Angeführt wird die Kampagne von der Zeitung "The Boston Globe", die unter dem Twitter-Stichwort "#EnemyOfNone" (Feind von niemandem). - © APAweb/Reuters, Brian Snyder
Angeführt wird die Kampagne von der Zeitung "The Boston Globe", die unter dem Twitter-Stichwort "#EnemyOfNone" (Feind von niemandem). - © APAweb/Reuters, Brian Snyder

Washington. Mehr als 200 Zeitungen in den USA haben mit einer Kampagne für die Pressefreiheit auf die Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen die Medien reagiert. Angeführt von der Zeitung "The Boston Globe", die unter dem Twitter-Stichwort "#EnemyOfNone" (Feind von niemandem) zu der Aktion aufgerufen hatte, veröffentlichten am Donnerstag landesweit Zeitungen Leitartikel zur Bedeutung der Pressefreiheit.

"Heute haben wir in den Vereinigten Staaten einen Präsidenten, der ein Mantra geschaffen hat, dass Vertreter der Medien, die die Politik der aktuellen US-Regierung nicht eindeutig unterstützen, 'Feinde des Volkes' sind", hieß es im Leitartikel des "Boston Globe". "Dies ist eine der vielen Lügen, die von diesem Präsidenten geäußert wurden", lautete es unter der Überschrift "Journalisten sind nicht der Feind".

Verteidiger einer freien Presse warnen, dass Trump mit seinen Äußerungen die Rolle der Presse als Kontrollorgan zum Schutz vor Machtmissbrauch in der Politik gefährdet - sowie den ersten Zusatzartikel zur US-Verfassung, der die Unabhängigkeit der Presse in den USA garantiert.

"Eine freie Presse braucht Dich" 

Die "New York Times", eines der bevorzugten Ziele der Medienattacken des Präsidenten, erklärte in einem kurzen Leitartikel unter der Überschrift "Eine freie Presse braucht Dich", jeder Bürger habe das Recht die Presse zu kritisieren, wenn sie etwas falsch gemacht habe. "Aber darauf zu bestehen, dass Wahrheiten, die man nicht mag, 'Falschnachrichten' sind, ist gefährlich für das Funktionieren von Demokratie. Und Journalisten als 'Feind des Volkes' zu bezeichnen, ist gefährlich. Punkt."

Ken Paulson, ehemaliger Chefredakteur der "USA Today", stellte dagegen den Nutzen von Leitartikeln in Frage: "Die Menschen, die Leitartikel lesen, müssen nicht überzeugt werden", erklärte er. "Sie sind nicht diejenigen, die uns bei Präsidentenkundgebungen niederschreien." Die Medien bräuchten eine größer angelegte Marketingkampagne, um die Notwendigkeit einer freien Presse zu unterstreichen.

Trump bezeichnet Medien, die kritisch über ihn berichten, regelmäßig als "Feinde des Volkes". Bei Trump-Veranstaltungen werden Reporter immer wieder wüst beschimpft.