• vom 12.06.2018, 13:58 Uhr

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Update: 12.06.2018, 14:06 Uhr

Pressevertrieb

Morawa stellt Zeitungsvertrieb ein




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Von WZ Online, APA

  • Grund dafür sind die stark rückläufigen Verkäufe von Zeitungen und Magazinen.

Fachgeschäfte wie Trafiken sind die wichtigsten Umsatzbringer. - © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Fachgeschäfte wie Trafiken sind die wichtigsten Umsatzbringer. © Moritz Ziegler/Wiener Zeitung

Wien. Am Montag hat Morawa mitgeteilt, die Pressevertriebstochter per Jahresende einzustellen. Das wurde vom Management vor allem mit "stark rückläufigen Verkäufen von Zeitungen und Zeitschriften im Einzelhandel" wegen der Digitalisierung erklärt. Dass sich das Geschäft nicht mehr rechnet, bestätigen auch die Unternehmenszahlen.

"Es ist so, dass sich das Geschäft kurz- bis mittelfristig nicht mehr rechnen würde", sagte Morawa-Geschäftsführer Emmerich Selch gestern im APA-Gespräch. "Die Kosten, die der Vertrieb verursacht, sind so hoch, dass die Verkaufserträge diese à la longue nicht mehr decken würden." Nun bemühe man sich um ein geordnetes Ende, denn es solle nicht passieren, dass der Weg Richtung Insolvenz führe, so Selch. "Wir ziehen uns vom Markt zurück, weil die Verkäufe insgesamt rückläufig sind."

Umsatz geschrumpft

Laut Daten, die bei der aktuellsten Jahrestagung des Morawa Pressevertriebs vor rund einem Jahr präsentiert wurden, ging der Absatz im Jahr 2016 um 8,8 Prozent zurück und der Umsatz um 3,2 Prozent auf laut Firmencompass 125,42 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr 2017 (konkret Kalenderwoche 1 bis 24) brach der Absatz um weitere 9,1 Prozent ein und der Umsatz um 12,6 Prozent. 2016 habe "stark begonnen und ebenso stark verloren". 2017 gab es einen "katastrophalen Start in das neue Jahr". Die Umsatzverluste österreichischer Titel waren "wesentlich größer" als bei deutschen Titeln, vor allem bei Tageszeitungen, aber auch bei wöchentlich und monatlich erscheinenden Titeln.

2016 wurde laut Firmencompass bei Morawa Pressevertrieb auch erstmals ein negatives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von minus 2,64 Mio. Euro verzeichnet. 2015 hatte es noch ein mit 0,11 Mio. Euro minimal positives EGT gegeben. Kein Vergleich zu den Jahren zur Mitte der 2000er-Jahre - 2003 belief sich das EGT auf 4,78 Mio. Euro, 2004 auf 5,38 Mio. Euro, 2005 auf 3,22 Mio. Euro. Die Zahl der Beschäftigten ging im Vorjahr auf 69 zurück. Seit dem Höchststand 2006 mit 423 Mitarbeitern wurde jährlich abgebaut.

Sorgenkind Tankstelle

In den Unterlagen von der Jahrestagung heißt es unter anderem weiters, dass vor allem auch Tankstellen das "Sorgenkind" beim Absatz seien. Die Tankstellen sind mit 4,3 Prozent 2016 immerhin Nummer 3 im Umsatzanteil nach Absatzorten. Am wichtigsten sind Fachgeschäfte (dazu gehören die Trafiken) mit dem Umsatzanteil von 50 Prozent, wo der Umsatz - nach Rückgängen in den Jahren zuvor - von 2016 auf 2017 um 12 Prozent einbrach. Bei den Supermärkten (Umsatzanteil knapp 35 Prozent) gab es ein Umsatzminus von 11,4 Prozent, bei den Tankstellen um 27,3 Prozent, in sonstigen Fachgeschäften um 18,8 Prozent, in Fachmärkten um 10,8 Prozent.

VÖZ beruhigt

Der Verein Österreichischer Zeitungsverleger (VÖZ) beruhigt rund um das kommende Aus des Morawa Zeitungsvertriebs. "Wir werden mit Sicherheit bis zum Jahresende eine alternative Lösung gefunden haben", sagte VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal". Antworten seien aber rasch zu finden.

Dann könnten "Zeitungen und Magazine am Point of Sale, also Trafik, Kiosk, Supermärkte, Tankstellen auch weiterhin verfügbar" sein, "weil wir der Überzeugung sind, dass das eine Art der Infrastrukturleistung ist, im Sinne auch der Demokratie", so Grünberger. Ein großes Geschäft sei der Einzelhandel nicht, er mache nur fünf Prozent des Verkaufs aus. Zeitungen würden überwiegend über Abos an den Kunden gebracht, bekräftigte Grünberger eine Aussage von Morawa-Geschäftsführer Emmerich Selch im APA-Gespräch gestern.

Eine Option für die Übernahme der Vertriebstätigkeit ist der Salzburger Pressegroßvertrieb PGV Austria, wie Morawa-Chef Selch gestern erklärte. Dort laufen gerade die Telefone heiß, sagte Vertriebsleiter Florian Kraus heute im Radiobericht. "Wir sind für alle Gespräche offen, die ersten Gespräche laufen auch schon, die ersten Kontaktaufnahmen sind erfolgt." Man könne das Geschäft von Morawa übernehmen. "Natürlich müssen wir organisatorisch da auch die einen oder anderen Stellschrauben drehen. Aber wir werden es sicherlich stemmen, wir sind ja auch schon seit über 70 Jahren am Markt."

Eine Alternative wäre, dass Verlage künftig - wie es die Mediaprint macht - selbst ausliefern, sagte VÖZ-Geschäftsführer Grünberger. Bei weniger Anbietern könnten die Preise für den Vertrieb prinzipiell steigen. "Wenn es eklatant teurer wird, wird man sich etwas überlegen müssen. Aber ich geht jetzt zum heutigen Zeitpunkt nicht zwingend von einer Preiserhöhung aus."





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-12 14:00:12
Letzte Änderung am 2018-06-12 14:06:20


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