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Update: 05.09.2018, 11:08 Uhr

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Geografie nach Google




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Von Adrian Lobe

  • Immer wieder stiftet Google Maps mit falschen Ortsmarken Verwirrung.

Googles Positionierungsanzeige lebensgroß im Silicon Valley.

Googles Positionierungsanzeige lebensgroß im Silicon Valley.© Collection/Gado Googles Positionierungsanzeige lebensgroß im Silicon Valley.© Collection/Gado

San Francisco. Als die Bewohner von San Francisco kürzlich auf Google Maps nach ihrer Stadt schauten, stellten sie zu ihrer Verwunderung fest, dass der Distrikt Rincon Hill nicht mehr verzeichnet war. Stattdessen war dort die Bezeichnung "East Cut" vermerkt. Der Kartendienst hatte die ikonische Hügellandschaft nicht umbenannt, wie die "New York Times" berichtete, sondern nach einem Stadtprojekt benannt, das Teile von Rincon Hill, South Beach und South of Market in einem Cluster zusammenfasst. Die geografische Bezeichnung verbreitete sich rasant im Netz, von Hotelseiten über Dating-Apps bis zum Fahrdienst Uber, die alle auf Googles Kartendienst zurückgreifen.

Das Problem ist nur, dass kein Mensch "East Cut" sagt, die Bezeichnung sich aber durch die algorithmischen Hintertüren im alltäglichen Sprachgebrauch durchsetzt. "Schande über diesen Cyber-Unfug und diesen Cyber-Hack, der diesen schwindlerischen Namen für Rincon Hill verbreitet", wetterte ein Nutzer in der Kommentarspalte des Magazins "Curbed". Der beliebte Stadtteil, der beim Erdbeben 1906 fast vollständig ausbrannte, kann auf eine 170-jährige Geschichte zurückblicken.


Fake-Ortschaften mit Kalkül
Es ist nicht das erste Mal, dass Google etablierte geografische Bezeichnungen in seinem Kartendienst ändert. 2011 wies Google Maps einen Distrikt in San Francisco als "SoMissPo" aus, ein generischer Begriff, für den es keine Entsprechung in der Realität gab. In Detroit machte Google Maps aus dem Viertel "Fiskhorn" kurzerhand "Fishkorn", was nicht nur despektierlich klingt, sondern auch die Bewohner verärgerte. Der Grund: ein Tippfehler.

Google erstellt seine Karten auf Basis von Drittparteien-Material wie Atlanten, öffentlichen Quellen, Satellitendaten und nicht zuletzt Crowdsourcing. Nutzer können fehlende Orte zur Karte hinzufügen. Google überprüft diese Änderungen dann. Das Problem ist nur, dass in dem Prüfprozess Mitarbeiter involviert sind, die über wenige bis keine Ortskenntnisse verfügen. Laut einem Bericht der "New York Times", die sich auf einen ehemaligen Google-Mitarbeiter beruft, soll der Konzern diese Aufgabe an Vertragsarbeiter in Indien auslagern. Dass ein indischer ITler die Frage nach der richtigen Ortsmarke aus 12.000 Kilometern Entfernung schlecht beurteilen kann, liegt auf der Hand.

Hinter Fake-Ortschaften steckt zum Teil aber auch Kalkül. Kartenhersteller fügen ihrem Kartenmaterial fiktive Orte und "Trap Streets", also Straßen, die es gar nicht gibt, als eine Art digitales Wasserabzeichen hinzu, um Urheberrechtsverstöße nachweisen zu können. So hat der Kartendienst Bing Maps des Konkurrenten Microsoft im Tausend-Seelen-Dorf Erpolzheim in Rheinland Pfalz eine "Trap Street" versteckt - die Adresse "Am Kirschgarten" existiert in Wirklichkeit nicht. Das älteste Beispiel dieser Plagiatsfalle ist die fiktive Stadt Agloe bei New York, die 1925 auf Esso-Landkarten verzeichnet wurde. Als in den 1940er Jahren Agloe auf Landkarten anderer Anbieter auftauchte, monierte Esso eine Verletzung des Urheberrechts und strengte mehrere Gerichtsverfahren an. Ironie am Rande: Google Maps fiel selbst auf eine Fake-Falle hinein, die der niederländische Geodaten-Vermarkter Tele Atlas in seiner Karte platziert hatte. Gleichzeitig kann sich Google nicht dagegen wehren, dass seinem Kartendienst jeden Monat tausende Fake-Unternehmen untergejubelt werden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-31 16:29:59
Letzte Änderung am 2018-09-05 11:08:57


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