• vom 14.07.2018, 11:02 Uhr

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Von Barbara Dürnberger

  • Am Samstag wäre die Regielegende Ingmar Bergman 100 Jahre alt geworden - und wird im Fernsehen gefeiert.

Szenen einer Ehe: Johan (Erland Josephson) und Marianne (Liv Ullmann) als Musterpaar.

Szenen einer Ehe: Johan (Erland Josephson) und Marianne (Liv Ullmann) als Musterpaar.© 3sat Szenen einer Ehe: Johan (Erland Josephson) und Marianne (Liv Ullmann) als Musterpaar.© 3sat

Über seine Produktionen sagte er einmal: "Ich stelle mir gern vor, dass sie in einem besonderen Raum der Seele ruhen, dort liegen sie bequem und reifen wie prächtige Käselaibe heran." So sehr es Ingmar Bergman verstand, mit Worten Bilder zu erschaffen, so talentiert war er auch darin, Bilder für sich allein sprechen zu lassen. Am Samstag wäre der weltberühmte schwedische Film- und Theaterregisseur, der 1997 von der Jury der Internationalen Filmfestspiele von Cannes als "bester Filmregisseur aller Zeiten" ausgezeichnet wurde, 100 Jahre alt geworden. Eine originelle Sender-Kombination aus 3sat und Tele5 ehrt den Filmemacher an diesem Wochenende und zeigt einige seiner besten Filme, sowie die Dokumentation "Ingmar Bergman - Herr der Dämonen" (Sa., 20.15 Uhr, 3sat).

Geboren 1918 als Sohn eines Pastors in Uppsala, arbeitet Bergman nach seinem Studium in Stockholm ab 1944 als Film- und Theaterregisseur. Sein Leben hat die schwedische Regielegende stets seiner Arbeit angepasst, oftmals auch untergeordnet. Er gilt als Perfektionist, den selbst die Gründung einer Familie nicht von seinen Produktionen ablenkte. Versucht hatte er es dennoch - mehrmals. Bergman war fünf Mal verheiratet und Vater von insgesamt neun Kindern. Langfristige Beziehungen unterhält er mit keinen von ihnen, weder mit seinen Ehefrauen noch seinen Kindern. Deshalb macht er sich zwar Zeit seines Lebens Vorwürfe, kann aus dem Kreis, in dem er gefangen scheint, jedoch nicht ausbrechen. "Ich war ständig geplagt von Begierde, Furcht, Angst und schlechtem Gewissen", sagt Bergman über sich selbst. Zuflucht findet er in seinen Filmen und in der fantastischen Welt, die er in ihnen schafft. "Ingmar Bergman - Herr der Dämonen" lässt die wichtigsten Weggefährten und Freunde, wie die Schauspielerin Liv Ullmann zu Wort kommen und zeigt Ausschnitte seiner bedeutendsten Arbeiten im Kino und auf der Bühne.


Denn Bergman, und da sind sich viele Kritiker einig, begreift man nur über sein Werk selbst. So gibt auch einer seiner berühmten Filme "Szenen einer Ehe" (Sa., 21.15 Uhr, 3sat) Einblicke in die Psyche und Gedankenwelt des Autors. Das autobiografische Werk, das 1974 mit einem Golden Globe als "bester nichtamerikanischer Film" ausgezeichnet wurde, schildert sechs Zehnen einer Ehe, die vom Zerfall des Bündnisses zwischen Johan (Erland Josephson) und Marianne (Liv Ullmann) zeugen.

Parallel dazu zeigt Tele5 im Hauptabend jenen Film, der Bergman 1957 zum internationalen Durchbruch verhalf: In "Das siebente Siegel" (Sa., 2015 Uhr, Tele5) kehrt Ritter Antonius Block völlig erschöpft nach einem langen Kreuzzug nach Schweden zurück. Dort angekommen erwartet ihn jedoch keine Erholung - sondern der Tod. Die Pest wütet in seiner Heimat, doch Antonius ist noch nicht fertig mit dem Leben und beginnt zu verhandeln: Wenn er den Tod bei einer Partie Schach schlagen kann, ist er frei.

Im Anschluss zeigt Tele5 das Drama "Wilde Erdbeeren" (Sa., 21.45 Uhr, Tele5), ein bewegender Roadtrip in schwarz-weiß. Abschließend folgt das zum Skandal geratene Drama "Das Schweigen" (Sa., 23.15 Uhr, Tele5), das 1962 durch seine damals als teilweise pornografisch aufgefassten Darstellungen mit Aufführungsverboten belegt wurde.

Der Sonntagabend ist sodann Ingmar Bergmans letztem Kinofilm vorbehalten, der ihm 1982 noch einen Oscar einbrachte: "Fanny und Alexander" (So., 20.15 Uhr, Tele5) stammen aus einer alteingesessenen schwedischen Familie. Als der Vater plötzlich stirbt, wendet sich ihre Mutter an den Bischof Vergérus, heiratet ihn wenig später und zieht mit den beiden Kindern in dessen Residenz.

2007 stirbt Ingmar Bergman im Alter von 89 Jahren. Er hinterlässt ein unglaubliches Lebenswerk (er drehte etwa 40 Filme), das nicht enden wollenden Diskussionsstoff bietet und in dem unentwegt nach tieferen Bedeutungen und Zeichen gesucht wird. Denn: Bergman selbst gab kaum Erklärungen zu seinen Werken ab. Er ließ sie lieber für sich sprechen: "Ich weiß nämlich, dass wir mit Hilfe des Films in bisher nie gesehene Welten eindringen können. In Wirklichkeiten außerhalb der Wirklichkeit."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-13 16:29:04
Letzte Änderung am 2018-07-13 17:12:24


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