten bei einer Zwischenprüfung im Fach Maschinenbau an der TU Wien und interviewten dazu den Vize-Rektor für Lehre. Jene Prüfung, die kurz nach diesen Veröffentlichungen angesetzt war, war laut Studierenden bewältigbar - zum ersten Mal seit Jahren.

2017 war die "Wiener Zeitung" außerdem auf den Spuren von Andreas Goldberger, Toni Innauer und Janne Ahonen unterwegs. Zwei unserer Redakteure haben sich tatsächlich auf die Schanze gewagt und sind Ski gesprungen.

Rechtzeitig zur Reisezeit warf die "Wiener Zeitung" im Sommer 2017 einen Blick auf die 8773 Airbnb-Inserate in Wien und veröffentlichte überdies die besten Autostopp-Geschichten der WZ-Redakteurinnen und Redakteure.

Politische Wien-Geschichten hatten Hochkonjunktur

2017 hatten politische Wien-Geschichten Hochkonjunktur: Im September 2017 wurde die Verlängerung der U1 eröffnet. Damit wurde das dörfliche Oberlaa endgültig Teil der Stadt. Zum Leidwesen der Bewohner, wie WZ-Redakteur Bernd Vasai berichtete. In dem Artikel "Wien hat ein Abgasproblem" beschreibt er, wie die Verschmutzung durch Diesel in Wien zu nimmt.

Auch die dritte Piste des Flughafens Schwechat war 2017 wieder ein vieldiskutiertes Thema. Die "Wiener Zeitung" ludt eine Vertreterin der Bürgerinitiativen und einen Vertreter der Wirtschaftskammer zum Streitgespräch.

Der Kriminalbeamte Franz Schwentenwein war mit dem Mordfall einer US-Amerikanerin in Wien befasst. "Manchmal hat man das Gefühl man wird beobachtet" ist ein lesenswertes Interview über Leichen als Arbeitsobjekte, sein Verhältnis zum Tod und das Seelenleben.

In Wien ist die Einführung von neuen Stromzählern, sogenannten Smartmetern, auf 2018 verschoben worden. In Frankreich ist man in Sachen "Intelligenter Strom" weiter.

Solmaz Khorsand nahm sich dem Lobautunnel an. Der Geologe Josef Lueger sagt Katastrophen voraus. Er begutachtet den Lobautunnel und weiß, was alles schiefgehen kann, wenn man nicht auf ihn hört.

Immer mehr psychisch kranke Menschen werden wieder gesundgeschrieben. Ob dahinter ein politischer Auftrag steckt, hat WZ-Redakteur Christian Rösner recherchiert und WZ-Redakteurin Petra Tempfer deckte auf, dass in Österreich die Suizidraten der Älteren bis zu zehn Mal so hoch sind wie jene der Gesamtbevölkerung.

Kurz vor der Neuwahl im Oktober 2017 versuchten ÖVP und SPÖ bei der Mindestsicherung einmal mehr, unterschiedliche Ideologien mithilfe von Zahlen auszudrücken, wie WZ-Redakteur Christian Rösner berichtete.

Irak, Syrien, China: Reportagen und Interviews der "WZ"

In einem Interview sieht der weltweit renommierte "Financial Times"-Wirtschaftskommentator Martin Wolf sieht Wutbürger und Rechtspopulisten als Resultat des Endes des sozialpartnerschaftlichen Nachkriegskonsenses.

Ein neues Leben nach dem IS im Irak ist eine Erzählung über eine Millionenstadt, die in Trümmern liegt, Berichte der über das Leben der Menschen unter dem Terror des IS-Regime und die Erzählung einer geglückten Flucht in ein Flüchtlingscamp .

Aus der Hölle ins Feriencamp: Ein aus Syrien stammender Bürgermeister und ein engagierter Sozialarbeiter zeigen im Camp "LM Village" am Peloponnes, wie Flüchtlingshilfe funktionieren kann. Doch auch im Vorzeige-Camp stößt Griechenland an die Grenzen seiner Belastbarkeit.

Ein sehr lesenswertes Interview mit US-Star-Ökonom Jeffrey D. Sachs über Trump, ParadisePapers und wieso der Klimawandel in einer Katastrophe endet.

Leben im Zeitalter der Wut: In diesem Interview spricht der indische Essayist Pankaj Mishra über Demagogen, die Zweischneidigkeit der Moderne und den Aufstieg Chinas.

Dem Tabuthema Menstruation hat sich Bettina Figl angenommen: In "Blutige Tatsachen" beschreibt sie, warum menstruierende Frauen in Nepal in Hütten verbannt werden und sie sich in Kenia prostituieren. In Kenia hat sich die WZ-Redakteurin außerdem die Auswirkungen der patriarchalen Gesellschaft auf die Gesundheit von Frauen und Kindern angesehen und in einer multimedialen Scroll-Story beschreibt sie das Leben und die Probleme der Masai.

Jetzt noch schnell einsteigen oder lieber überhaupt Finger weg von Bitcoin? Dieser Frage ging Kollegin Anja Stegmaier in ihrem Artikel "Bitcoins und die Angst was zu verpassen" nach. Die Kryptowährung hat 2017 für Furore gesorgt. Ein Verhaltensökonom gibt Kontext zur digitalen Währung.