In der Gastgeberrolle: Medienminister Gernot Blümel (l.) mit ORF-General Alexander Wrabetz. - © apa
In der Gastgeberrolle: Medienminister Gernot Blümel (l.) mit ORF-General Alexander Wrabetz. - © apa

Wien. (bau) Weniger Hickhack und mehr das große Bild im Auge haben - so kann man das Generalthema des ersten Tages der Medienenquete der Bundesregierung am Donnerstag zusammenfassen. Die hochkarätig besetze Veranstaltung dient als Ideenaustausch für die großen Linien der Medienpolitik in naher Zukunft. Entsprechend groß waren schon Erwartungshaltung und Besitzstandswahrung im Vorfeld. Nach der Eröffnung durch Medienminister Gernot Blümel, der Kooperation als Schlüssel zur Zukunft sieht und sicherstellen will, dass es in 15 Jahren noch relevante österreichische Inhalte gibt, gab es drei internationale Impulse.

Der deutsche Verlegerpräsident und Chef des Springer-Verlages Mathias Döpfner lobte die Bundesregierung für die Enquete, die "zum richtigen Zeitpunkt" kommt. Er sieht zwei Schlüsselregelungen, die "zukunftsentscheidend" und "schicksalhaft" seien, damit europäische Verleger auch künftig Inhalte anbieten können. Das eine ist die "anstehende Entscheidung über ein europäisches Verlegerrecht". Es gehe um die Frage, ob "geistiges Gut geschütztes Gut ist", derzeit sei das nicht der Fall. "Das wird innerhalb der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft entschieden." Zum zweiten kritisierte er die E-Privacy-Pläne als "Treppenwitz der Geschichte". Anstatt die Daten der User zu schützen, würde diese im Endeffekt "die US-Monopole noch stärker machen". Es brauche jedenfalls Sonderregelungen.

Der ehemalige ORF-Chef und nunmehrige Chef von Turner International, Gerhard Zeiler, machte auf die Disruption des TV durch das Streaming aufmerksam. Hatten kürzlich noch 92 Prozent der US-Haushalte ein Pay-TV-Abo stehe man nun bei 80 Prozent, künftig wohl bei 70 Prozent. Als Gegenstrategie sieht Zeiler vor allem eines: Man müsse durch exklusive Inhalte zum "Must have" werden. Weiters sei eine "Ausweitung der digitalen Programmaktivitäten" essenziell. Und zwar auf allen möglichen Plattformen und Kanälen.

Vom kürzlich bekräftigten YouTube-Verbot für den ORF wie auch von dessen konkret werdenden Rückzugsplänen von Facebook halte er nichts. "Das ist völlig absurd." Erfülle ein öffentlich-rechtlicher Sender seinen Auftrag, dann würden auch die Gebührenzahler gerne zahlen, ist Zeiler überzeugt. "Ich kenne das Management der BBC. Dort hat keiner Angst vor einer Volksabstimmung, weil sie genau wissen, dass sie das haushoch gewinnen würden." Das Steuerrecht habe zudem für eine Gleichbehandlung zu sorgen.

TV-Thek für alle

In der derzeit viel beschworenen Zusammenarbeit zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen sah Zeiler vor allem Potenzial bei der gemeinsamen Werbevermarktung, "nicht nur im digitalen Bereich", und im teilweisen gemeinsamen Erwerb von Sportrechten. Für beides gebe es internationale Beispiele. Medienminister Blümel habe nun eine "hohe Verantwortung", schloss Zeiler.

EU-Kommissarin Vera Jourova zeigte sich besorgt über Gewalt gegenüber Journalisten und warnte vor manipulierten Wahlen durch Desinformation und Fake News. Unternehmen, die sich für die Inhalte ihrer User nicht verantwortlich sehen, hielt sie die soziale Verantwortung entgegen.

Im Nachmittagspanel ging es dann um konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit. ORF-Digitalchef Thomas Prantner kündigte eine Öffnung der TV-Thek für Private an. "Wir sind kein closed shop. Wir können ein Turbo für die Privaten sein."