• vom 28.06.2018, 07:00 Uhr

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"Gegen Extremismus und Gewalt angehen"




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Von Veronika Eschbacher

  • Die "Wiener Zeitung" sprach mit Shafic Gawhari, dem CEO des größten Medienunternehmens Afghanistans.

Spielt auch "The Walking Dead": Shafic Gawhari vom afghanischen TV. - © ve

Spielt auch "The Walking Dead": Shafic Gawhari vom afghanischen TV. © ve

Kabul. Während der Herrschaft der Taliban war Fernsehen verboten, es gab genau einen Radiosender in Afghanistan: Radio Scharia. Seit dem Fall der Radikalislamisten 2001 verzeichnete die afghanische Medienlandschaft ein rasantes Wachstum, heute haben 100 TV-Kanäle und 302 Radiostationen Lizenzen. Die "Wiener Zeitung" sprach mit Shafic Gawhari, dem CEO von Moby Group - des ersten privaten Medienunternehmens nach dem Fall der Taliban, das mit dem liberalen Kanal Tolo TV den Marktführer im TV-Segment stellt - über die Rolle der Medien in Afghanistan, die Programmgestaltung und den Umgang mit Konservativen.

"Wiener Zeitung": Weltweit beobachten wir eine Vertrauenskrise der Medien, wie sieht es in Afghanistan aus?


Shafic Gawhari: Laut der neuesten Studie der Asia Foundation haben 76 Prozent der Menschen in Afghanistan Vertrauen in die Mullahs - und lediglich ein halbes Prozent weniger vertrauen den Medien. Das zeigt, was für eine starke Rolle die Medien spielen. Der TV-Konsum ist sehr hoch und wird wichtiger, zwei Drittel der Afghanen schauen fern. Im Vorjahr hat Fernsehen erstmals Radio überholt. Das liegt auch daran, dass in vielen Dörfern heute Solarpaneele verbreitet sind. Sie werden genutzt, um die Mobiltelefone zu laden, aber eben auch zum Fernsehen.

In den vergangenen Jahren sind unter anderem durch die Medien viele neue Lebensbilder und Werte nach Afghanistan gelangt, die am traditionellen einheimischen Wertesystem rütteln. Manche sprechen heute von einem "Clash der Kulturen". Gibt es TV-Sendungen, in denen die Änderungen afghanischer Werte und Kultur diskutiert werden?

Wir haben zu diesem Thema gerade eine Serie laufen mit dem Titel "Khat-e sevvom" (Die dritte Linie, Anm.). Sie zeigt das Leben mehrerer Familien, die in einem Haus wohnen. Die Hauptfiguren sind aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten: Sie sind Studenten, Mullahs, Konservative, Liberale. Durch die unterschiedlichen Lebensbilder entstehen Reibungen, und diese Themen werden hier alle angesprochen. Die Serie ist sehr bewusst konzipiert, Ziel ist es, gegen Gewalt und Extremismus anzugehen und Toleranz zu fördern. In der Bevölkerung kommt sie sehr gut an, sie ist viel diskutiert, auch in sozialen Medien. Im Vorjahr hatten wir die zwölfteilige Eigenproduktion "Shirin", in der es darum geht, wie eine afghanische Frau trotz vieler Hindernisse Karriere macht und ihre Kinder großzieht. Die Serie war sehr beliebt, aber leider konnten wir das aus eigenen Mitteln nicht weiter produzieren.

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Schlagwörter

Medien, Fernsehen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-27 15:58:40
Letzte Änderung am 2018-06-27 20:15:28


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