• vom 18.04.2018, 16:32 Uhr

Medien

Update: 18.04.2018, 16:47 Uhr

Soziale Medien

Ramschware Identität




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Adrian Lobe

  • Cambridge Analytica hat sich Zugang zu 87 Millionen Facebook-Konten verschafft - was sind die Nutzerdaten wert?

Neue Ölquelle oder doch nur Ramschware? - Wie viel ist ein Facebook-Like wert?

Neue Ölquelle oder doch nur Ramschware? - Wie viel ist ein Facebook-Like wert?© Konstantin Yuganov/fotolia Neue Ölquelle oder doch nur Ramschware? - Wie viel ist ein Facebook-Like wert?© Konstantin Yuganov/fotolia

Wien. Der Datenskandal um Facebook und die Analysefirma Cambridge Analytica, die sich Zugang zu 87 Millionen Facebook-Konten verschafft hat, hat einmal mehr vor Augen geführt, dass Identitäten zu handelbaren Gütern geworden sind, die von dubiosen Datenbrokern zu Werbe- oder politischen Zwecken wie Gold oder Öl an- und verkauft werden. Doch was sind die Daten eigentlich wert? Anders als bei Rohstoffen gibt es bei Daten als Schmiermittel der Digitalökonomie keinen Weltmarktpreis. Und im Gegensatz zu Öl oder Gold sind Daten keine endliche Ressource, sondern erneuerbar, weil man ständig neue Daten generiert. Daher ist auch die häufig bemühte Analogie, Daten seien das neue Öl, reichlich schief.

Angesichts der Datenmenge, die wir jeden Tag produzieren, müssten wir alle reich wie Öl-Scheichs sein, doch der digitale Kapitalismus ähnelt mehr einem neofeudalen Modell, weil der Nutzer mit der Generierung von Daten keinen Cent sieht und die Plattformen mit der Raffinierung von Rohdaten zu Informationen Milliarden verdienen. Facebooks Börsenwert betrug zeitweise über eine halbe Billion Dollar, mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Schweden. Und das, obwohl der Konzern außer ein paar Rechenzentren, die die Like-Maschinerie am Laufen halten, kaum Produktionsmittel besitzt. Das Kapital von Facebook sind Daten.


Der Wert hängt
von vielen Faktoren ab

Der ökonomische Wert der Daten hängt zunächst vom Grad der Nutzung ab. Das Facebook-Profil eines Nutzers, der gerade einmal eine Seite gelikt und inaktiv ist, ist weniger aussagekräftig und damit weniger wert als das Profil eines sogenannten Heavy Users, der täglich mehrere Stunden in seinem Account verbringt und mit über 1000 Facebook-Freunden vernetzt ist. Den genauen Wert eines Facebook-Profils zu quantifizieren, ist jedoch nicht so einfach.

Im Darknet, wo ein Schwarzmarkt mit gestohlenen Kundendaten blüht, können Facebook-Logins für läppische fünf Dollar erworben werden - illegal, versteht sich. Damit erhalten Cyberkriminelle Zugriff auf alle Nutzungsdaten. Wenige Wochen nach dem Yahoo-Hack, bei dem im August 2013 drei Milliarden Nutzerdaten gestohlen wurden, stellten Analysten der IT-Sicherheitsfirma Hold Security fest, dass die gesamte Datenbank im Darknet für 200.000 Dollar zum Verkauf stand. Legt man den Preis von fünf Dollar zugrunde, wären die abgegriffenen 87 Millionen Facebook-Profile rund 435 Millionen Dollar wert - wobei das eine hypothetische Summe ist, weil niemand die Daten im Gesamtpaket aufkaufen würde. Man kann Schwarzmarktpreise nicht als Gradmesser für Marktpreise nehmen, zumal die Daten an Wert verlieren, wenn der Skandal öffentlich wird und die Nutzer ihre Passwörter ändern.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-18 16:39:18
Letzte Änderung am 2018-04-18 16:47:38


Comicreader

Comics auf dem Schirm

Die Leseoberfläche... In der besten aller Welten gibt es ein standardisiertes Buchformat, und alle elektronischen Bücher sind damit kompatibel... weiter




Comic

Das Rätsel des 20. Jahrhunderts

Coversujet des "Fun"-Comics. - © avant-verlag Endlos aufsteigende Fassaden, gleichmäßig angeordnete Fenster, die Verästelungen stählerner Brückengeländer und Hochbahn-Konstruktionen: Die Ästhetik... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Standard" darf es in der "Gräfin" nicht schmecken
  2. Martin Thür jetzt auch offiziell "ZiB2"-Moderator
  3. Vorarlberger im Finale von "America's Got Talent"
  4. Abstraktionen am Seerosenteich
  5. Frauen, die Baby heißen
Meistkommentiert
  1. Walter Hämmerle wird
    "WZ"-Chefredakteur
  2. Wieder Wirbel um Ministeriums-"Journalistin"
  3. "Wiener Zeitung"-Geschäftsführer will "Gas geben"
  4. Drama um Daniel Küblböck
  5. Punkt! .


Quiz


Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt.

Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta. Werbung für Die Single "Baby I Love You" im Magazin Billboard 1959.

Sean Godwells Entwurf einer Kapelle erinnert beim ersten Auftritt des Vatikans auf der Architekturbiennale in Venedig auf den ersten Blick an einen aufklappbaren Würstelstand. Shepard Fairey vor seinem Mural am Wiener Flughafen.


Werbung