Der Wert von Facebook-Likes lässt sich hingegen eher beziffern - wobei die Schätzungen hier weit auseinandergehen. Während die Analysten von Diamond Candles von einem Wert von einem Dollar pro Like ausgehen, schätzten US-Marktforscher den Wert eines Facebook-Fans auf durchschnittlich 136 bis 214 Dollar. Auch diese Zahlen sind relativ, weil ein Facebook-Nutzer, der die Seiten von Audi, Bentley und Porsche gelikt hat, eine geringere Markenloyalität hat als ein Nutzer, der eine bestimmte Motorradmarke mit dazugehörigen Destinationen gelikt hat. Aus diesen Datenpunkten lassen sich viel spezifischere Präferenzen ableiten. Und nur weil ein Nutzer eine Automarke gelikt hat, muss das nicht heißen, dass er im Durchschnitt 200 Dollar dafür ausgibt. Gerade bei einem nicht alltäglichen Rechtsgeschäft wie dem Autokauf zahlt sich ein Like möglicherweise erst in ein paar Jahren aus.

Eine weitere Variable in der "Wertigkeit" ist der Wohnort des Nutzers. Laut dem Jahresbericht von Facebook war ein US-amerikanischer und kanadischer Nutzer im vierten Quartal 2015 im Durchschnitt 13,54 Dollar wert, wogegen ein europäischer Nutzer nur 4,50 Dollar wert war. Das liegt vor allem am unterschiedlichen Anzeigenvolumen. US-Konzerne geben deutlich mehr Geld für Werbung aus als die Konkurrenz in Europa. Facebook ist zumindest in Sachen Werbewert eine Zweiklassengesellschaft.

Pizza statt Privatsphäre


Die Softwarefirma AVG hat indes eine App entwickelt, mit der sich der Wert von Facebook-Konten ermitteln lässt. Das Tool funktioniert so: Der Nutzer loggt sich in seinen Account ein. Währenddessen analysiert die Software die Zahl der Likes, Posts und Fotos und errechnet auf dieser Grundlage einen Wert. Je nach Aktivität kommt man so auf einen "Preis" von 20 bis 300 Dollar. Die Idee, einen Datenarbeitsmarkt zu schaffen - eine Forderung, die etwa vom Computerpionier Jaron Lanier erhoben wird -, erscheint in diesem Licht als eine Chimäre, weil sich mit Datenarbeit kein auskömmliches Einkommen erzielen lässt.

Vom ökonomischen Nutzen ist die Frage zu trennen, was uns Daten beziehungsweise Privatsphäre insgesamt wert sind. Ein Experiment der Universität Stanford hat ergeben, dass eine überwältigende Mehrheit von Studenten bereit war, drei E-Mail-Adressen von Freunden für eine Pizza zu verkaufen. Solange sensible Daten weniger wertgeschätzt werden als eine Mahlzeit, wird auch das Geschäftsmodell von Datenkraken wie Facebook weiter florieren.