• vom 14.06.2018, 16:12 Uhr

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Update: 14.06.2018, 16:36 Uhr

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Plaudern mit dem Großmeister




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Von Bernhard Baumgartner

  • John Cleese beehrte die Wiener Stadthalle mit einer ausverkauften Show.



John Cleese ist fraglos eine Legende. "Monty Python", "Fawlty Towers", "Life of Brian", "A Fish Called Wanda" - die Erfolge des britischen Comedian mit Großmeisterschaft im schwarzen Humor ist lang. Doch sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen, das ist ihm nicht vergönnt. Er tingelt mit 73 Jahren von Stadt zu Stadt, um vor ausverkauften Häusern seine knapp zweistündige Bühnen-Show mit dem sinnigen Titel "Last Time to See Me before I die" zu spielen. Über den Grund dafür lässt Cleese zu Beginn keinen Zweifel. Er blendet ein Foto von einer Frau beim Bankomat ein. "This is my ex-wife on her daily morning stroll to collect her alimony", sagt er knochentrocken. Und man kann quasi den Humor aus dem Gesicht weichen sehen.

Tatsächlich hat Cleese in dieser Hinsicht wenig zu lachen, hat doch seine dritte Ehe mit einer US-Amerikanerin Medienberichten zufolge mit einem zwölf Millionen Pfund Vergleich geendet - und noch mal 600.000 Pfund pro Jahr extra auf zehn Jahre. Daher muss der Rubel, oder besser das Pfund rollen, was Kartenpreise von jenseits der 60 Euro pro Stück ein bisschen in Richtung Charity rückt: Klar, John, alter Freund - wir helfen Dir doch gerne aus. Oder besser gesagt: deiner Ex. Cheers!

Information

Bühne
John Cleese - Last Time to See Me Before I Die
Stadthalle

Im Wesentlichen zeigt John Cleese auf einfacher, aber geschmackvoll ausgestatteter Bühne alte und neue Clips auf großer Leinwand und erzählt ein bisschen etwas dazu. Über sein Leben in Hotels, das reale Vorbild für Basil Fawlty in der unfassbar lustigen Serie "Fawlty Towers" oder das Begräbnis des verstorbenen Mit-Python Graham Chapman, das Cleese zu einer Trauerrede mit Lachstürmen umfunktionierte. "Er hätte es mir nicht verziehen, wenn ich es anders gemacht hätte", sagt Cleese.

Wer sich von "Last Time to See Me Before I Die" ein Gagfeuerwerk erwartet hat, wird wohl enttäuscht gewesen sein. Vielmehr ist es ein Plauderabend mit dem großen Meister, der seine Sicht der Dinge darlegt und erklärt, wie er zu welcher Idee gekommen ist. Die Geschichten sind witzig, aber keine Schenkelklopfer. Cleese analysiert den Humor, welche Witze ziehen und welche nicht. Für alle, die einen Kapazunder des britischen Humors sozusagen in einer Masterclass über sein Berufsfeld plaudern hören wollten, hat sich am Mittwochabend in der Stadthalle wohl ein Lebenstraum erfüllt. Inklusive ein bisschen Slapstick, wenn etwa ein Mann aus dem Publikum, der angeblich die Show mitfilmte, einen Kübel Wasser über den Kopf bekommt.

Dass sich bei der großen Anzahl an Shows, die Cleese abspielt, eine gewisse Routine einschleicht, kann man dem Mann wohl nicht verübeln. Dass er sich nach netto knapp zwei Stunden nicht einmal für eine einzige kleine Zugabe herausklatschen ließ, wird bei dem einen oder anderen vielleicht einen etwas bitteren Nachgeschmack hinterlassen.

Da kann man dem Co-Autor des berühmten Parrot-Sketches nur wünschen, dass es mit der vierten Ehe klappt. Noch eine jahrelange Bankomatentour geht sich in diesem Leben vielleicht nicht mehr aus.





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Medien, Fernsehen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 16:19:24
Letzte Änderung am 2018-06-14 16:36:11


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