• vom 04.08.2018, 14:55 Uhr

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Update: 04.08.2018, 15:01 Uhr

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Wenn der Roboter telefoniert




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Noch brauchen Roboter ja keinen Haarschnitt. Theoretisch könnte aber auch der Friseursalon für die Terminvergabe einen virtuellen Assistenten einsetzen. Das würde Zeit und Geld sparen. Und wäre effektiver. Der Roboter telefonierte dann mit einem Roboter, wobei er sich dann gar keine Mühe mehr machen müsste, besonders menschlich zu wirken und freundlich zu sprechen. Die Bots könnten einfach Daten austauschen. Ein System kommunizierender Roboterröhren.

"Text it, get it"
Während Maschinen immer menschlicher werden, wird der menschliche Duktus immer maschineller. In US-Call-Centern erhalten Mitarbeiter ein Echtzeit-Coaching, wie sie auf Kunden reagieren sollen. Das Bostoner Unternehmen Cogito hat eine stimmbiometrische Software entwickelt, die in Bruchteilen von Sekunden die Tonalität der Anrufer und Angestellten analysiert. Ist der Anrufer gereizt? Dann muss man ihn beruhigen oder ihm gut zureden. Auf ihren Bildschirmen sehen die Mitarbeiter Hinweise. Zum Beispiel: "Sie sprechen schneller als normal. Versuchen Sie, Ihr Sprechtempo zu reduzieren." Oder: "Ausgedehnte Überschneidung. Pausieren Sie. Lassen Sie den Anrufer ausreden." Algorithmen sind Handlungsanweisungen für Maschinen. Was sind dann Anweisungen für Menschen, die wie Maschinen operieren?

Die Entwicklung führt dazu, dass man immer weniger erkennt, ob ein Mensch oder eine Maschine am anderen Ende der Leitung sitzt. Spult ein Mensch ein Programm ab und antwortet nach einem deterministischen Muster, was die Charaktereigenschaft einer Maschine ist? Oder führt hier der Computer mechanisch ein bestimmtes Skript aus? Je maschinenauslesbarer die Kommunikation wird, desto ununterscheidbarer wird das Textformat.

Bei der Fastfood-Kette Taco Bell können Kunden Burritos über einen Chatbot bestellen, und die Hotelkette Aloft ermöglicht ihren Gästen, den Zimmerservice per SMS und Emojis zu ordern. Wer einen Wassertropfen, eine Pille und eine Banane verschickt, bekommt zwei Flaschen Vitaminwasser, zwei Bananen und eine Schmerztablette aufs Zimmer geliefert. Warum zum Hörer greifen, wenn man Emojis hat? "Text it, get it", lautet das Konzept. In Cupertino, wo Apple seinen Sitz hat, kurven in Alofts High-Tech-Hotel Robo-Butler durch die Flure, die den Proviant per Befehl auf die Zimmer befördern. Menschen braucht es eigentlich nur noch zum Konsum. Die Dystopie scheint dort auf, wo nur noch Maschinen untereinander kommunizieren und der Mensch überstimmt wird. Womöglich braucht er dann nicht mal mehr eine answering machine.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-03 15:05:24
Letzte Änderung am 2018-08-04 15:01:09


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