• vom 13.04.2018, 07:30 Uhr

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Update: 19.04.2018, 17:27 Uhr

Zukunft des Bargeld

Eine App als Bankomat




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Von Andreas Lorenz-Meyer

  • Auch in Österreichs Geschäften sollen Konsumenten schon demnächst Geld abheben können.


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Zürich. Wer in eine Filiale der Zürcher Bäckereikette Hausammann geht, trinkt dort üblicherweise einen Cappuccino oder verzehrt ein Stück Torte. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich Bargeld auszahlen zu lassen. Denn die Kette gehört zu den Partnern des jungen Schweizer Finanztechnologie-Unternehmens Sonect, das mit seinem Service aus dem Smartphone einen Bankomaten machen will.

Das geht so: Man lädt die kostenlose Sonect-App herunter und registriert sich dort mit Kreditkarte oder Bankkonto. Fortan zeigt die App, wenn man Bares benötigt, die nächstgelegenen Bezugsstellen an. Das kann der Bäcker sein, aber auch eine Apotheke, ein Restaurant oder ein Taxifahrer, der vor dem Bahnhof auf Passagiere wartet. Hat man einen Abhebungsort ausgewählt, gibt man den gewünschten Betrag ein und lässt den Barcode, den man über die App erhält, schließlich im Laden scannen. Die herausgegebene Summe wird vom Konto abgehoben. Gebühren fallen für Nutzer keine an.


Im Mai 2017 ging man live, wie es Sonect-Mitbegründer Rik Krieger ausdrückt. Der Service ist seither in jedem in der Schweiz registrierten Geschäft nutzbar. Vorausgesetzt, es hat sich über die App registriert. Vor allem im Raum Zürich, Winterthur und Basel nehmen viele Läden teil - gastronomische Betriebe, Bäckereien, Apotheken. Den ausgezahlten Betrag schreibt die Software automatisch dem Konto des Ladens gut, der pro Abhebung eine Provision erhält. Und zudem mit mehr Kundschaft rechnen kann, die ohne die App vielleicht nicht vorbeischauen würde. "Die teilnehmenden Shops haben erkannt, dass sie sich auf unserer Plattform präsentieren können - kostenfrei", sagt Krieger.

Doch ohne die Banken, über die die Bargeldtransaktionen laufen, geht es freilich nicht. Sie sind neben den Nutzern und den Läden das dritte Standbein des Modells. Geldinstitute können mit Sonect eine neue Dienstleistung anbieten und sparen Kosten für den Betrieb von Bankomaten. Daher verrechnet Sonect den Banken pro Abhebung eine Gebühr, die sie sich mit den Geschäften teilen. Mit PostFinance macht von Anfang an ein großes Schweizer Geldinstitut mit, das über eine Million Kunden zählt. Potentielle Nutzer gibt es also schon jetzt in der Aufbauphase ziemlich viele.

Die Nutzerzahlen in der Schweiz liegen derzeit im vierstelligen Bereich. Der Kreis möglicher Sonect-Nutzer soll sich noch in diesem Jahr vergrößern, denn weitere Schweizer Banken stoßen laut Krieger demnächst dazu. Auch die Expansion ins Ausland steht an. Fest eingeplant haben die Schweizer dabei Österreich als neuen Markt. Man dürfte also bald auch hierzulande in der Apotheke neben Medikamenten Geldscheine ausgehändigt bekommen. Im Jänner führte Sonect in Wien einen ersten Test mit der Raiffeisenbank durch. Laut dem Unternehmen gibt es zudem Interessenten in Spanien, Frankreich, England, Russland, den USA, oder wie Krieger getont: "Unsere Partner-Pipeline brummt mächtig."

Bargeld bleibt noch eine Weile
Weshalb die Leute mitmachen? "Der Bequemlichkeitsfaktor ist unglaublich stark", sagt Sonects Community Manager Dominik Bucher. Nicht nur in den ländlichen Regionen mit weniger Geldautomaten, sondern auch in Bars, Clubs und sogar in Restaurants in der Stadt, wo es zum nächsten Bankomat gar nicht weit wäre, kommt der Service offenbar an - auch wenn vor allem die Registrierung noch verbessert werden könnte. "Was aber nicht ganz einfach ist, da wir einen Service anbieten, der wegen des Konsumentenschutzes stark reguliert ist", sagt Bucher. Um die Benutzerfreundlichkeit auszubauen, würden Nutzer-Anregungen mit einbezogen. Bares überall erhalten können, ohne dafür Gebühren zu zahlen, lautet die Idee.

Der Erfolg dieses Geschäftsmodell hängt davon ab, ob das Bargeld auch künftig attraktiv bleibt. Wird es trotz fortschreitender Digitalisierung weiter nachgefragt? Krieger ist da zuversichtlich. Im Jahr 2016 habe es weltweit über 100 Milliarden Bargeldtransaktionen an Geldautomaten gegeben - neun Prozent mehr als im Jahr davor. Das Bargeld könnte zwar irgendwann verschwinden, doch laut Krieger frühestens in zehn Jahren. Krieger will eine Brücke zu der Zeit nach dem Bargeld schlagen. Sonect betreibt "Cash Recycling", so nennt er es. Das senke die Kosten und erhöhe den Nutzen für alle - die Geschäfte, die Banken und die Nutzer. "Und sind wir ehrlich", schließt er: "Wir verbringen so viel Zeit vor Bildschirmen, da ist es angenehm, Bargeld einmal nicht am Automaten zu beziehen, sondern von einem Menschen."




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Dokument erstellt am 2018-04-12 16:27:11
Letzte Änderung am 2018-04-19 17:27:19


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