• vom 04.05.2018, 14:16 Uhr

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Der blinde Inspektor und sein Chauffeur




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Von Barbara Dürnberger

  • TV-Premiere für die neue ORF/ARD-Krimiproduktion "Blind ermittelt - Die toten Mädchen von Wien".

Philipp Hochmair als nach einem Unfall erblindeter Kommissar Haller. - © orf

Philipp Hochmair als nach einem Unfall erblindeter Kommissar Haller. © orf

Es ist eine Taxifahrt, die sein Leben verändern wird. Pure Ironie, da sie ihn eigentlich an jenen Ort bringen soll, an dem er sich eben jenes nehmen will.

Doch Alexander Haller (Philipp Hochmair) hat bei seinem Selbstmord eine Komponente nicht miteinberechnet: den Taxifahrer. Dieser ist nicht auf den Mund gefallen, möchte ein wenig Small-Talk machen und bemerkt, dass sein blinder und wortkarger Fahrgast etwas im Schilde führt. Am Ende durchkreuzt Nikolai Falk (Andreas Guenther) erfolgreich den geplanten Suizid des ehemaligen Chefinspektors der Wiener Mordkommission. Dass Haller dieses Vorhaben überhaupt gefasst hat, warum er diesen letzten Schritt als einzigen Ausweg gesehen hat, liegt an einem Vorfall, der ihm vor zwei Jahren nicht nur die Karriere und das Augenlicht raubte, sondern auch seine Lebensgefährtin Kara Hoffmann (Anna Rot). Kara war Staatsanwältin und kam bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben. Überzeugt davon, dass der Anschlag eigentlich ihm gegolten hat, gibt sich Haller seitdem die Schuld am Tod von Kara. Diese Schuldgefühle sind es auch, die ihn an jenem Abend zu besagter Taxifahrt und zu einem ersten Kennenlernen mit Niko führen.


Die Wege der beiden kreuzen sich schon bald darauf erneut. Und Haller hat inzwischen neuen Lebensmut gefasst: Sein Erzfeind, der für die Ermordung von Kara verurteilte Udo Strasser (Stipe Erceg), ist aus dem Gefängnis ausgebrochen, um seine Unschuld an dem Anschlag zu beweisen. Haller will ihn zur Strecke bringen und heuert zu diesem Zweck Niko als Fahrer an. "Also ihr hier in Wien, ihr schießt echt den Vogel ab!", stellt Niko schon zu Beginn fest. Und er sollte recht behalten. Denn Haller und Niko ermitteln in einem von Karas letzten Fällen und stoßen auf die Fährte eines brutalen Mädchenhändlerrings. Dieser gibt sich jedoch nicht damit zufrieden, die Mädchen zur Prostitution zu zwingen. Der Kopf der Bande hat einen viel perfideren und grausameren Weg gefunden, mit dem Leben der jungen Frauen Profit zu machen. Die Ermittlungen zeigen außerdem, dass die Polizei damals nicht einwandfrei gearbeitet hat - und der Drahtzieher könnte sich durchaus in den eigenen Reihen finden...

Ein blinder, ehemaliger Chefinspektor und ein Berliner Taxifahrer in Wien, der es mit dem Gesetz nicht immer ganz so genau nimmt - das ist das neue Team, mit dem das Pilotprojekt "Blind ermittelt - Die toten Mädchen von Wien" (Sa., 20.15 Uhr, ORFeins/ARD), das in Zusammenarbeit mit dem ORF und der ARD entstanden ist, unterhalten will. Neben Hochmair und Guenther sind in weiteren Rollen unter anderem Patricia Aulitzky als Hallers Schwester, Johannes Silberschneider als früherer Vorgesetzter seiner Verlobten und Jaschka Lämmert als Polizeikommissarin zu sehen. Regie führte Jano Ben Chaabane, für das Drehbuch zeichnet das Duo Ralph Werner und Don Schubert verantwortlich.

In die Rolle eingefühlt
Und dieses erinnert ein wenig an die erfolgreiche Netflix-Produktion "Daredevil", die auf den gleichnamigen Marvel-Comics basiert. In der US-Serie kämpft der blinde Anwalt Matt Murdock des nächtens in Hell’s Kitchen für Gerechtigkeit. Ganz so flink wie Daredevil ist Andreas Haller zwar (noch) nicht, aber auch er überzeugt die Zuschauer bald davon, dass sein Handicap, nicht sehen zu können, nicht zwangsläufig bedeutet, dass man den Schurken und Verbrechern schutzlos ausgeliefert ist.

"Daredevil" trifft auf Wiener Schmäh. Kann das gut gehen? Ja, durchaus. "Blind ermittelt" schafft etwas, das schon lange keiner Produktion innerhalb der übersättigten deutschsprachigen Krimilandschaft vollständig geglückt ist: Sie setzt neue Akzente. Sowohl durch das ungleiche Ermittlerteam als auch mit einem morbiden, fast schon unglaublichen Ende. Und schließlich ist es auch die Komponente des blinden Ermittlers, die diesen Krimi zu etwas Besonderem macht. Naturgemäß musste sich besonders Philipp Hochmair auf seine Rolle vorbereiten: "Der ,Dialog im Dunkeln‘, ein interaktives Museum von Blinden für Sehende, in dem man als Sehender die Wahrnehmung eines Blinden erlebt, war für mich der erste Einstieg in die Rolle. Eine ganz essenzielle Erfahrung, die ich jedem sehr ans Herz legen möchte. Aus diesem Erlebnis hat sich bei mir schnell eine Fantasie für die Rolle entwickelt", erzählt der Schauspieler im Gespräch mit dem ORF. Eine Fantasie, die zur Realität wurde und die Zuseher am heutigen Samstag überzeugen soll. Sind sie überzeugt, dann stehen die Chancen wohl gut für eine Fortsetzung.




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