• vom 07.08.2018, 17:22 Uhr

Medien

Update: 08.08.2018, 11:56 Uhr

Jubiläum

Wir begehen Geburtstag!




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Von Andrea Reisner

  • Am 8. August vor 315 Jahren erschien die allererste Ausgabe unseres Blattes. Ein Spaziergang durch die Geschichte der "WZ".





Liebe Leserinnen und Leser, wie begeht man einen 315. Geburtstag? Natürlich zu Fuß, am besten mit bequemem Schuhwerk und einer "Wiener Zeitung" unterm Arm. Der folgende Artikel schickt Sie auf eine virtuelle Tour durch Wiens Innenstadt, die Sie jederzeit selbst auch in Wirklichkeit beschreiten können. Sie werden im Geiste alte Redaktionslokale betreten, mutigen "Zeitung-Schreibern" über die Schulter und Neptun höchstpersönlich ins Antlitz schauen.

Das Geleit gibt uns Johannes Gutenberg, dessen Denkmal am Lugeck den Ausgangspunkt bilden soll. Der in Bronze gegossene Erfinder des Drucks mit beweglichen Lettern und Pressen steht genau an jenem Ort, an dem einst das "Wiennerische Diarium" aus der Taufe, sprich der Druckerpresse, gehoben wurde. Im alten Regensburgerhof, in dessen ein wenig zurückversetztem Nachfolgebau heute ein Restaurant seine Gäste bewirtet, befand sich die erste Druckerei des Blattes. Gegen Mittag des 8. August 1703, ebenfalls ein Mittwoch, hielt Verleger Johann Baptist Schönwetter (ca. 1670-1741) die Nummer 1 der von ihm gegründeten Gazette in Händen. Sie bestand aus zehn dichtbedruckten Seiten im Gebetbüchelformat (ca. 16 mal 20 cm). Hergestellt wurden diese so wie zu Gutenbergs Zeiten: Jede einzelne Letter musste aus dem Setzkasten genommen und aneinandergereiht werden. Von dem, was man heute Layout nennt, ist wenig zu sehen. Unter dem Titel "Wiennerisches Diarium" folgen Textblöcke, ohne gliedernde Schlagzeilen, ohne Spalten, selbstverständlich ohne Bilder.

Heutigen Augen erscheint das unübersichtlich. Wer aber damals lesen konnte, war daran gewöhnt, Informationen aus jedem Satz, mitunter aus jedem Wort zu ziehen. Papier war kostbar, der knappe Raum musste genützt werden. Heute üblicher "Weißraum" hätte damals für Kopfschütteln gesorgt.

Im Haus zum Roten Igel

Wir spazieren weiter, die Roten-turmstraße hinauf und biegen rechts in die Brandstätte ein. Vor dem Gebäude an der Ecke zum Wildpretmarkt bleiben wir stehen. Hier befand sich bis zur Jahrhundertwende der "Rot(h)e Igel", jenes Haus, in dem die erste Redaktion des "Diariums" untergebracht war. Ein Relief am Nachfolgebau erinnert an das demolierte Gebäude. Hier werkten Schönwetters "Zeitung-Schreiber", wie man Journalisten einst nannte, unter schwierigen Bedingungen: Es herrschte strengste Zensur. Vor allem bei Nachrichten aus dem Inland mussten die Redakteure höllisch aufpassen, den Regenten nicht zu düpieren. Gewisse Vorteile gegenüber der Konkurrenz hatte das "Diarium" durch Exklusivinformationen von staatlicher Seite: So listete es die in und um Wien Verstorbenen auf, berichtete von Adels-Hochzeiten und informierte darüber, welche Prominenten gerade in der Stadt weilten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-07 16:20:26
Letzte Änderung am 2018-08-08 11:56:10


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