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Update: 06.09.2018, 16:44 Uhr

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Literatur aus dem Automaten




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Luftverdünnte Höhen der Poesie

KI-Systeme gehen eher strukturiert vor. Google hat 2016 in Kooperation mit der Stanford University und University of Massachusetts eine künstliche Intelligenz entwickelt, die mit Texten von 11.000 unveröffentlichten Büchern gefüttert wurde und auf dieser Grundlage Gedichte kreierte. Die computergenerierten Verse wirken teils holprig und nicht immer poetisch. Trotzdem staunt man über so manches Stilmittel wie etwa Steigerungen. Und mal ehrlich: Welcher menschliche Poet hat nicht irgendwann einmal Kitsch produziert?

Bots sind als tumbe Meinungsmacher und Propagandisten in sozialen Netzwerken in Verruf geraten. Doch mit entsprechenden Trainingsdaten gelangen KI-Systeme auch in die luftverdünnten Höhen der Poesie. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Automaten, die anspruchsvolle Gedichte kreieren - oder Prosa. Das MIT Media Lab etwa hat einen Schreibbot namens Shelley A.I. (benannt nach der Frankenstein-Autorin Mary Shelley) entwickelt, der auf Grundlage von Tweets Horrorgeschichten schreibt. "Der weltweit erste kollaborative KI-Horrorautor", bewirbt das Institut seine künstliche Kreatur.

Auf der Webseite erhält man einen Einblick in die automatisierte Schreibfabrik. In einer Kurzgeschichte, die mit dem Titel "Standing in the Woods" überschrieben ist, beschreibt der Ich-Erzähler, wie er vor einer düsteren humanoiden Gestalt im Wald flieht. Der Text ist recht fragmentarisch, was daran liegt, dass er sich aus 14 Tweets von 5 Konversationsteilnehmern sowie den Antworten des Bots zusammensetzt.

Dafür, dass es sich um eine Koproduktion von Mensch und Maschine handelt, ist das Werk aber erstaunlich gut komponiert. Es gibt einen Spannungsbogen, der Text ist einigermaßen ambivalent. Sage da noch jemand, Bots würden nur in Sozialen Netzwerken pöbeln und Propaganda verbreiten! Shelley A.I. ist ein Beispiel dafür, wie man aus Tweets Literatur erschaffen kann. In Japan hat es ein von einem KI-System koedierter Roman in die zweite Runde eines Literaturwettbewerbs geschafft. Das hätte wohl selbst John Clark nicht für möglich gehalten.


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Medien, Literatur

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 16:36:00
Letzte Änderung am 2018-09-06 16:44:53


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