Samstagabend ist es wieder so weit: An der malerisch an den Ufern des Tejo gelegenen "Altice Arena" singen wieder 26 Ländervertreter aus ganz "Europa" (und ehrenhalber dazu ernannte Nationen wie Australien) um die Ehre, den "Song Contest" (Sa., ab 20.15, ORFeins) für sich zu entscheiden. Neben den 20 aus den Halbfinalen aufgestiegenen Ländern werden dann auch die "Big Five" genannten größten Beitragszahler des Bewerbes ihren Einsatz haben: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien. Und auch der heurige Gastgeber Portugal ist erst in der Endrunde mit dabei. 120 Millionen Fernsehzuschauer, respektive deren Jurys, küren den Sieger.

Österreichs Vertreter Cesar Sampson qualifizierte sich gleich als erster im Halbfinale vom Dienstag und geht mit der Startnummer fünf ins Finale. Fix in der Endrunde dabei ist wieder Norwegens Alexander Rybak mit seiner etwas infantilen Nummer "That’s How You Write A Song". Nachdem er 2009 bereits mit dem legendären "Fairytale" den Contest gewonnen hatte, tritt der 31-Jährige heuer erneut in den Ring und wird von den Wettbüros samt seiner Geige hoch gereiht. Top-Favorit ist auch der israelische Beitrag der stimmgewichtigen Netta: "Toy".

Wie Alexander Rybak war auch Waylon aus den Niederlanden schon einmal beim ESC dabei - als Teil des Duos Common Linnets, das hinter Conchita 2014 auf Platz zwei landete. Als Solist gelang dem Sänger nun mit Westernrock abermals der Aufstieg. Erwartungsgemäß den Passierschein löste auch Schwedens Benjamin Ingrosso, der mit einer der soliden Popnummern aus der skandinavischen Hitfabrik antritt, auch wenn "Dance You Off" ebenso perfekt vorgetragen wie seelenlos daherkommt.

Das krasse Gegenteil dazu stellt Melovin aus der Ukraine dar, der als Mischung aus Vampir und Emo mit "Under The Ladder" einen spektakulären Auftritt inklusive brennender Treppe und einem Klavier als Sarg hinlegte und dafür mit einem Finalplatz belohnt wurde. Mit einer charmanten Bäumchen-Wechsel-dich-Performances und flottem Balkanpop gelang Moldaus Formation DoReDoS mit "My Lucky Day" eben diesen für sich zu schaffen.

Australien ist (als Erfindung vom Wiener ESC) schon zum vierten Mal beim Bewerb dabei und hat mit Jessica Mauboys "We Got Love" eigentlich eine belanglose Popnummer im Talon - die von der quirligen Sängerin, die zu Hause ein Superstar ist, aber als wahre Bühnenwuchtbrumme derart charmant präsentiert wird, dass es ebenso eine Runde weitergeht wie für die vermutlich lauteste Nummer der ESC-Geschichte, "Viszlat nyar", der ungarischen Metler AWS. Der finanzielle Einsatz für alles an Pyrotechnik, was die Halle hergibt, und die Bereitschaft zum Stagediving machte sich ebenso bezahlt wie das aufrechte Marschieren für Dänemarks Wikinger-Rauschebart Rasmussen, der mit "Higher Ground" einen pazifistischen Vorfahren besang.

Die beiden Überraschungsaufsteiger für das Finale stellen hingegen Serbien und Slowenien dar. Der von Sanja Ilic & Balkanika interpretierte, gravitätische serbische Beitrag "Nova deca" kommt wie nur von wenigen erwartet ebenso zu einem zweiten Einsatz wie die Slowenin Lea Sirk mit "Hvala, ne", dank eines charismatischen Auftritts inklusive eines Fakeaussetzers der Musik.

Wie prognostiziert nichts wurde es hingegen für Zoe und ihren Papermoon-Vater Christof Straub mit dem abermaligen ESC-Finaleinsatz nach dem erfolgreichen Antritt für Österreich 2016. Die beiden hatten heuer am san-marinesischen Beitrag "Who We Are" mitgeschrieben, der von Jessika feat. Jenifer Brening zwar mit Minirobotern auf der Bühne präsentiert wurde, die sich aber als professioneller denn ihre Herrinnen erwiesen. Auch die georgische Ethno-Formation Iriao, die ihr "For You" bewegungs- und begeisterungslos intonierte, muss die Heimreise antreten. Die ebenso düstere wie elegante LED-Performance von Christabelle aus Malta lenkte zwar richtigerweise von ihrem schwachen "Taboo" ab, nicht genug jedoch, um den Abstieg zu verhindern. Und wie schon auf der Bühne hat Montenegros Vanja Radovanovic nun auch hinter der Bühne zu klagen, wurde seine traurige Ballade "Inje" doch ebenso wenig weitergereiht wie die Gruppe The Humans aus Rumänien, für die es passend zum Song "Goodbye" hieß.