Wie Gutenberg aussah, ist unbekannt. Vielleicht so wie auf diesem ASCII-Bild.
Wie Gutenberg aussah, ist unbekannt. Vielleicht so wie auf diesem ASCII-Bild.

Es ist wohl eine besondere Ironie der Geschichte. Ausgerechnet von Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, ist heute so gut wie nichts mehr bekannt. Der gebürtige Mainzer, der als der Erfinder des Buchdrucks als einer der großen Visionäre der Menschheitsgeschichte gilt und an der Wiege der Renaissance stand, ist als Person im wahrsten Sinne des Wortes ein unbedrucktes Blatt. Sein Geburtsdatum ist unbekannt, wo er seine Jugend verbrachte weiß man nicht. Und überhaupt sind weite Teile seines Lebens nur durch Schuldscheine und Gerichtsprotokolle belegbar. Und ein Bild gibt es schon gar nicht. Das Bild, das von ihm kursiert, wurde 200 Jahre nach seinem Tod angefertigt - eine frei erfundene Fantasie. Hätte Gutenberg das gewusst, vielleicht hätte er in einer stillen Stunde ein paar lose Blätter über sein Leben gedruckt. Dann müsste der wohlverdiente Platz in den Geschichtsbüchern heute nicht mit Spekulationen und Halbwissen gefüllt werden.

Lediglich der Todestag ist bekannt - und das mehr oder weniger durch Zufall. Ein Unbekannter notierte ihn auf einem zeitgenössischen Gutenberg-Druck. Es war der 3. Februar 1468, als der große Visionär nur wenige hundert Meter von seinem Geburtshaus in Mainz starb. Beerdigt wurde Gutenberg, wie aus einem Nachruf eines Verwandten hervorgeht, in der Mainzer Franziskanerkirche. Diese wurde im 18. Jahrhundert abgerissen: Nicht einmal sein Grab ist bekannt.

Aderlass nach Plan


Der 550. Todestag des Meisters gibt Gelegenheit, sich Gedanken über das weitreichende Vermächtnis dieses weitgehend unbekannten Menschen zu machen. Denn Gutenberg war nicht im klassischen Sinne Erfinder des Buchdrucks. Vielmehr war er jener Mensch, der das bereits bekannte Wissen zusammentrug, es weiterentwickelte und so der ganzen Menschheit nutzbar machte. Zu seinen Beiträgen gehören die beweglichen Lettern, ein Handgießinstrument; auch die Entwicklung einer Letter-Legierung aus Zinn, Blei und Antimon sowie besserer Druckfarbe. Zusammen mit seiner genialen Idee der Druckerpresse schaffte er es um das Jahr 1450 herum, den Buchdruck zu einem effizienten Prozess zusammenzuführen. Bücher und andere Druckwerke wurden damit rasch verfügbar, billiger und vor allem ohne viel Aufwand beliebig oft vervielfältigbar.

Klar, dass es das "Buch der Bücher" war, das Gutenberg als eines der Ersten druckte. Die nach dem Seitenraster benannte 42-zeilige Gutenberg-Bibel gilt noch heute als eines der schönsten Erzeugnisse der Druckkunst. Ein Buch, das heute noch aussieht wie zur Zeit ihrer Entstehung, mit hochwertigem Papier und ästhetischem, sorgfältigem Satz. Sie war eine der Grundlagen für Gutenbergs Einkommen, denn eine Bibel verkaufte sich gut. Und es ist zweifellos kein Zufall, dass der erstmals mögliche billige Druck von Bibeln um 1460 und die Reformation 1517 innerhalb lediglich zweier Generationen liegen. Ohne Gutenbergs Werk hätte Luthers Reformation keine Chance auf Verbreitung gehabt.