Neue Ölquelle oder doch nur Ramschware? - Wie viel ist ein Facebook-Like wert? - © Konstantin Yuganov/fotolia
Neue Ölquelle oder doch nur Ramschware? - Wie viel ist ein Facebook-Like wert? - © Konstantin Yuganov/fotolia

Wien. Der Datenskandal um Facebook und die Analysefirma Cambridge Analytica, die sich Zugang zu 87 Millionen Facebook-Konten verschafft hat, hat einmal mehr vor Augen geführt, dass Identitäten zu handelbaren Gütern geworden sind, die von dubiosen Datenbrokern zu Werbe- oder politischen Zwecken wie Gold oder Öl an- und verkauft werden. Doch was sind die Daten eigentlich wert? Anders als bei Rohstoffen gibt es bei Daten als Schmiermittel der Digitalökonomie keinen Weltmarktpreis. Und im Gegensatz zu Öl oder Gold sind Daten keine endliche Ressource, sondern erneuerbar, weil man ständig neue Daten generiert. Daher ist auch die häufig bemühte Analogie, Daten seien das neue Öl, reichlich schief.

Angesichts der Datenmenge, die wir jeden Tag produzieren, müssten wir alle reich wie Öl-Scheichs sein, doch der digitale Kapitalismus ähnelt mehr einem neofeudalen Modell, weil der Nutzer mit der Generierung von Daten keinen Cent sieht und die Plattformen mit der Raffinierung von Rohdaten zu Informationen Milliarden verdienen. Facebooks Börsenwert betrug zeitweise über eine halbe Billion Dollar, mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Schweden. Und das, obwohl der Konzern außer ein paar Rechenzentren, die die Like-Maschinerie am Laufen halten, kaum Produktionsmittel besitzt. Das Kapital von Facebook sind Daten.

Der Wert hängt
von vielen Faktoren ab


Der ökonomische Wert der Daten hängt zunächst vom Grad der Nutzung ab. Das Facebook-Profil eines Nutzers, der gerade einmal eine Seite gelikt und inaktiv ist, ist weniger aussagekräftig und damit weniger wert als das Profil eines sogenannten Heavy Users, der täglich mehrere Stunden in seinem Account verbringt und mit über 1000 Facebook-Freunden vernetzt ist. Den genauen Wert eines Facebook-Profils zu quantifizieren, ist jedoch nicht so einfach.

Im Darknet, wo ein Schwarzmarkt mit gestohlenen Kundendaten blüht, können Facebook-Logins für läppische fünf Dollar erworben werden - illegal, versteht sich. Damit erhalten Cyberkriminelle Zugriff auf alle Nutzungsdaten. Wenige Wochen nach dem Yahoo-Hack, bei dem im August 2013 drei Milliarden Nutzerdaten gestohlen wurden, stellten Analysten der IT-Sicherheitsfirma Hold Security fest, dass die gesamte Datenbank im Darknet für 200.000 Dollar zum Verkauf stand. Legt man den Preis von fünf Dollar zugrunde, wären die abgegriffenen 87 Millionen Facebook-Profile rund 435 Millionen Dollar wert - wobei das eine hypothetische Summe ist, weil niemand die Daten im Gesamtpaket aufkaufen würde. Man kann Schwarzmarktpreise nicht als Gradmesser für Marktpreise nehmen, zumal die Daten an Wert verlieren, wenn der Skandal öffentlich wird und die Nutzer ihre Passwörter ändern.