• vom 13.08.2018, 15:27 Uhr

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Update: 14.08.2018, 15:32 Uhr

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Maria und Maryam




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Von Viktoria Klimpfinger

  • Ab Dienstag strahlt arte die siebenteilige Doku-Reihe "Jesus und der Islam" aus und zeigt Gemeinsamkeiten auf.

Jesus im Koran: Die Verse 157 und 158 der Sure vier handeln von der Kreuzigung.

Jesus im Koran: Die Verse 157 und 158 der Sure vier handeln von der Kreuzigung.© arte Jesus im Koran: Die Verse 157 und 158 der Sure vier handeln von der Kreuzigung.© arte

Am 15. August feiert das Christentum die Aufnahme Marias in den Himmel. Doch die Marienverehrung beschränkt sich bei Weitem nicht nur auf die christliche Theologie. Weniger bekannt, aber nicht minder evident, ist ihre herausragende Rolle im Koran: "Wenn ich sage, dass keiner anderen Frau im Koran so viel Aufmerksamkeit geschenkt wird wie Maria und sie im Koran als ein Modell der weiblichen Frömmigkeit und der vorbildlichen Mutterschaft gezeigt wird, gibt es ein großes Staunen", schreibt Islamtheologe Samet Er auf der Plattform der Dialoginitiative "Forum Dialog". Und das nicht nur, weil sie die einzige Frau ist, die namentlich im Koran erwähnt wird. Ihr ist sogar eine ganze Sure gewidmet - die 19. Sure: "Maryam". Einige Theologen meinen, dass sie vielleicht sogar als Prophetin gelten könnte.

Doch Maria ist längst nicht die einzige Figur der christlichen Theologie, die sich im Koran wiederfindet. Samir Khalil Samir schreibt in seiner Abhandlung "The Theological Christian Influence on the Qur’an" von einer wesentlichen Anzahl an Suren, die von Jesus, Maria, Johannes dem Täufer oder den Aposteln sprechen. Mit Abgrenzungen und Parallelen des Islams zu den anderen beiden großen monotheistischen Religionen beschäftigt sich auch die siebenteilige Doku-Reihe "Jesus und der Islam", die arte von 14. bis 16. August ausstrahlt.

Schlüsselfigur ist der Nazarener aber nicht nur im Titel: "Der Jesus des Koran ist eine herausragende Figur", sagt der britische Islamwissenschafter Shawkat M. Toorawa. Er ist einer der 26 Wissenschafter aus aller Welt, die Gérard Mordillat und Jérôme Prieur für ihre 2013 erschienene Doku-Reihe angeheuert haben. Signifikant ist die Rolle Jesu hier vor allem in Bezug auf seine Kreuzigung, mit der der erste Teil der Reihe startet ("Die Kreuzigung im Koran", Di., 22.00).

Diese dogmatische Schlüsselszene teilen Islam und Christentum zwar thematisch, sie spaltet sie aber in ihren Grundfesten. Ihre Darstellung in den Versen 157 und 158 der Koransure vier unterscheidet sich fundamental vom christlichen Narrativ: "Dieser Text im Koran ist am wichtigsten zu diskutieren, denn er verneint klar und deutlich die Kreuzigung Christi", schreibt Samir Khalil Samir dazu. Die Zeugen der Kreuzigung seien einem Trugschluss erlegen. Was genau das zu bedeuten hat, bleibt allerdings Sache der Exegese. "Der Text, alles andere als eindeutig, hüllt sich in ein Mysterium."

Und auch Prophet Mohammed selbst bleibt letztlich rätselhaft. So detailliert der Koran über Jesus berichtet, so spärlich und vage sind die Beschreibungen des Religionsstifters des Islams als Person. Daher begibt sich die Doku-Folge "Das Exil des Propheten" auf die Suche nach historischen Berichten über ihn (Mi., 21.50) und widmet sich damit auch allgemeineren religionshistorischen Fragen, wie zum Beispiel jener, warum Mohammeds Auswanderung aus Mekka nach Medina den Beginn der islamischen Zeitrechnung markiert. Diesen historischen Ansatz weitet die darauf gezeigte Folge "Mohammed und die Bibel" (Mi., 22.40) schließlich auf mögliche jüdisch-christliche Einflüsse im Koran aus, obwohl der Islam seinen Ursprung eigentlich in einer heidnischen Region hat.

Fundierte Gemeinsamkeiten

Weil eine dieser Überschneidungen eben auch die Figur der Maria, der Maryam darstellt, widmet ihr die Doku-Reihe eine eigene Folge: "Der Sohn Marias" (Di, 23.45). Doch gerade in der Konstellation um Maria und Jesus kreuzen und spalten sich Koran und Bibel erneut. "Nach der Dogmatik des Koran ist Jesus ausschließlich Marias Sohn und damit nicht der Sohn Gottes", sagt Islamforscher Guillaume Dye von der Brüsseler Universität. Im Mittelpunkt dieser Folge steht aber vor allem die Darstellung dieser Frau, die als einzige namentlich im Koran erwähnt wird und im Christentum ebenfalls eine zentrale Rolle spielt. Denn die Vielfalt an theologischen, literarischen und historischen Fragen, die die Doku-Reihe aufwirft, zeigt eines: Gemeinsamkeiten lassen sich mindestens genauso fundiert herausarbeiten wie Unterschiede.





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Medien, Fernsehen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-13 15:35:33
Letzte Änderung am 2018-08-14 15:32:17


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