Die Daten können aber noch viel sensiblere Informationen offenbaren. Als Strava Daten seiner Nutzer veröffentlichte, waren darunter auch solche von Militärs. Auf den Heatmaps waren Bewegungsprofile von Soldaten auf streng geheimen Militärbasen wie etwa in der afghanischen Provinz Helmand oder dem Flughafen von Mogadischu für jedermann einsehbar: Lieferrouten, Joggingstrecken, Routinegänge. Militärgeheimnisse, die für den öffentlichen Gebrauch nicht vorgesehen waren. Denn zu den Anwendern gehörten auch US-Soldaten.

2013 gab das US-Militär seinen Soldaten im Rahmen eines Fitnessprogramms den Fitness-Tracker Fitbit aus, um ihre Aktivitätslevel, Ernährungs- und Schlafgewohnheiten zu kontrollieren. Die Fitbit-Aktivitäten lassen sich mit Strava synchronisieren.

Joggingroute verrät Basis

Der Sicherheitsforscher und Nahostexperte Tobias Schneider analysierte das Kartenmaterial auf seinem Twitter-Account: "In Syrien erleuchten die Basen der Koalitionskräfte (etwa der USA) die Nacht: manche Lichtmarker über bekannten russischen Positionen, keine erkennbare Färbung von iranischen Basen." Um die Stadt Mossul identifizierte der Experte einige Außenposten des US-Militärs. Die US-Sicherheitsbehörden waren alarmiert. Dass die Jogging-Route eines GI ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellt, mag überzogen sein. Doch zeigt sich, wie sich eine Technik (GPS), die ursprünglich eine Militärtechnologie war und erst 2000 zur zivilen Nutzung freigegeben wurde, gegen die Erfinder richten kann. In den USA wurde sogar ein Mörder aufgrund der Fitbit-Daten überführt.

Der Philosoph Paul Virilio schreibt in seinem Essay "Information und Apokalypse. Die Strategie der Täuschung": "Früher waren es das Teleskop und das Mikroskop; in Zukunft wird es die häusliche Fernüberwachung sein, die weit über die militärische Dimension des Phänomens hinausgeht." Wer die Bewegungen anderer aufzeichnen will, kann nicht verhindern, dass er selbst getrackt wird.