Trump ist aber nicht das einzige Problem von US-Journalisten.

Seriöse Medien führen einen konstanten Kampf gegen Online-Desinformation. Dazu kommt der Tod des Geschäftsmodells vieler Medien. Google und Facebook haben den traditionellen Medien die Erlöse weggenommen. In weiten Teilen der USA sind regelrechte Informations-Wüsten entstanden, damit meine ich Gebiete, wo es keine lokalen Nachrichten mehr gibt. Journalisten glauben, wenn sie mehr Zeit in den Gemeinden dieser Regionen verbringen könnten, um mehr Zeit zu haben, um mit den Leuten zu sprechen, dann könnten sie dafür sorgen, dass das Publikum die Sorgen und Nöte dieser Menschen besser versteht. Sie glauben, dass dann wieder mehr Menschen zur Lokalzeitung greifen, statt sich diesen rassistischen Müll auf Fox-
News anzusehen oder Medien aus der Werkstatt von Steven Bannon (ehemaliger Berater von Donald Trump mit exzellenten Kontakten in die rechtsradikale Szene der USA und zu europäischen Rechtsextremisten, Anm.) zu konsumieren. Kritische Journalisten sind der Überzeugung, dass sich gesellschaftliche Probleme aller Art mit mehr Journalismus lösen lassen. Ich bin mir da mittlerweile nicht mehr so sicher.

Unternehmen Facebook und Google genug, um das Fake-News-Problem in den Griff zu bekommen?

Beide Unternehmen nehmen immer problematische Inhalte vom Netz. Ich habe auch kein Problem damit, Hass-Postings und Ähnliches offline zu nehmen. In den USA ist aber die rechtliche Lage anders als in Europa. Der erste Verfassungszusatz unserer Verfassung stellt das Recht auf Meinungsfreiheit an allererste Stelle. Holocaust-Leugnung, Hassreden, offener Rassismus, all das ist in den USA völlig legal. Ein weiterer wichtiger Punkt: Es ist in den USA erlaubt, in politischen Werbespots schlicht zu lügen. Dazu gibt es auch keine Verpflichtung, dass man offenlegt, woher das Geld für politische Werbung stammt.

Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie?

In Europa wird es mehr Regulierung geben, um mehr Handhabe gegen Desinformation und Hass-Propaganda zu haben, in den USA werden die Social-Media-Plattformen oder Google wohl selbst verstärkt aktiv werden. Es wird auch immer wieder darüber diskutiert, die großen Internet-Medien-Monopole zu zerschlagen. Doch da stecken wir im Dilemma: Wenn man Facebook in kleine Gruppen aufbricht, dann könnte alles noch schlimmer werden. Denn zumindest hat es den Anschein, als wollte Facebook die Missstände in den Griff bekommen. Aber Facebook hat dem Hass-Posting-Treiben zu lange tatenlos zugesehen: Sie haben sich gesagt, gut, die Welt wird sich auf die neuen Realitäten einstellen, die schrillen Stimmen, die Extrempositionen vertreten, werden sich gegenseitig neutralisieren und die Vernünftigen in der Mitte werden dann Gehör bekommen. Aber ist es so gekommen? Denken Sie nur an die jüngsten Fälle in Sri Lanka oder Indien, wo es Morde und Pogrome wegen Desinformation, die via Social Media verbreitet worden ist, gegeben hat.