Herzschmerz mit Brooke Shields im Hallmark Channel. - © Hallmark Entertainment/Everett Collection/picturedesk
Herzschmerz mit Brooke Shields im Hallmark Channel. - © Hallmark Entertainment/Everett Collection/picturedesk

Das "Herz des Fernsehens" sitzt in einem gesichtslosen Bürogebäude in Studio City, Kalifornien. Ein für die West Side von Los Angeles typisches Gebilde: viel Beton und noch mehr Glas, keine öffentliche Verkehrsanbindung, eingebettet in eine unglamouröse Nachbarschaft aus Nagelsalons, Fast-Food-Restaurants und Fachgeschäften für orthopädisches Zubehör. Das Einzige, was die Adresse 12700 Ventura Boulevard als Sitz des Zentralorgans des panamerikanischen Wohlfühl-Wahnsinns ausweist, ist das Logo mit der Krone mit den fünf Zacken. Rund 300 Mitarbeiter beherbergt das Hauptquartier des Hallmark Channels zu Stoßzeiten. Ungeachtet ihrer Funktion arbeiten sie sich täglich an der gleichen, klar definierten Aufgabe ab: den Einwohnern der Vereinigten Staaten das Gefühl zu geben, dass die Welt trotz allem eine schöne ist und alles gut ausgehen wird. Dafür arbeiten sie 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr; einen Gutteil davon auf ein schmales Zeitfenster hin, das ihnen Einschaltquoten und Werbegeld in einem Ausmaß beschert, dass die Mitbewerber im Kabelfernsehmarkt nur so der Neid frisst: jenes zwischen Anfang Dezember und den ersten Jännerwochen. Wie es Vizepräsidentin Michelle Vicary ausdrückt: "Weihnachten und Neujahr gehören uns." Klingt großkotzig, ist aber so - und hat viel mit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten zu tun.

Das Herz ruft


Weil Trump das während des Wahlkampfs seinen Mitarbeitern gegenüber gemachte Versprechen einlöst, "jeden Tag im Weißen Haus als Folge einer Reality-TV-Show zu begreifen", erlebt einerseits das Interesse an Politikberichterstattung eine Renaissance. Auf der anderen Seite profitiert ein im Rest der Welt wenig beachtetes, aber in den USA enorm populäres Segment der Unterhaltungsindustrie, das seit jeher eskapistische Impulse bedient. Seine unangefochtene Speerspitze bilden der sogenannte Hallmark Channel und seine Schwesterkanäle Hallmark Movies & Mysteries und Hallmark Drama.

Filme und Mini-Serien, der Großteil davon Originalproduktionen, dazu Lifestyle-Tipps; mit diesem Mix erreicht Hallmark ("The Heart of TV") fast drei Viertel aller US-Haushalte mit Kabel- oder Satellitenanschluss, rund 200 Millionen Menschen. Herz ist Trumpf, entsprechend simpel zeigt sich die Hallmark-Formel: Kein Sex, kein Blut. Die Hits tragen Titel wie "Wenn das Herz ruft" oder "Liebe am Nordpol". Die Protagonisten sind ausnahmslos gute Menschen, die immer das Richtige tun. Wenn es Probleme gibt, lösen sich die am Ende in Luft auf, weil alle anderen im Grunde auch gut sind, sogar die Bösen. Für diese Illusion einer heilen Welt dankt das Publikum wie nie zuvor. Laut den Einschaltquotenmessern der Firma Nielsen besteht die Kerngruppe der Hallmark-Fans aus Frauen zwischen 25 und 54. Aktuelle Schätzungen der Marktforscher ergeben, dass Hallmark im vergangenen Jahr rund 430 Millionen umgesetzt hat. Für das Geschäftsjahr 2017 gehen sie von über einer halben Milliarde Dollar aus. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das Ende der Nullerjahre mit Schulden von über einer Milliarde Dollar noch kurz vor dem Zusperren stand.