Es hätte ein vertrauliches Gespräch sein sollen, das der Herausgeber der "New York Times", Arthur G. Sulzberger, mit US-Präsident Donald Trump geführt hat. Wie so oft bewies Trump, dass er Vereinbarungen keinen Wert zumisst. Der Herausgeber der angesehenen Zeitung versuchte Trump zu erklären, dass seine Tiraden über "Fake News" und die Medien als "Feinde des Volkes" ein gefährliches Spiel sind, das Hetze und Hass gegen Journalisten schürt. Sulzberger hält Trumps pauschale Attacken auf die Medien für "gefährlich und schädlich". Er bat ihn inständig, sein Verhalten zu überdenken.

Doch es half nichts, Trump legte umgehend mit neuen Tiraden nach. Er beklagte sich, dass die "angeschlagene ,New York Times‘ nichts als schlechte Geschichten selbst über sehr positive Entwicklungen" schreibe. Er werde nicht zulassen, dass "unser Land von Trump-Hassern in der sterbenden Zeitungsbranche ausverkauft wird". Trump weiß genau, was er tut. Er missbraucht die Medien als Ziel für den aufgestauten Hass seiner Wähler. Ihm ist klar, dass er viele seiner aberwitzig-abstrusen Versprechen nicht wird halten können - und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Wähler aus dieser Parallelwelt wieder auftauchen. Dann ist der Schuldige schon etabliert: die Medien. Wir sind Zeuge eines Experimentes dazu, wie weit man Populismus und Ankündigungspolitik treiben kann. Vermutlich werden die Medien gestärkt aus dem Kräftemessen hervorgehen. Wenn nicht, war es das. Sorge ist jedenfalls angebracht.