• vom 06.09.2018, 16:25 Uhr

Medien

Update: 06.09.2018, 16:44 Uhr

Medien

Literatur aus dem Automaten




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





Luftverdünnte Höhen der Poesie

KI-Systeme gehen eher strukturiert vor. Google hat 2016 in Kooperation mit der Stanford University und University of Massachusetts eine künstliche Intelligenz entwickelt, die mit Texten von 11.000 unveröffentlichten Büchern gefüttert wurde und auf dieser Grundlage Gedichte kreierte. Die computergenerierten Verse wirken teils holprig und nicht immer poetisch. Trotzdem staunt man über so manches Stilmittel wie etwa Steigerungen. Und mal ehrlich: Welcher menschliche Poet hat nicht irgendwann einmal Kitsch produziert?

Bots sind als tumbe Meinungsmacher und Propagandisten in sozialen Netzwerken in Verruf geraten. Doch mit entsprechenden Trainingsdaten gelangen KI-Systeme auch in die luftverdünnten Höhen der Poesie. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Automaten, die anspruchsvolle Gedichte kreieren - oder Prosa. Das MIT Media Lab etwa hat einen Schreibbot namens Shelley A.I. (benannt nach der Frankenstein-Autorin Mary Shelley) entwickelt, der auf Grundlage von Tweets Horrorgeschichten schreibt. "Der weltweit erste kollaborative KI-Horrorautor", bewirbt das Institut seine künstliche Kreatur.

Auf der Webseite erhält man einen Einblick in die automatisierte Schreibfabrik. In einer Kurzgeschichte, die mit dem Titel "Standing in the Woods" überschrieben ist, beschreibt der Ich-Erzähler, wie er vor einer düsteren humanoiden Gestalt im Wald flieht. Der Text ist recht fragmentarisch, was daran liegt, dass er sich aus 14 Tweets von 5 Konversationsteilnehmern sowie den Antworten des Bots zusammensetzt.

Dafür, dass es sich um eine Koproduktion von Mensch und Maschine handelt, ist das Werk aber erstaunlich gut komponiert. Es gibt einen Spannungsbogen, der Text ist einigermaßen ambivalent. Sage da noch jemand, Bots würden nur in Sozialen Netzwerken pöbeln und Propaganda verbreiten! Shelley A.I. ist ein Beispiel dafür, wie man aus Tweets Literatur erschaffen kann. In Japan hat es ein von einem KI-System koedierter Roman in die zweite Runde eines Literaturwettbewerbs geschafft. Das hätte wohl selbst John Clark nicht für möglich gehalten.


zurück zu Seite 1




Schlagwörter

Medien, Literatur

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-06 16:36:00
Letzte Änderung am 2018-09-06 16:44:53


Black Music

Als "funky" noch muffig bedeutete

Schon Antonin Dvorak soll gesagt haben: "In den Negermelodien Amerikas entdecke ich eine große und edle Schule der Musik... weiter




Comic

Subversive Unbekümmertheit

Subtiler Unsinn: beide Bilder aus dem Comic "Das Ritual". - © Nicolas Mahler Außerirdische sind auf der Erde eingetroffen. Figuren mit langen Nasen, ihre Arme reichen bis zum Boden, von ihren Helmen ragen stockartige Antennen... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Viel Luft nach oben in der Engelsburg
  2. Es war doch alles ganz anders
  3. Florenz ist anders
  4. In der Kraftkammer
  5. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
Meistkommentiert
  1. "Selbstbewusst einen lauten Schas lassen"
  2. Menasse bekommt trotz Kritik Zuckmayer-Medaille
  3. Roman unter Wahrheitspflicht
  4. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  5. Led Zeppelin: Als das Luftschiff fliegen lernte


Quiz


Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913


Werbung