Besondere Kinder: Eines hier hat es nicht so mit der Schwerkraft. - © ORF
Besondere Kinder: Eines hier hat es nicht so mit der Schwerkraft. - © ORF

Wahrscheinlich geht die Zahl all jener gegen unendlich, die dank der Kindheit forschem Mut ein leichtes Trauma beim heimlichen Horrorfilm-Schauen davongetragen haben. Dass das junge Publikum auf das Fernsehprogramm jenseits seiner Altersfreigabe spickt, gehört nun einmal zum Stürmen und Drängen dazu.

Während die FSK-Grenzen das Seelenheil der Jugend vor Horrorclown-Phobien und nervösem Zusammenzucken bei Kettensägengeräuschen bewahren sollen, verschwimmen sie in die andere Richtung, also von Alt nach Jung, zusehens. Das zeigt sich schon allein daran, dass viele Zeichentrick-Serien, deren Genre immer noch häufig als kindlich abgekanzelt wird, alles andere als unschuldig daherkommen: sei es die scharfe Polit-Satire bei den Simpsons, die LSD-getränkte, subtile Derbheit des Quadratschwamms Spongebob oder das Springschnurspringen auf der Schamgrenze in "South Park". Und an diesem Wochenende bringt auch der eine oder andere Film im Fernsehen die Altersgrenzen zum Wackeln.

Nostalgie und Sarkasmus


Nicht nur Zeichentrick-, sondern vor allem auch Animationsstreifen liefern immer öfter Jahresringe übergreifende Unterhaltung. Filme wie "Trolls" (Sa., 20.15, Sat1) sind nicht nur für die Kleinen nett anzusehen, sondern bespielen auch bei den Großen skrupellos den Niedlichkeitsfaktor und die Reminiszenz an die Spielzeug-Trollfiguren, wie man sie noch aus der Kindheit kennt. Außerdem sind sie aber gespickt mit unerwartetem Sarkasmus und trockenem Schmäh. Spätestens wenn eine personifizierte Regenwolke einem Gnom mit Endloshaar die "Ghetto-Faust" reicht, zucken entweder die Lachmuskeln oder man fragt sich, ob die Kopfwehtablette auch wirklich nur Aspirin war.

Durch das quietsch-bunte, flauschig-fröhliche Trollland führt Branch. Untypisch für einen Troll, bewegt sich seine Gemütslage beständig zwischen Missmutigkeit und Misanthropie. Er hält die gute Laune seiner Mittrolle nur schwer aus, was stark an die "Ich hasse Montage"-Bildchen erinnert, die bevorzugt zum Wochenbeginn in sozialen Medien kursieren. Als jedoch eine Horde fieser Monster die Trollkolonie überfällt und einige unglückliche Wichtel kidnappen, begibt Branch sich ausgerechnet mit der diabetesverursachend süßen Prinzessin Poppy auf eine waghalsige Rettungsmission.

Kaum animiert, dafür aber umso fantastischer breitet sich "Die Insel der besonderen Kinder" am Sonntag (20.15, ORF1 und ProSieben) auf den Bildschirmen aus. Damit verfilmte Tim Burton den Bestseller von Ransom Riggs zu einer Art kindlicher Version der X-Men: Der 15-jährige Jacob (Asa Butterfield) findet ein geheimes Waisenhaus, in dem Kinder mit besonderen Fähigkeiten leben. Der Phantasmen mit Unsichtbarkeit, Flugfähigkeit oder Telepathie nicht genug, stecken sie außerdem in einer Zeitschleife fest und durchleben immer wieder denselben Tag im Jahr 1943. Doch als Jacob seine spezielle Fähigkeit entdeckt, stellt sich heraus, dass die farbprächtige Idylle trügt: Er kann als Einziger die unsichtbaren "Hollowgasts" sehen, die sich die Augäpfel der Waisen holen wollen. Zwar sind die Hauptcharaktere fast ausschließlich Kinder, aber sowohl Handlung als auch gewohnt obskure Burton-Ästhetik machen den Film schier alterslos.

Im Gegensatz dazu wecken Disney-Prinzessinnen wie Cinderella und Co. unleugbar Kindheitserinnerungen. Doch wer hätte damals gedacht, dass die böse Fee aus "Dornröschen" jemals ein eigenes Spin-off bekommt? In "Maleficient -Die dunkle Fee" (So., 22.25, ORF1) erzählt sie (Angelina Jolie) die Geschichte aus ihrer düsteren, musikalisch mit irreführenden Spielorgelklängen untermalten Perspektive. Bildsprachlich lehnt der Film sich stark an der Zeichentrick-Vorlage an, ja streut sie sogar ab und zu ein, dramaturgisch richtet er sich aber an Kinder jedes Alters.

Obwohl animierte Trolle, böse Feen und sonderbegabte Jugendliche die filmischen Altersgrenzen aufweichen, sind sie nicht ausschließlich dem Genre "Familienfilm" zuzuordnen. Denn sie sind längst nicht nur Stoff für Fernsehabende im familiären Kreis. Unterhaltung für die ganze Familie? Besser: Unterhaltung für alle.