• vom 14.07.2018, 07:00 Uhr

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Von Christina Böck

  • Eskapismus oder Seelenhygiene: In Sozialen Medien entstehen Inseln der Positivität, die sich auf gute Nachrichten beschränken.


© Reg Speller/Getty Images © Reg Speller/Getty Images

Ganz ehrlich, wer hat ihn noch nicht gehabt. Diesen Moment, in dem man denkt: Kann er nicht wenigstens EINEN TAG einmal nichts sagen. Kurze Pause vom Polit-Poltern machen. Und der erschöpften Welt einfach einen Trump-freien Tag gönnen? Nein, dafür ist der US-Präsident viel zu motiviert - und tatsächlich ist ja nicht er allein Schuld daran, dass der Medienkonsum heutzutage einer Spirale ins Dunkelgrau gleicht. Man kann es sich aussuchen: Entweder man lässt sich in die Empörungsmaschinerie einspannen oder man nimmt die Welt und ihre apokalyptische Ausgangssituation mit Resignation zur Kenntnis. In beiden Fällen wird einen das nicht besonders glücklich machen. Dem Strudel, der einen von Asyldebatte zu Ozeanplastifizierung, von Kriminalitätssteigerung zu Klimaextremen, von Nervengift zu Und-die-Fußball-WM-ist-auch-schon-wieder-fast-vorbei beutelt, ist kaum zu entkommen. Aus allen Kanälen, seien sie gedruckt, digital oder im altmodischen Farbfernsehen, wird man mit Unannehmlichkeiten und Unausweichlichkeiten konfrontiert.

Und dann, sehr selten, passiert so etwas wie das Höhlenunglück der Burschen in Thailand. Im Sumpf der Negativschlagzeilen bekamen sie anfänglich genau die Aufmerksamkeit, die man noch aufbringt für eine weitere Katastrophe, die man eh nicht ändern kann. Und dann die erstaunliche Meldung: Die Fußballmannschaft ist in dem schlammbefüllten Loch noch gar nicht gestorben! Die Rettungsaktion wurde mit eigentlich überproportionaler Medienaufmerksamkeit begleitet. Die Hoffnung auf einen guten Ausgang wenigstens einmal einer Geschichte war gigantisch - auf Seiten der Berichtenden genauso wie auf der der Konsumenten. Die Sehnsucht nach guten Nachrichten, sie wird nur mehr fallweise gestillt. Umso gieriger stürzt man sich darauf.


Nichts verschweigen
Inspiriert von dieser Sehnsucht gibt es seit einiger Zeit eine
Strömung im Journalismus, den "Konstruktiven Journalismus". Dabei geht es nicht darum, ausschließlich positive Nachrichten zu verbreiten. Der "Constructive Journalism" wurde im skandinavischen Raum geprägt und setzt auf eine Berichterstattung, die neben den Problemen auch Lösungsvorschläge bringt. Es soll also nichts verschwiegen, beschönigt oder unter den Teppich gekehrt werden. Es geht darum, Geschichten, Artikel, Beiträge nicht von der ersten möglichen, der "Alles ist schrecklich und bleibt es auch"-Perspektive zu betrachten.

Die Idee fußt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen - die auch der Hausverstand nahelegen würde. So haben Studien gezeigt, dass es mit einer positiven Grundstimmung leichter fällt, Probleme zu lösen, als mit einer negativen. Außerdem soll belegt sein, dass durch konstruktive Berichte ein höheres Interesse und Verständnis für die geschilderten Probleme beim Medienkonsumenten entsteht.

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Dokument erstellt am 2018-07-13 16:40:59


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