• vom 14.09.2018, 11:30 Uhr

Medien


Überwachung

Little Brother is watching you




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Von Adrian Lobe

  • In Südkorea kämpft die Polizei gegen eine Unsitte, versteckte Kameras in Umkleidekabinen zu installieren.

Könnte hinter einem dieser Vorhänge jemand seinen höchstpersönlichen Porno drehen - mit einer ganz und gar unfreiwilligen Darstellerin? In Südkorea ist es an der Tagesordnung.

Könnte hinter einem dieser Vorhänge jemand seinen höchstpersönlichen Porno drehen - mit einer ganz und gar unfreiwilligen Darstellerin? In Südkorea ist es an der Tagesordnung.© Alfonsodetomas/fotolia Könnte hinter einem dieser Vorhänge jemand seinen höchstpersönlichen Porno drehen - mit einer ganz und gar unfreiwilligen Darstellerin? In Südkorea ist es an der Tagesordnung.© Alfonsodetomas/fotolia

Seoul/Wien. Kameras sind überall. In Bahnhöfen, Supermärkten, Parkhäusern, Stadien, Zügen, Autos, Kühlschränken, Tablets, Smartphones und natürlich in Digitalkameras (wobei Smartphones deren Funktion integriert haben). Die Analysten der Wagniskapitalfirma LDV Capital prognostizieren, dass die Zahl der Kameras bis 2022 auf weltweit 45 Milliarden ansteigen wird. Dann kommen auf jeden Menschen auf der Welt rund fünf bis sechs Kameras.

Der Siegeszug der Kameras erklärt sich damit, dass die Technik immer billiger wurde. Eine Dashcam, die man im Auto installiert, um Verkehrsdelikte und Unfallgeschehen dokumentieren zu können, kostet weniger als 100 Euro. Doch damit verbunden ist auch ein zunehmendes Maß an Überwachung: Im computergestützten Polizeistaat Chinas werden bis 2020 626 Millionen Videokameras im öffentlichen Raum in Betrieb sein. Doch es ist nicht nur Big Brother, es sind auch viele "Little Brothers", welche Bürger überwachen.


Voyeurismus als Volkssport
In Südkorea kämpft die Polizei derzeit gegen eine grassierende Schnüffelei im öffentlichen Raum: Spanner platzieren in Umkleidekabinen von Kaufhäusern, Schwimmbädern oder in öffentlichen Toiletten versteckte Kameras, um Menschen heimlich beim Umziehen oder Toilettengang zu filmen. 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Zwischen 2012 und 2016 gab es 26.000 polizeilich gemeldete Vorfälle, allein im vergangenen wurden 6000 Fälle von Voyeurismus zur Anzeige gebracht. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. In der Hauptstadt Seoul protestierten vor wenigen Wochen 40.000 Frauen. Die Demonstranten hielten Schilder in die Höhe wie "Mein Leben ist nicht dein Porno!".

Polizeibeamte durchkämmen unterdessen Toiletten und Schwimmbäder mit Detektoren und Infrarot-Scannern, die Kameralinsen erkennen, um die in Rauchmeldern, Uhren oder USB-Sticks versteckten Kameras aufzuspüren. Eine Sisyphosarbeit. Little Brother lauert überall.

Die Täter agieren äußerst dreist und flink, von der Montage bis zur Abnahme vergehen häufig nur 15 Minuten. Die BBC schrieb über eine "Spionagekamera-Porno-Epidemie". Südkoreas Präsident Moon Jae-in klagte resigniert, Spionagekameras seien "Teil des täglichen Lebens" geworden. Die heimliche Filmerei hat landestypische Ursachen: So ist die südkoreanische Gesellschaft zwar sexualisiert, die Zahl asexueller Beziehungen im internationalen Vergleich aber überdurchschnittlich hoch. Doch das Phänomen ist auch andernorts verbreitet.

Die Kamera in der Duschgeltube

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-13 16:24:13
Letzte Änderung am 2018-09-13 16:30:06


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