Je früher es draußen dunkelt, desto düsterer wird der Filmgeschmack. Wenn sich Buffalo Bill eine Schürze aus der Haut seiner Opfer näht, Freddie Krüger verstörte Kinder durch ihre eigenen Träume jagt und ein manisch-depressiver Clown in der Kanalisation wartet, gibt es eigentlich wenig zu lachen. Sollte man meinen. Dennoch befindet sich bei jedem Horrorfilm-Abend mindestens ein Zuschauer in der Runde, der an den unmöglichsten Stellen kichert oder sich über die frappierende Unlogik der Dramaturgie lustig macht. Zugegeben: Wenn Mike Myers seine Opfer zuerst gefühlte Stunden lang mit starrer Maske in Zeitlupen-Tempo verfolgt und dann plötzlich hinter der nächsten Ecke vorspringt, hat das schon etwas von Slapstick-Komödie. Und auch die blutrünstige Quälerei in "Saw" wirkt nach dem tausendsten Mal irgendwie lächerlich.

Vielleicht ist das Bedürfnis, sich über Horrorfilme lustig zu machen, aber weniger einem kritischen filmästhetischen Empfinden geschuldet, sondern vielmehr ein Befreiungsschlag: "Das Vergnügen entstammt der Erleichterung nach der Angst", schreibt Peter L. Berger in seinem Buch "Erlösendes Lachen: Das Komische der menschlichen Erfahrung" in Bezug auf das Amüsement mit Horrorfilmen. "Doch hat Humor auch die Funktion, den Schrecken zu bändigen, der von tatsächlich bedrohlichen Ereignissen ausgeht." Cineastische Verstümmelung mit dem Schmäh zu nehmen, zeugt also nicht unbedingt von einem psychopathischen Charakter, sondern vor allem von der Tatsache, dass unsere Psyche dem Horror nicht gewachsen ist. Besonders den trashigeren Produktionen gereicht diese eigenartig symbiotische Beziehung zwischen Gruseln und Grinsen zum Vorteil: Je weniger überzeugend der Grusel, desto stärker das überlegene Grinsen. Und kein Genre bedient sich diesem schmalen Grat zwischen Zittern und Zerkugeln so konsequent wie die Hybridform der Horrorkomödie selbst. Doch Tele5 hat am Samstag gleich mehrere Genre-Blüten im Programm.

Kurioser als das Zusammenspiel von Horror und Humor ist die Ausrichtung des Spuks auf die jüngste Zielgruppe: "TV-Media" ordnet die Kultserie "Buffy - Im Bann der Dämonen" aus den 90ern dem Kinderprogramm zu, was aber angesichts der Hauptprotagonisten im Teenager-Alter und der Coming-of-Age-Thematik wohl auch nicht so verkehrt ist. Immer wieder muss Buffy (Sarah Michelle Gellar) nämlich nicht nur dämonische Wesen außer Gefecht setzen, sondern kämpft nebenbei auch mit dem identitätsüberwuchernden Dickicht des Erwachsenwerdens. Am Samstagabend treibt die pubertierende Vampirjägerin und fleischgewordene 90er-Nostalgie gleich in vier Folgen am Stück dem Städtchen Sunnydale seine für diesen Namen erstaunlich zahlreichen Dämonen aus ("Frischlinge", 18.25; "(K)eine Menschenseele", 19.20; "Der Stein von Amara", 20.15; "Der Dämon der Angst", 21.10).

Die skurrile Mischung aus Schmäh und Schreck macht hingegen "The Walking Deceased" (22.05) vor, wo schon allein der Untertitel klischeehaften Zombiefilmen die Lachmuskeln entgegenstreckt: "Die Nacht der lebenden Idioten." In der Parodie auf die Horror-Serie "The Walking Dead" bricht eine Zombieseuche aus, gegen die sich ein paar Nicht-Infizierte um Sheriff Lincoln (Dave Sheridan) zur Wehr setzen. Wem die Handlung irgendwoher bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich schon einmal einen Zombie-Film gesehen. Irgendeinen. Und wenn es "Shawn of the Dead" war, die Parodie auf "Dawn of the Dead", ist die Assoziationskette dank selbstironischem Pathos und überspitzter Tölpelei noch viel dichter.

Auch "Abraham Lincoln vs. Zombies" (23.55) fährt auf dem holprigen Trittbrett des erfolgreicheren Streifens "Abraham Lincoln: Vampirjäger" mit. Obwohl die Titel beider Filme zwar schon so ziemlich alles sagen, was man inhaltlich zu wissen braucht, ist Lincoln zumindest der erste US-Präsident, der in seiner Freizeit Zombies mit seiner Sichel schlachtet oder mit Silberkugeln auf Vampire schießt. Natürlich ohne Anspruch auf historische und politische Akkuratesse - immerhin ist angesichts des aktuellen Amtsinhabers fraglich, auf welcher Seite die amerikanische Regierung im Falle stehen würde.

Zwischen Kult und Trash, Schmäh-olé und Ojemine läutet Tele5 am Samstag also spielerisch den kleinen, verhaltensauffälligen Bruder des Goldenen Herbsts ein: den Gruselherbst. Und das gerade rechtzeitig - es sind ja nur mehr zwei Monate bis Halloween.