• vom 21.04.2018, 07:00 Uhr

Medien

Update: 21.04.2018, 07:37 Uhr

Medien

Schöne neue Welt




  • Artikel
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Barbara Dürnberger

  • Eine neue Arte-Dokumentation widmet sich an diesem Wochenende der Geschichte der Migration.

100 Jahre, nachdem Kolumbus Amerika entdeckt hatte, waren 98 Prozent der Ureinwohner tot. - © arte

100 Jahre, nachdem Kolumbus Amerika entdeckt hatte, waren 98 Prozent der Ureinwohner tot. © arte

Alle Menschen sind Migranten. Und jeder Einzelne trägt die Geschichte der Menschheit in sich. Eine Geschichte, die vor circa 60.000 Jahren ihren Anfang genommen hat und bis heute andauert. Damals machte sich der Homo sapiens auf, um die Welt jenseits von Afrika zu entdecken. Die Gründe dafür waren unterschiedlich: Neugierde, Hunger oder widrige Lebensumstände, die den Wunsch nach einem besseren Leben, einer besseren Welt verstärkten und die Menschen zu einer gefährlichen und beschwerlichen Reise animierten. Rund 2000 Generation sollten vergehen, ehe der Mensch auf allen Kontinenten heimisch war.

Von dieser faszinierenden Geschichte erzählt die neue dreiteilige Dokumentation "Reise der Menschheit" (Sa., ab 20.15, Arte), die am Samstag als Erstausstrahlung auf dem europäischen Kunst- und Kultursender Arte gesendet wird. Die erste Folge "Der Aufbruch" stellt den Beginn der Migration in den Fokus und beschreibt, wie der Mensch innerhalb von 60.000 Jahren zu einer der am weitesten verbreiteten Spezies der Welt wurde.


Weil zwischen den neuen Niederlassungen oftmals große Entfernungen liegen, entwickeln sich rasch unterschiedliche Kulturen, die sich an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen.

Einige Zeit später setzt die Erfindung von Bronze eine neue Wanderung in Bewegung. Bronze ist den bisherigen Werkstoffen weit überlegen und animiert Bergleute, Fachkräfte sowie Händler zum erneuten Aufbruch. Die Folgen sind bedeutend. Der eurasische Kontinent wächst zusammen und lässt eines der größten Imperien entstehen: das Römische Reich. Fast 1000 Jahre lang werden die Römer herrschen und ihre Gebiete stetig ausweiten - bis im 4. Jahrhundert das Reitervolk der Hunnen vordringt und eine Kettenreaktion auslösen wird, die in der großen Völkerwanderung endet.

Die zweite Folge der Doku-Reihe, "Fremde Welten", beschäftigt sich gleich im Anschluss mit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 und ihren Folgen. Die entstandenen europäischen Kolonialreiche versetzen fast die gesamte Weltbevölkerung - damals rund 400 Millionen Menschen - direkt oder indirekt in Bewegung. Die Auswirkungen sind dramatisch: Denn die wandernden Europäer importieren in die neuen Gebiete nicht nur wertvolles Kulturgut, Religion und Pflanzen, sondern auch Krankheiten. Dadurch verdrängen und töten sie die Ureinwohner, die in andere Regionen ausweichen müssen. Die Bilanz 100 Jahre nach der Entdeckung Amerikas: 98 der ursprünglich 100 Millionen Ureinwohner wurden ausgelöscht. Da sie aber als billige Arbeitskräfte gelten, muss nun Ersatz her und es werden mehr als zwölf Millionen afrikanische Sklaven in die einst schöne neue Welt verschleppt. Ein großer Teil von ihnen stirbt bereits auf der strapaziösen Überfahrt.

Schließlich expandieren Europäer mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts auch nach Osten. Im heutigen Indonesien entstehen in der Folge bedeutende Handelsstützpunkte, für die erneut Arbeitskräfte gesucht werden. Eine Million Europäer, die meisten von ihnen Deutsche, machen sich auf den Weg. Sie sind Migranten auf Zeit, die zwar, getrieben von der Suche nach Reichtum, in eine neue Welt aufbrechen, aber auch den Wunsch haben, eines Tages wieder in die Heimat zurückzukehren.

"Welt in Bewegung" heißt die dritte und letzte Folge, die sich mit den technischen Innovationen und der daraus resultierenden Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert auseinandersetzt. Sie verspricht ein ganz neues Zeitalter der Migration - die Massenmigration. Neue Erfindungen wie die Eisenbahn und das Dampfschiff ermöglichen eine ganz neue Art des Reisens und öffnet die Migration in weit entfernte Länder auch für weniger Vermögende. Erneut ist es der Traum von einem besseren Leben, der im 19. Jahrhundert Millionen von Menschen als "Wirtschaftsflüchtlinge" die Reise nach Übersee antreten lässt. Doch die freie Migration führt in dieser Zeit auch zu einer Debatte, die bis heute anhalten wird: Wer darf rein und wer muss draußen bleiben? Es werden Grenzen gezogen und Gesetze entworfen. Behörden sollen die Immigration regeln. Es ist der Beginn eines immer stärker werdenden Nationalismus, der Gebiete klar abgrenzt und der freien Migration schließlich ein Ende setzen wird. Migration ist also kein neues Phänomen, sondern ein steter Begleiter der Menschheit.




Schlagwörter

Medien, Fernsehen

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-20 16:15:20
Letzte Änderung am 2018-04-21 07:37:29


1922 - 2018

Comic-Legende Stan Lee ist tot

20181112Stan Lee - © APAweb / AFP, Getty, Rich Polk Los Angeles. Comic-Legende Stan Lee ist tot: Lee hatte in den 60er Jahren gemeinsam mit dem Marvel-Verlag das Superhelden-Genre revolutioniert... weiter




Mickey Mouse

Die Maus ohne Eigenschaften

20181109_Micky_Maus_wird_90 - © Disney 2018 Es ist nicht so einfach. Obwohl, eigentlich ist es sehr einfach. Das größte Problem der Micky Maus ist, dass sie keine Ente ist... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Die Tiefe des Meeres im Krieg
  2. Egoisten bleiben sie allemal
  3. Mord mit Stil
  4. Eine Gala für das Theater
  5. Der Ursprung der Wiederholung
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Kritik an finnischem Rechts-Metal-Konzert in Wiener Club
  4. Weißes Haus verteidigt sich mit Fake-Video
  5. Schweigen im Blätterwald


Quiz


Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung