• vom 09.08.2018, 16:47 Uhr

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Mit Highspeed in die Vergangenheit




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Mit "Buffy" haben sich die Macher überhaupt eine schwere Last aufgeladen. Denn Buffy war auf vielen Ebenen bahnbrechend: Eine der ersten Serien, die eine starke, junge Frau als glaubwürdige Heldin hatte, die einen Vampir nach dem anderen vermöbelt. Exzellente Dialoge voller Wortwitz und Popkultur-Referenzen machten die Serie auch für Menschen attraktiv, die bei Vampir-Geschichten jetzt nicht unbedingt sofort "Hier!" schreien. Sarah Michelle Gellar als "Buffy" im Duo mit Alyson Hannigan waren zudem absolute Idealbesetzungen für diese Rollen - und es wird schwierig werden, den Fans zu vermitteln, warum Geller nicht mehr mit von der Partie sein soll. Oder will man ernsthaft argumentieren, dass man mit 41 zu alt für eine Heldin ist?

Und bei "Charmed" ist überhaupt schon vor Drehbeginn der Twitter-Krieg mit den ausgebooteten ehemaligen Darstellerinnen ausgebrochen, die gar kein Hehl daraus machen, dass sie das neue Projekt herzlich hassen: freilich ein PR-Desaster der Extra-Klasse.

Wieso sich das Fernsehen nun mehr oder weniger komplett in Richtung "Retro" bewegt, ist einer vielschichtigen Matrix an Überlegungen geschuldet. Eine davon sind die immer höheren Kosten, die die Produktionen verlangen. Das liegt vor allem am technischen Fortschritt des Fernsehens. Hat es bei SD noch gereicht, ein paar Pappkartons als Kulisse grau anzumalen, bedarf es beim viel detaillierteren 4K-Standard vieler aufwendiger Kulissen oder wahlweise teure Effekt-Technik. Da wählt man als Fernseh-Manager gerne einen Stoff, von dem man weiß, dass er schon einmal funktioniert hat. Immer noch besser, als mit etwas völlig neuem ein unnötiges Risiko einzugehen.

Recycling spart Kosten
Zudem belastet eine schon bekannte Marke das Marketing-Budget erheblich weniger als eine neue Produktion, von der noch nie jemand etwas gehört hat. Es ist immer billiger, etwas Altes neu zu branden, als eine neue Marke von null weg aufzubauen - lernt jeder Betriebswirt im zweiten Semester. Und Fernsehen ist vor allem eines - ein knallhartes Business, auch wenn die Fans das gar nicht gerne hören. Zudem sind die Fans treuer, als sie zugeben: Auch wenn man schon gehört hat, dass ein weiterer Teil oder ein Reboot nicht exzellent gelungen ist: Man sieht es sich ja trotzdem an. Aus Nostalgie - oder auch schlicht, um allen erzählen zu können, was für ein Unfug das doch ist. Auch das eine alte Regel: Wer schimpft, der kauft.

Zudem, sind wir einmal ehrlich: Natürlich ist die Tricktechnik heute in der Lage, ein um ein Vielfaches besseres TV-Erlebnis zu ermöglichen, als es die Originale je gekonnt hätten. Ja, natürlich "Star Trek: Next Generation" und "Deep Space Nine" waren schlicht wunderbar. Aber zwei Figuren vor eine angemalte Kulisse zu stellen, war eigentlich schon damals nicht der Weisheit letzter Schluss. Wenn man sich nur ausmalt, was man da mit heutiger Computertechnik alles machen kann, muss das einem echten Fan doch den Mund wässrig machen. Das alleine rechtfertigt schon eine Neuauflage: Das möglich zu machen, was damals einfach noch nicht ging. Da kann kein Fan etwas dagegen haben. Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass das kein Denkmalsturm auf unsere Fernseherlebnisse von früher ist, sondern eine Einladung, den nächsten Schritt zu gehen. Kann man annehmen, muss man aber nicht.

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