Warum nutzen nicht mehr Unternehmen diese Dynamik? Warum trennt man diese beiden lieber, statt aus jungen und alten Mitarbeitern erfolgreiche Teams zu bilden?

Weil die meisten Unternehmen niemanden haben, der das moderieren kann. Es braucht jemanden, der beide Welten versteht oder zumindest eine Offenheit dafür hat. Du kannst nicht einfach beide Seiten in einen Raum sperren und sagen: "Macht mal." Das funktioniert nicht, aber wenn du das moderierst, kriegst du gute Ergebnisse.

Hätte denn so ein Mittfünfziger Chancen in Ihrer Digitalagentur?

Wir hatten gerade erst einen 46-jährigen Praktikanten aus der klassischen Werbung. Er hatte keine Ahnung von digitalen Mechanismen, die wir verwenden, oder von irgendwelchen Plattformen, die wir benutzen. Und auch den technischen Hintergrund hatte er nicht. Aber er hatte das klassische Werbeverständnis und einen ganz anderen Qualitätsanspruch. Eine Diversität an unterschiedlichen Kompetenzen finde ich sehr wichtig für die Erreichung eines guten Ergebnisses.

Im Silicon Valley setzt man sich regelmäßig zusammen und diskutiert über Fehler. Wie wichtig ist heutzutage diese Kultur des Scheiterns?

Wir bringen Unternehmen bei, dass es okay ist, zu scheitern. Du probierst ja im Bereich Digitalisierung Sachen aus, wo noch niemand weiß, wo die Reise hingeht. Uns fehlt diese Kultur in Deutschland leider total. Wenn das nicht von oben ausgeht und sich ein Vorstand vor seine Mannschaft stellen und sagen kann: "Da haben wir echt eine Scheiß-Entscheidung getroffen, aber jetzt machen wir es anders", dann wird sich auch kein Junior-Praktikant trauen, einen Fehler zuzugeben.

Was sind neue, spannende Themen, die auf uns zukommen?

Das ist insgesamt eine sehr spannende Zeit, weil die Industrie noch nicht weiß, wo es hingeht. Es gibt viele Unternehmen, die sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz beschäftigen oder mit Sensorik. Alltagsgegenstände, die über Sensoren neue Daten erfassen, Maschinen, die daraus lernen - das Smart Home ist da vielleicht das greifbarste Konzept. Auch Augmented Reality ist ein Thema oder Big Data. Es ist noch nicht verteilt, wer damit an welcher Stelle Geld verdienen wird. Da geht es nicht darum, wer
es am schnellsten in einer Technologie nutzbar macht, sondern was sich nachhaltig durchsetzen wird.

Sie meinten einmal, dass die Automatisierung zu Unrecht als Jobkiller gesehen wird, statt sie als Möglichkeit zu feiern. Was hat zum Beispiel ein Journalist der "L.A. Times" davon, dass dort News mittlerweile von einem Algorithmus generieren werden?

Die Automatisierung ist in diesem Fall ja nur die Vorarbeit, die geleistet wird, die Arbeit des Journalisten ist es ja, das in einen Kontext zu bringen. Also dieses klassische Aggregieren von Daten zu irgendwelchen Ereignissen ist das Handwerk, das dahintersteht. Das spart Zeit, um sich der eigentlichen Arbeit zu widmen - und das ist ein absoluter Mehrwert. Angst vor Automatisierung ist aber auch immer die Angst vor Veränderung im Allgemeinen. Das ist ja in jedem Menschen so drinnen, dass er Veränderungen nicht mag.