• vom 24.01.2018, 11:37 Uhr

Medien

Update: 24.01.2018, 14:54 Uhr

Journalismus

Der Podcast-Hype hat Österreich erreicht




  • Artikel
  • Lesenswert (32)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online

  • Die "Was soll das"-Macher erklären, wie es um Podcasts in Österreich bestellt ist und warum sie nach 27 Folgen aufhören.

Die "Was soll das"-Macher Patrick Swanson (links) und Michael Mayrhofer (rechts) bei "Aufmacher - die Medienrunde".

Die "Was soll das"-Macher Patrick Swanson (links) und Michael Mayrhofer (rechts) bei "Aufmacher - die Medienrunde".© Bettina Figl Die "Was soll das"-Macher Patrick Swanson (links) und Michael Mayrhofer (rechts) bei "Aufmacher - die Medienrunde".© Bettina Figl

Wien. Serial, This American Life, Pod Safe America. Wer gute Podcasts hören wollte, musste lange Zeit auf jene aus den USA oder Großbritannien zurückgreifen. Seit dem Vorjahr springen auch in Österreich immer mehr auf den Podcast-Zug auf: Der Falter veröffentlicht jede Woche einen Podcast mit Raimund Löw, die Politik-Plattform Neuwal betreibt "Ganz offen gesagt". Der Standard-Journalist Andreas Sator startete den Interview-Podcast "Nachfrage" und der Kurier verfolgte in "2Stimmen" die TV-Duelle zur Nationalratswahl.

Sehr erfolgreich war der Interview-Podcast "Was soll das?" von den Journalisten Patrick Swanson und Michael Mayrhofer. In 27 Ausgaben interviewten sie unter anderen Facebook-Kläger Max Schrems, den ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer, den Journalisten Armin Wolf. Ende 2017 erklärten sie ihr Projekt dann überraschend für beendet.

Information

Patrick Swanson ist Social Media Redakteur bei der "Zeit im Bild". Michael Mayrhofer arbeitet als Journalist bei "Addendum". Ihren "Was soll das"-Podcast haben sie als Hobby betrieben. 

Ihre Podcast-Empfehlungen: Pod save America, Radiolab, Ezra Klein Show, Rosi & Kosi, Ganz Offen Gesagt. 

Regelmäßige Treffen zum Thema Podcast veranstaltet die Podcasterei.

Die Diskussion fand im Rahmen der monatlichen Veranstaltungsreihe "Aufmacher - die Medienrunde" statt, die von Andreas Sator (DER STANDARD), Christoph Schlemmer (APA) und Bettina Figl (Wiener Zeitung) ins Leben gerufen wurde. Das Organisationsteam hat sich inzwischen auf Anna Goldenberg (freie Journalistin, der Falter) und Nora Laufer (DER STANDARD) erweitert. Newsletter für genauere Infos und Termine: http://bit.ly/2skRSPW

Am Dienstagabend sprachen die beiden bei der 8. Ausgabe von "Aufmacher - die Medienrunde" - einer regelmäßigen Medienveranstaltung in Wien - über die österreichische Podcast-Szene und erklärten, warum sie ihr Hobby-Projekt wieder aufgegeben haben. Antworten auf 10 Fragen, die ihnen am häufigsten gestellt wurden:

Eine Illustration von Jana Wiese, die unter @jasowies_o twittert und den Podcast Lieblings-Plaetzchen betreibt http://www.lieblings-plaetzchen.com

Eine Illustration von Jana Wiese, die unter @jasowies_o twittert und den Podcast Lieblings-Plaetzchen betreibt http://www.lieblings-plaetzchen.com© Jana Wiese Eine Illustration von Jana Wiese, die unter @jasowies_o twittert und den Podcast Lieblings-Plaetzchen betreibt http://www.lieblings-plaetzchen.com© Jana Wiese

1. Warum habt ihr "Was soll das" gestartet?

Podcasts sind kein neues Format. Wir sind große Fans der "Ezra Klein Show", aber in Österreich gab es keinen Podcast wie wir ihn haben wollten. Podcasts sind ein großartiges Format. Man kann dort Dinge tun, die in anderen Medien nicht möglich sind.

2. Wie habt ihr eure Interviewpartner bekommen?

Es war nicht schwer. Außer einige Gäste, die wir vom ORF kannten (zum Beispiel Armin Wolf und Peter Filzmaier), kannten wir die Leute vorher nicht. Wir haben sie einfach angeschrieben, per E-Mail oder direkt auf Facebook, Instagram, Twitter. Wir haben 27 Zusagen und quasi keine Absage bekommen. Auch dem ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer haben wir einfach eine E-Mail geschrieben.

