• vom 12.01.2018, 18:30 Uhr

Medien

Update: 24.01.2018, 16:23 Uhr

Digitalisierung

"Das Thema Digitalisierung ist megasexy"




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Von Julia Wagner

  • Digitalexpertin Fränzi Kühne über die Chancen der Automatisierung und warum eine Kultur des Scheiterns fehlt.

Mit 34 Jahren die jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands: Fränzi Kühne kommt nicht im Businesskostüm.

Mit 34 Jahren die jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands: Fränzi Kühne kommt nicht im Businesskostüm.© Jennifer Endom Mit 34 Jahren die jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands: Fränzi Kühne kommt nicht im Businesskostüm.© Jennifer Endom

Für die Politik ist die digitale Transformation nicht mehr als ein Schlagwort und war höchstens einen Nebensatz in den letzten Wahlkämpfen wert. Warum uns dieses Thema aber demnächst überrollen wird und was wir aus dem Silicon Valley lernen können, verrät die deutsche Digital-Expertin Fränzi Kühne.

"Wiener Zeitung": Sie sind mit 34 die jüngste Aufsichtsrätin Deutschlands, sitzen seit Juni im Aufsichtsrat der freenet AG. Wie war Ihre erste Hauptversammlung?


Fränzi Kühne: Ich bin nicht der Typ, der gerne auf Bühnen steht und vor großen Menschenmengen redet, und musste mich vor 600 Aktionären vorstellen. Ich war sehr aufgeregt. Aber es war spannend zu sehen, wie so etwas abläuft, wie viele Leute etwa dort vor Ort Fragen recherchieren, die von den Aktionären kommen und gleich beantwortet werden müssen.

Sie sehen jetzt nicht wie die typische Aufsichtsrätin aus...

Auf der Hauptversammlung hatte ich zwar einen Blazer an, trug dazu aber T-Shirt, die Haare so ein bisschen zottelig und Reißverschluss im Ohr. Ein Aktionär, so um die 60, hat mich danach geduzt. Das hätte er natürlich nie mit jemand anderem gemacht. Aber da ich auf der Bühne viel Persönliches erzählt habe, kam es wohl so rüber, als wäre ich den anderen scheinbar nah. Das passiert nicht, wenn da eine 50-jährige Frau im Businesskostüm steht. Das finde ich aber nicht schlimm. Ich wurde ja in den Aufsichtsrat geholt für das, was ich kann, meine Kompetenz in Sachen Digitalisierung.

Brechen diese Klischees in der Führungsriege nicht sowieso gerade auf?

Absolut. Ich glaube, das ist nicht nur eine Generationsfrage, sondern auch eine thematische. Jedes Unternehmen muss sich jetzt Digital-Kompetenz reinholen und die haben halt nicht die typischen Anzugträger. Deswegen bilden sich in Unternehmen auch andere Führungspersönlichkeiten aus mit einer anderen Denkweise. Ich wünsche mir zukünftig sowieso mehr Zusammenarbeiten auf Augenhöhe. Nicht mehr dieses "Ich bin der Chef und du der Angestellte, der unter mir ist".

Können Sie nachvollziehen, dass die Digitalisierung vielen im Berufsleben Angst macht? Zählt zum Beispiel die Erfahrung eines Mittfünfzigers überhaupt noch, der kein Digital Native ist?

Das zählt in meinen Augen noch immer total viel. Das ist ein hoher Wert für ein Unternehmen. Was ich dem Mittfünfziger raten würde, der sich überrannt fühlt? Eine Offenheit gegenüber den Jüngeren, die sich mit diesen ganzen digitalen Sachen auskennen. Da muss aber auch eine Bereitschaft da sein, das verstehen zu wollen. Das Thema Digital ist ja auch nur ein Teil. Der ganze Rest bleibt weiterhin als Grundwert bestehen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-12 15:56:06
Letzte Änderung am 2018-01-24 16:23:05


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