• vom 07.09.2018, 14:16 Uhr

Medien

Update: 07.09.2018, 16:26 Uhr

USA

Anonymer Leitartikel gegen Trump ein beispielloser Fall




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Von WZ Online, APA, AFP

  • "NYT"-Autor allenfalls mit Watergate-Quelle "Deep Throat" vergleichbar.

Das Editorial der New York Times deckt den tiefen Graben zwischen der Verwaltung und dem Präsidenten auf. - © Faksimile

Das Editorial der New York Times deckt den tiefen Graben zwischen der Verwaltung und dem Präsidenten auf. © Faksimile

Washington. Der anonyme Gastbeitrag eines ranghohen Regierungsmitarbeiters in der "New York Times" ist ein beispielloser Vorgang in der Geschichte der US-Präsidentschaft. Zwar haben seit der Zeit des ersten US-Präsidenten George Washington immer wieder Regierungsmitarbeiter gegen ihren Chef gearbeitet. Speziell am aktuellen Fall ist aber sowohl das Ausmaß als auch der offensive Gang an die Öffentlichkeit.

"Es gibt dafür keinen Präzedenzfall in der Geschichte der USA", sagt der Politikwissenschaftler James Thurber von der American University in Washington. Es gebe allenfalls einige ähnliche Fälle, darunter einer aus dem Jahr 2013, als ein Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats über ein anonymes Twitter-Konto ranghohe Berater von Präsident Barack Obama kritisierte. Der Mann wurde später bei verdeckten Ermittlungen identifiziert und entlassen.

Rätselraten über "hochrangiges Regierungsmitglied"

Allerdings handelte es sich damals nur um einen Beamten der mittleren Führungsebene. Der anonyme Autor des "New York Times"-Artikels ist dagegen nach eigenen Angaben ein "hochrangiges Regierungsmitglied".

Der noch am ehesten vergleichbare Fall aus der jüngeren US-Geschichte ist nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Larry Sabato von der Universität von Virginia die Watergate-Affäre: Eine als "Deep Throat" bekannte Quelle, die sich erst 2005 als der ehemalige FBI-Vizechef Mark Felt zu erkennen gab, lieferte damals den "Washington Post"-Reportern Bob Woodward und Carl Bernstein die entscheidenden Hinweise zu der Abhöraffäre. Die Enthüllungen trugen maßgeblich zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon 1974 bei.

Mit derart folgenschweren Konsequenzen rechnen Experten im aktuellen Fall nicht. Thurber geht etwa nicht davon aus, dass bei Trump der 25. Verfassungszusatz zur Anwendung kommt, demzufolge ein US-Präsident wegen Amtsunfähigkeit abgesetzt werden kann. Der Skandal um den "New York Times"-Artikel werde für Trump nur "geringe" konkrete Auswirkungen haben, "aber weiter das Vertrauen in seine Präsidentschaft in den USA und weltweit untergraben".

Woodwards Enthüllungsbuch für US-Präsident Trump "Betrug"

US-Präsident Donald Trump hat das Enthüllungsbuch von Reporter-Legende Bob Woodward über das Weiße Haus als "Betrug" bezeichnet und sich über "erfundene" Zitate beklagt. "Ich rede nicht so, wie ich zitiert werde", schrieb Trump am Freitag auf Twitter. "Wenn ich so reden würde, wäre ich nicht zum Präsidenten gewählt worden." Die Zitate in dem Buch seien "erfunden".

Woodward, der in den 70er-Jahren mit seinen Enthüllungen zur Watergate-Abhöraffäre entscheidend zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon beigetragen hatte, wende in dem Buch "jeden Trick" an, "um zu erniedrigen und schlecht zu machen", fügte Trump hinzu.

Woodwards Buch erscheint am 11. September, die "Washington Post" hatte am Dienstag bereits Auszüge veröffentlicht. Darin werden - ähnlich wie in einem am Mittwoch veröffentlichen anonymen Gastbeitrag in der "New York Times" - Anstrengungen in Trumps Umfeld beschrieben, den Präsidenten zu bändigen und seine Politik zu untergraben. Trump reagierte erzürnt und forderte die "New York Times" auf, den Namen des Autors zu nennen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 14:17:38
Letzte Änderung am 2018-09-07 16:26:14


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