3. Was braucht man, um einen Podcast zu starten?

Wir haben pro Person 250 Euro in die Technik investiert (drei Mikros, drei Mikroständer, drei Kopfhörer, ein Mischpult, später kam noch mobiles Equipment dazu). Wir haben drei Pilot-Interviews mit Freunden durchgeführt. Schritt für Schritt wurde die Qualität, vor allem die Tonqualität, besser.

4. Wieviele Zuhörerinnen und Zuhörer hattet ihr pro Folge?

Unser Ziel waren 1000 Zuhörerinnen und Zuhörer. Bei einer guten Folge hatten wir 5000 Zuhörerinnen und Zuhörer, bei unserer letzten Folge mit Armin Wolf waren es 8000 und bald werden es 10.000 sein – das ist eine schöne Größenordnung. Ich glaube damit kann man Geld verdienen. 50 bis 70 Prozent unserer Zuhörerinnen und Zuhörer hörten sich die Podcasts bis zum Ende an.

5. Was waren die größten Missgeschicke?

Bei unserer ersten Folge mit Max Schrems haben wir vergessen, dass es bald dunkel wird. Es war ein heißer Tag im Mai, und irgendwann saßen wir zu dritt schwitzend in einem stickigen Raum im Dunkeln. Außerdem fanden wir bald heraus, dass wir die Therme ausschalten müssen. Und einmal habe ich (Patrick), als wir den AMS-Chef Johannes Kopf interviewt haben, einen Hustanfall bekommen. Ursprünglich wollten wir ja nicht schneiden. In diesen Situationen haben wir es aber doch getan.

6. Was waren die wichtigsten Lehren?

Wir haben die erste Folge gemacht und keinen genauen Plan für danach gehabt. Die Anfangsphase, die ersten Wochen, waren daher sehr stressig. Eine genaue Planung ist unsere dringende Empfehlung. Einmal haben wir zwei Podcasts an einem Tag gemacht, das war sehr anstrengend. Außerdem brauchten wir Equipment, um zu den Leuten zu fahren. Heinz Fischer wollte nicht in meine (Patricks) Wohnung kommen.

Der Zeitaufwand für die Interviews war gar nicht so groß, aber sehr viel Zeit floss in die Planung, in die Vorbereitung, die Terminkoordination.

7. Gibt es in Österreich einen Markt für Podcasts?

Wir denken schon. 50.000 - 100.000 Zuhörer sind möglich. Das Problem, das wir in Österreich haben, ist, dass noch zu wenige Menschen das Format "Podcasts" kennen. Ich glaube, man kann Geld damit verdienen, wenn eine Person zwei Ausgaben pro Woche macht (das ist auch gut für das iTunes-Ranking)

9. Was sind die Vorteile von Podcasts? Was war euer inhaltliches Konzept?

Der Vorteil an dem Format ist, dass man Unsicherheit zeigen kann. Das ist positiv. Wir haben uns dafür entschieden, respektvolle Interviews zu führen. Wir haben Leute eingeladen, die wir spannend fanden und sie gefragt warum sie das tun, wofür sie so bekannt sind. Deshalb auch der Titel "Was soll das?" Wir haben uns ganz bewusst dagegen entschieden, Politikerinnen und Politiker einzuladen.

10. Wieso hört ihr auf?

Aus Zeitgründen. 16 Stunden pro Woche, 8 Stunden pro Person, das ist zu viel neben unseren Hauptjobs. Wir hoffen aber, dass neue Podcasts entstehen werden. Mit 27 "Was soll das"-Episoden ist es ein schönes, abgeschlossenes Projekt und hoffentlich ein Wegweiser für zukünftige, viel bessere Podcasts, die kommen werden.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-24 11:44:59
Letzte Änderung am 2018-01-24 14:54:27


Comic

Essstörung und Abnabelung

Gezeichnet hat sie es schon vor mehr als einem Jahrzehnt, jetzt ist es bei Luftschacht erschienen: Das autobiografische Comicdebüt "Blad" der... weiter




Zeichentrick

Zeichnendes Poesievögelchen

20180323SARGNAGEL - © APAweb / Georg Hochmuth Plötzlich saß sie im Rampenlicht. Stefanie Sargnagel beim renommierten Bachmann-Preis-Wettlesen in Klagenfurt. Die so oft als Beisl-, Facebook-... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Eine Ohrenweide
  2. Alles wird gut!
  3. Die Bücher für den Sommer
  4. achtung!
  5. Aufmüpfig, nicht getröstet!
Meistkommentiert
  1. Aufmüpfig, nicht getröstet!
  2. "Eine große Frau mit Haltung"
  3. achtung!
  4. Erhabenes inmitten der Weinreben
  5. Der kristalline Kältetod der Perfektion


Quiz


Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand.

Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen. Eleni Foureira aus Zypern während ihres Probe-Auftritts in Lissabon. 

Fritz G. Mayer, Fritz Wotruba, Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit, Außenansicht, Wien 23, 1974–1976. Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017. 


Werbung