Wien. Das Urteil sorgte für Schlagzeilen. In Italien bekam der Manager eines Telekommunikationsunternehmens Recht zugesprochen, der eine Krebserkrankung seiner beruflich bedingten intensiven Handynutzung zuschrieb. Jahrelang hatte er mehrere Stunden täglich telefoniert. Dann wurde bei ihm hinter dem Ohr ein Hirntumor festgestellt. Die Richter sahen einen kausalen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Handygebrauch. Der Kläger, seit Tumorentfernung auf einem Ohr taub, bekommt Invalidenrente.

Dieser Fall hatte die Aufmerksamkeit wieder auf eine umstrittene Frage gelenkt, die nach wie vor nicht umfassend gelöst scheint: Wie wirkt sich die Strahlung von Handys auf den Menschen aus? Laut Internationaler Krebsforschungsagentur IARC ist diese hochfrequente elektromagnetische Strahlung "möglicherweise krebserregend". Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die einen weisen darauf hin, dass die Strahlung gefährlich ist, weil sie das Krebsrisiko erhöht oder die männliche Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigt. Andere Studien geben Entwarnung.

Zehn Handy-Regeln


Sarah Drießen, Leiterin des Forschungszentrums für elektromagnetische Umweltverträglichkeit in Aachen, findet den Stand der Forschung unbefriedigend. "Einerseits gehen wir aus wissenschaftlicher Sicht davon aus, dass uns die Grenzwerte ausreichend schützen. Andererseits hat die IARC die Ergebnisse aus Langzeitstudien so gewertet, dass ein Krebsrisiko nicht auszuschließen ist." Auch wenn man das derzeit nicht für wahrscheinlich halte. Wobei es bei der Bewertung feine Unterschiede gebe. Die IARC hat fünf verschiedene Kategorien. "Möglicherweise krebserregend" entspricht Kategorie 2B, "wahrscheinlich krebserregend" wäre Kategorie 2A. "Dort werden die hochfrequenten Felder nicht zugeordnet", erläutert Drießen, "aber für die Bevölkerung klingt möglicherweise fast wie wahrscheinlich."

Sollten Handynutzer, solange es keine sicheren Erkenntnisse gibt, Vorsichtsmaßnahmen treffen? Die Wiener Ärztekammer fasst zehn Regeln zusammen, denn das Telefonieren mit Handys "ist möglicherweise nicht so ungefährlich, wie von den Mobilfunkbetreibern immer wieder behauptet wird". Generell gelte, so wenig und so kurz wie möglich. Zudem soll man das Handy während des Gesprächsaufbaus vom Körper fernhalten.

Die Ärztekammer rät auch, die Freisprecheinrichtung oder ein Headset zu nutzen. Dabei sollte das Handy nicht unmittelbar am Körper anliegen, sondern in der Tasche verstaut sein. Besondere Vorsicht gelte für Schwangere. Bei Männern seien Handys in der Hosentasche ein Risiko für die Fruchtbarkeit. Auch sollten die "meist überflüssigen Hintergrunddienste" deaktiviert sein.