• vom 26.06.2018, 16:15 Uhr

Medien

Update: 26.06.2018, 17:22 Uhr

Medien

Vor massiver Einschränkung der Twitter-Nutzung im ORF




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Bernhard Baumgartner

  • Neue Social-Media-Anweisung schränkt Spielraum von ORF-Redakteuren stark ein.

ORF-Chef Alexander Wrabetz. - © apa

ORF-Chef Alexander Wrabetz. © apa

Wien. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat die Authentizität eines zuvor kursierenden Entwurfs für neue Social Media Guidelines des ORF bestätigt. Die Dienstanweisung enthält neue, strikte Richtlinien für das Verhalten von ORF-Redakteuren. Am Dienstag war die Dienstanweisung offenbar bereits einem Teil der ORF-Mitarbeiter zugänglich gemacht worden. "Die Guidelines, wie sie sinngemäß auch schon im Umfeld der letzten Wahlen in Geltung waren, sollen im Sommer in Kraft treten. Zuvor wird es noch ein Gespräch mit dem Redakteursrat und dem Zentralbetriebsrat geben, um die Intention und Interpretation der Guidelines zu erläutern", so Wrabetz in einer Stellungnahme.

Angekündigt waren neue Regeln nach dem Muster der strengen Vorgaben der "New York Times". Das der "Wiener Zeitung" vorliegende Dokument ist in der Tat ähnlich strikt. ORF-Mitarbeiter haben demnach "öffentliche Äußerungen und Kommentare in sozialen Medien, die als Zustimmung, Ablehnung oder Wertung von Äußerungen, Sympathie, Antipathie, Kritik und ,Polemik‘ gegenüber politischen Institutionen, deren Vertreter/innen oder Mitgliedern zu interpretieren sind" zu unterlassen. Weiters sind "öffentliche Äußerungen und Kommentare in sozialen Medien, die eine voreingenommene, einseitige oder parteiische Haltung zum Ausdruck bringen, die Unterstützung derartiger Aussagen und Initiativen Dritter sowie die Teilnahme an derartigen Gruppen, sofern damit die Objektivität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit des ORF konterkariert würde" untersagt. Das betrifft nicht nur Postings, die jemand selbst erstellt, sondern auch "Zeichen der Unterstützung/Ablehnung wie Likes, Dislikes, Recommends, Retweets oder Shares".


Im Zweifelsfall: Nein
Wie das konkret auszulegen ist, war am Dienstag nicht zu erfahren. Aber es ist anzunehmen, dass es etwa nicht erlaubt wäre, ein Posting einer Partei zu liken, oder ein Posting, in dem jemand einen Politiker kritisiert. Bei der "New York Times" ist das auch so. Die Accounts von Journalisten des Qualitätsblattes halten sich aus dem politischen Diskurs heraus.

Zu überwachen haben die Richtlinie "die jeweiligen redaktionellen Vorgesetzten (Chefredakteure, Hauptabteilungsleiter/innen)". Jedes Posting "kann jeweils nur im Einzelfall unter Abwägung aller Umstände und nach Maßgabe der erwähnten rechtlichen Vorgaben" geprüft werden. Wrabetz abschließend: "Im Zweifel ersuche ich darum, von einer Meinungsäußerung Abstand zu nehmen."

Das würde streng genommen de facto das "Aus" für Accounts wie den bei weitem reichweitenstärksten von Armin Wolf bedeuten. Ein Weitermachen wie bisher ist jedenfalls nicht möglich, da Wolf durchaus mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Die Argumentation, es handle sich um einen privaten Account, der mit dem ORF nichts zu tun hat, ist jedenfalls vom Tisch, da ja bereits "der Anschein der Befangenheit" ausreichend ist.




Schlagwörter

Medien, ORF

1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-26 16:22:37
Letzte Änderung am 2018-06-26 17:22:47


Popkultur

Der Krampus als Anti-Held in Comics

Vom Alpenschreck zum Übersee-Schurken: der Krampus in US- Comics. - © Imago Comics Schon längere Zeit ist die furchteinflößende Gestalt des Krampus, des finsteren Begleiters des Heiligen Nikolaus im Alpenraum, Teil der US-Popkultur... weiter




Zeichentrick

Der "Vater" von SpongeBob Schwammkopf ist tot

FILES-US-ENTERTAINMENT-TELEVISION-SPONGEBOB-HILLENBURG - © AFP New York. Der Erfinder der beliebten Zeichentrickserie "SpongeBob Schwammkopf", Stephen Hillenburg, ist tot. Er starb am Montag im Alter von 57 Jahren... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Harald Schmidt, Michael Niavarani und ihre Prostata
  2. Die neue Einstimmigkeit
  3. Saftiger Hexenschmaus
  4. b + s
  5. Philharmoniker begeistern unter Riccardo Muti
Meistkommentiert
  1. "Die Weiden" erleiden Schiffbruch an der Staatsoper
  2. Die neue Einstimmigkeit
  3. ORF teilt TV-Sender gesellschaftlichen Gruppen zu
  4. Posthume Resterampe
  5. Eine wunderbare Reise zu den Ursprüngen von Jethro Tull


Quiz


Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker.

Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk. Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


Werbung