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Update: 06.06.2018, 10:26 Uhr

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Mediale Landschaftspflege




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Von Bernhard Baumgartner

  • Österreichs Medien sind an zwei massiven Fronten unter Druck. Ohne Engagement sterben heimische Inhalte.




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Wien. Jammern gehört zum Geschäft, lautet eine alte Kaufmannsweisheit. Zu viel Jammern jedoch ist nervtötend und macht ungläubig. Wenn das Jammern jedoch verstummt, ist es an der Zeit, sich Sorgen zu machen. Denn wer nicht einmal mehr jammert, um den ist es oft ganz schlecht bestellt. Auch um die heimische Medienlandschaft ist es seit einiger Zeit erstaunlich still geworden. Hat man vor 15 Jahren noch überall lauthals über die Krise geklagt, ist es nun merkwürdig ruhig, Forderungen nach mehr Förderungen werden bei entsprechenden Anlässen, wie etwa der morgigen Medienenquete des Bundeskanzleramts routiniert heruntergeleiert - aber die Bemerkungen lassen die Dramatik vermissen, die eigentlich angezeigt wäre. Das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder ist in den Verlagen nach den harten Einsparungen der letzten Jahre unerwartet der Reichtum ausgebrochen - oder hat man sich einfach nur mit dem Unvermeidlichen arrangiert.

Man darf wohl eher vom Zweiten ausgehen. Denn Besorgnis wäre durchaus angemessen, wenn man sich die Zahlen ansieht. Zwischen 2011 und 2016 sind laut entsprechenden Erhebungen im "Standard" die Umsätze der heimischen Medienhäuser um bis zu der Hälfte eingebrochen. Sogar sonst eher krisenresistente Bundesländerverlage verloren rund ein Drittel, im Magazinbereich war es ähnlich dramatisch. Das einzige große Medienhaus das seinen Umsatz ohne Eingriff der Eigentümer steigern konnte, ist der ORF - und das auch nur dank einer Erhöhung der gesetzlichen Rundfunkgebühr. Bei den verkauften Auflagen sieht es auch nicht besser aus: Zwischen 2007 und 2017 gelang es nur der "Kleinen Zeitung", die Verkaufte Auflage zu steigern. Bei allen anderen ist die Auflage deutlich kleiner, teils sind die Rückgänge drastisch, etwa bei "News" oder der "NÖN".

Milliarden an Facebook

Tatsächlich befinden sich die heimischen Medien in einem üblen Zweifrontenkrieg. Einerseits saugen auf der Anzeigenseite die Internet-Giganten Facebook und Google immer stärker Werbevolumen und somit Umsätze ab. Alleine Google hat seinen Umsatz von 2006 auf 2016 von knapp 11 auf fast 80 Milliarden Dollar steigern können. Und Google ist nicht alleine: Auch Facebook machte im vierten Quartal 2017 12,5 Milliarden Dollar Umsatz. Sicherlich ist hier auch Geld erfasst, das vorher nicht im Print- oder TV-Markt investiert war. Aber zumindest ein Großteil des Geldes ist nun aus Sicht der Medien weg - und es wird wohl auch nicht so schnell wiederkommen.

Da nützt es den Verlagen eher wenig, dass immer noch jeder zweite auf Facebook geteilte Inhalt auf einen Artikel eines herkömmlichen Mediums verweist. Damit wird zwar Reichweite generiert, aber wenn man nicht in der Lage ist, diese aufgrund der massiven Pull-Wirkung der Netzgiganten zu monetarisieren, ist die Übung eine akademische.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-05 16:31:13
Letzte Änderung am 2018-06-06 10:26:28


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