Das Klappern der Hülle beim Öffnen. Das Aufkleben des Labels auf das noch frisch riechende, gerade von der Verpackung befreite Plastik. Die Frage, welche Seite nun die richtige ist. Das satte Einrasten der Play-Taste beim Start - gefolgt von wenigen Sekunden der unfreiwilligen Stille, bis der bespielte Teil des Bandes endlich den Tonkopf erreicht hat: Das Konsumieren von Musik mit Audio-Kassetten hat etwas Kontemplatives. Was mit der modernen, digitalen Technologie gerade mal eines Klicks bedarf, wird mit der Audio-Kassette zum bewussten Ritual für alle Sinne.

Für einige Menschen ist es vielleicht nur eine nostalgische Erinnerung an die gute, alte Zeit. Für Audio-Fans wird es hingegen wieder Realität. Die Audio-Kassette, vielfach längst für tot erklärt, feiert derzeit ein unglaubliches Comeback, wenn man den Zahlen vertrauen darf: Um 35 Prozent wuchs im Jahr 2017 die Anzahl der verkauften Kassetten, in den USA war es sogar ein Sprung um sagenhafte 136 Prozent, die die Kassette zulegte. Sicher, die absoluten Zahlen setzen das mit 174.000 verkauften Stück im Jahr 2017 deutschlandweit noch in bescheidenen Rahmen, aber eines ist klar: Die mit üblichem Gebrauch fast unzerstörbaren Plastikteile mit Magnetband weigern sich nicht nur beharrlich, ihren angesagten Abflug auf den Müllhaufen der Hifi-Geschichte anzutreten, im Gegenteil: Das Segment wächst deutlich.

Es ist ein bisschen wie beim Comeback der Vinyl-Platten, die nun schon das zwölfte Jahr in Folge ihre Verkaufszahlen übertroffen haben: Immer mehr kleine Labels beginnen damit, Kassetten-Ausgaben in Produktion zu geben. Das freilich hat nicht nur nostalgische Gründe, sondern wohl auch kommerzielle. Immerhin lässt sich die Produktion einer Kassetten-Serie auf einen Euro pro Stück drücken. Vinyl-Serien, obwohl qualitativ haushoch überlegen, kosten da locker das Zehnfache. Das stellt sich freilich die Frage der Refinanzierung.

Billig, auffällig, cool

Zudem sind Leerkassetten und Abspielgeräte - im Unterschied etwa zum Video-System VHS - noch immer im Handel verfügbar. Nicht mehr in der Breite wie früher, aber doch. Auf dem Gebrauchtmarkt kann man zudem Geräte in allen Qualitätsstufen zu guten Preisen erwerben. Ein neuer Walkman kostet keine zwanzig Euro und kann zudem die Tracks von Kassette auf einen USB-Stick überspielen, sofern man will.

Auf der Suche nach Gründen für den fast aus dem Nichts auftauchenden Boom zurück zur Kassette wird man - fast eine Ironie der Geschichte - ausgerechnet beim Video-Streaming fündig. Denn in den letzten vier Jahren sind jede Menge TV-Serien produziert worden, die in den Achtziger Jahren spielen. Wenn die junge Programmiererin Cameron Howe in "Halt and Catch Fire" (Amazon) auf dem Commodore 64 ihren Code erstellt, hat sie dabei in fast jeder Einstellung einen Walkman dabei. Wenn der quirlige Teenager Dustin Henderson in "Stranger Things" den Demogorgon jagt, ist der Kassettenspieler dabei.