Wien. Die Frage nach der Herkunft ist so alt wie die Menschheit. Der Mensch will wissen, wo seine Wurzeln sind, von wem er abstammt, mit wem er verwandt ist. Das ist Teil seiner Identität. Nicht immer ist der Stammbaum so gut dokumentiert wie bei US-Präsident Donald Trump, dessen deutsche Vorfahren im 19. Jahrhundert aus der Pfalz nach Amerika emigriert sind. Im Internet gibt es heute mannigfaltige Möglichkeiten, Ahnenforschung zu betreiben. Diverse Portale bieten Hobby-Historikern Zugang zu Kirchenbüchern oder Ortsverzeichnissen, um nach Verwandten zu suchen und die eigene Familienhistorie zu rekonstruieren.

Die Erzählungen der DNA

Ahnenforschung boomt. Um mehr über ihre Abstammung zu erfahren, sind Menschen bereit, immer mehr Informationen über sich preiszugeben. Genealogie-Webseiten wie Ancestry.com bieten Privatpersonen die Möglichkeit, über einen DNA-Test Verwandtschaftsgrade zu prüfen und einen Stammbaum zu erstellen: Für 99 Euro bestellt man im Internet ein sogenanntes "AncestryDNA-Testpaket". Darin enthalten sind eine Gebrauchsanleitung, ein Röhrchen zur Speichelgewinnung sowie eine Versandtasche für die Rücksendung. Der Empfänger spuckt in das Röhrchen und schickt die Speichelprobe in ein Labor ein. Dort wird die DNA analysiert. Nach sechs bis acht Wochen erhält man die Ergebnisse. Zum Beispiel: 33 Prozent Irland/Schottland/Wales, 28 Prozent Skandinavien, 13 Prozent Italien/Griechenland, 18 Prozent Südasien, acht Prozent Benin/Togo.

"Ihre DNA erzählt eine Geschichte", wirbt AncestryDNA auf seiner Webseite. Das Portal hat das Genom von zehn Millionen Menschen analysiert, die einen DNA-Test absolviert haben. "Wir können Sie daher mit mehr Menschen abgleichen, die dieselben DNA-Bausteine wie Sie haben", heißt es auf der Webseite. "Das könnten enge Verwandte sein. Das könnten auch entfernte Cousins sein. Doch Ihr Leben ist in gewisser Weise verbunden, bedeutend oder geringfügig. Ihre DNA führt Sie zusammen." Familienzusammenführung per DNA.

Die Idee hinter den Genealogie-Plattformen ist auch ein Networking-Gedanke. Statt wie auf Facebook mit Freunden vernetzt man sich mit Cousins fünften Grades oder Leihmüttern. "Sind Gentest-Seiten die neuen sozialen Netzwerke?", fragte die "New York Times". Über den genetischen und Computer-Code knüpft man die biologische Bande wieder zusammen.

Es gibt im Netz eine Reihe verblüffender Erfahrungsberichte. Die afroamerikanische Marketing-Strategin Christine Michel Carter fand über eine Erbgutanalyse heraus, dass sie zu 31,5 Prozent europäische Wurzeln hat und nur zu zwei Dritteln aus Sub-Sahara-Afrika. War sie also keine "richtige" Afroamerikanerin, wie sie stets dachte? Das Ergebnis führte zu einer quälenden Selbstbefragung und letztlich auch einem Infrage-Stellen der eigenen Identität. "Ich feierte den Black History Month und fand heraus, dass ich weiß bin", schrieb Carter in einem Beitrag für die "Huffington Post".