• vom 14.05.2018, 16:54 Uhr

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ORF muss YouTube und Flimmit-Konzept auf Eis legen




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  • Behörden-Nein: Eigener YouTube-Kanal würde Google bevorzugen und andere benachteiligen.

Schlechte Nachrichten für ORF-Chef Alexander Wrabetz.

Schlechte Nachrichten für ORF-Chef Alexander Wrabetz.© apa Schlechte Nachrichten für ORF-Chef Alexander Wrabetz.© apa

Wien. (bau) Es ist eines der Paradoxa der heimischen Medienlandschaft. YouTube ist zwar voll von ORF-Clips, offiziell ist der ORF aber nicht auf YouTube aktiv. Wie das geht? Die Clips stammen (zumindest offiziell) nicht vom ORF, sondern von Privatpersonen. Einen offiziellen Auftrag, das zu tun, haben diese Menschen jedoch nicht. Im Gegenteil: Den Antrag, einen eigenen ORF-Kanal auf YouTube zu gründen und zu befüllen, muss der heimische Öffentlich-rechtliche nun aufgrund der Rechtslage auf Eis legen.

Die Medienbehörde KommAustria prüfte sowohl den Antrag des ORF, einen YouTube-Kanal zu betreiben, als auch eine Gebührengeld-Spritze für seinen Streaming Dienst Flimmit. Beide Anträge wurden negativ beschieden.


Umgehung von 7-Tage-Regel
Seinen YouTube-Channel hatte der ORF im Februar vergangenen Jahres bei der Behörde eingereicht. Geplant war, Content wie die schon jetzt online verbreiteten Kompakt-Nachrichten, Sendungen, deren Ausstrahlung länger als sieben Tage zurückliegen, Archivmaterial und zusätzlich erstellte Inhalte auf der Video-Plattform herzuzeigen. Man wolle damit der gewandelten Mediennutzung Rechnung tragen und vor allem jüngeres, digital affines Publikum erreichen, schrieb der ORF damals in seinem Antrag.

Interessanterweise hatte der ORF in seinem ursprünglichen Antrag eine Monetarisierung der YouTube-Clips vorgesehen. Dabei schaltet Google automatisiert Pre-Roll-Spots und teilt den Erlös mit dem Urheber - in diesem Fall also dem ORF. Ein schönes Körberlgeld also für Material, das ohnehin da ist (und vom Gebührenzahler bereits einmal bezahlt wurde). Nach der öffentlichen Konsultation war dieses Ansinnen aber bereits wieder aus dem Antrag verschwunden - mutmaßlich wegen Aussichtslosigkeit.

Grundsätzlich wäre gegen einen ORF-Kanal auch nichts einzuwenden, meint die Behörde - "im Sinne einer wünschenswerten Auffindbarkeit öffentlich-rechtlicher Inhalte", wie sie am Montag schrieb. Eine "exklusive Kooperation des ORF mit YouTube" würde allerdings "andere vergleichbare Unternehmen diskriminieren". Und das verstoße gegen das ORF-Gesetz, so ein Haupt-Ablehnungsgrund der KommAustria. Außerdem könnte ein YouTube-Kanal die bestehende TVthek schwächen, meint sie. Zugleich gibt die dem ORF aber indirekt einen Tipp: Man könnte versuchen, eine Ausweitung der 7-Tage-Beschränkung für TVthek-Content zu beantragen, was eine weitere so genannte Auftragsvorprüfung durch die KommAustria bedeuten würde. Dieses Ansinnen wurde vom ORF ohnehin längst an die Politik herangetragen und könnte sich gut in der nächsten Novelle des ORF-Gesetzes (wohl zum Jahresende) wiederfinden.

"Nehmen das zur Kenntnis"
Diesen Hinweis begrüßt der ORF ausdrücklich. Die Entscheidung der Behörde nehme man zur Kenntnis und schaue sich den Bescheid genau an. "Allerdings wird das Projekt eines eigenen Youtube-Channels jetzt nicht mehr weiterverfolgt", heißt es vom Küniglberg. Der ORF werde sich nun darauf konzentrieren, die für den Youtube-Channel vorgesehenen Features im Rahmen der ORF-Onlineangebote zu realisieren.

Das Vorhaben, aus Flimmit eine öffentlich-rechtliche, kostenpflichtige Streaming-Plattform zu machen, sei rechtlich prinzipiell möglich, erklärte die Behörde. Sie beanstandete aber das Finanzierungskonzept, das der ORF einreichte. Laut ORF-Gesetz müssen zusätzliche ORF-Online-Angebote das Kriterium der "wirtschaftlichen Tragbarkeit" erfüllen. Doch im Antrag bleibe "völlig unklar, wie groß der Anteil sei, der aus dem ORF-Programmentgelt einfließen müsste". Diese Behördenentscheidung findet der ORF "bedauerlich auch für den Medienstandort Österreich", denn der wäre durch "die beantragte Weiterentwicklung von Flimmit" gestärkt worden, heißt es in der Stellungnahme. Die Privatsender reagierten erfreut auf die Ablehnung durch die Behörde.




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