• vom 13.09.2018, 07:00 Uhr

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Krieg um aufgegebene Computerspiele




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Von Bernhard Baumgartner

  • Alte Spiele als Allgemeingut? Nicht mit Nintendo, das zum juristischen Schlag gegen die Retro-Szene ausholt.

Schöne, heile Nintendo-Welt. - © Daniel Boczarski

Schöne, heile Nintendo-Welt. © Daniel Boczarski


© Monkpress © Monkpress

Wien. Der Gaming-Markt ist heute viele Milliarden Dollar schwer. Konsolen wie die Switch von Nintendo, die Sony Playstation oder die Xbox von Microsoft spülen mitsamt ihrem jeweiligen Kosmos an Games Unsummen in die Kassen der Konzerne. Die Entwicklung von Spielen, in den Achtzigerjahren oft noch die Aufgabe von Nerds, die mit Pizzakarton und Instantkaffee im Becher in der Garage vor sich hinprogrammierten, beschäftigt heute hunderte Entwickler in verschiedensten spezialisierten Abteilungen. Klar, dass sich da der Spaß aufhört, sollte jemand versuchen, die teuren Spiele unter der Hand zu vertreiben.

Und dann sind da noch die Spiele aus der Frühzeit des Computer- und Konsolenzeitalters, die schon seit Jahrzehnten brachliegen und weder verkauft werden noch in irgendeiner anderen Form kommerziell verwertet werden. "Abandonware" heißt der Fachbegriff dafür. Verlassen, entweder weil es die Unternehmen gar nicht mehr gibt (wie Commodore oder Atari) oder eben weil diese keine kommerziellen Aktivitäten mehr mit der vergessenen Software zeigen, abgesehen davon, dass es oft nicht einmal mehr die Hardware gibt, um diese Spiele überhaupt spielen zu können.


Eine kleine Szene an Retro-Gamern hat es sich jedoch zum Ziel gemacht, diese Klassiker auf neuen Plattformen wieder spielbar zu machen. Nicht aus kommerziellen Erwägungen, sondern eher aus musealen oder gar wissenschaftlichen im Sinne einer Dokumentation der Videospielgeschichte. Und natürlich auch aus Nerdtum, weil es einfach cool ist, Spiele aus den Achtziger oder frühen Neunzigern wiederzubeleben (und damit wohl auch einen Teil der eigenen Kindheit).

In die Illegalität gedrängt
Der Spielehersteller Nintendo reagierte in diesem Sommer jedoch "not amused" auf die Szene und setzte seine machtvolle juristische Maschine in Bewegung. Ziel der Sache: Webplattformen, die Nintendos altes, aber aufgrund historisch gewachsener langer Fristen immer noch geschütztes Eigentum zugänglich machen. Motto: Wir brauchen das Zeug zwar auch nicht mehr, aber ein anderer soll bitte auch nichts davon haben. Einige Websites, allesamt nicht-kommerziell und eigentlich eher nerdige Hobby-Seiten, hatten keine andere Chance, als den Betrieb einzustellen, da man bei einer Klage aufgrund der relativ klaren Rechtslage keine Chance gehabt hätte. Ein jahrelang mehr oder weniger tolerierter Graubereich wird damit zunächst einmal in die Illegalität gedrängt.

In der Szene reagierte man entsprechend angesäuert, berichten Insider der "Wiener Zeitung". Jogi Neufeld ist Shopbetreiber (Subotron) und Experte für Retro-Spiele. Ihn hat das Vorgehen nicht überrascht: "Das liegt an der historisch völlig abgeschlossenen Firmenhaltung von Nintendo, alles immer ganz exklusiv und nur auf ihren Plattformen haben zu wollen", erklärt Neufeld. Auch die japanische Mentalität spiele bei dieser offen destruktiv empfundenen Haltung wohl eine gewisse Rolle. "Statt dass man das als willkommenen Marketingeffekt verwendet, sperrt man sich dagegen, als Hersteller von historisch relevanter Software wahrgenommen zu werden", zeigt Neufeld Unverständnis angesichts der rigorosen Haltung des Super-Mario-Konzerns.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-12 16:21:09
Letzte Änderung am 2018-09-12 16:27:08


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