• vom 15.09.2018, 07:30 Uhr

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Update: 20.09.2018, 12:15 Uhr

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Helden brauchen keine Rüstung




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Von Viktoria Klimpfinger

  • Seit Herkules hat sich unser Heldenbild verändert. Das beweist der Aufmarsch an Comic-Superhelden im TV.



"Batman vs. Superman", Samstag auf ORFeins.

"Batman vs. Superman", Samstag auf ORFeins.© pro7 "Batman vs. Superman", Samstag auf ORFeins.© pro7

Der Mensch braucht sie offenbar, die Helden. Davon zeugt sogar eine der ältesten schriftlich überlieferten Dichtungen: das Gilgamesch-Epos, der sich bis mindestens in das 18. Jahrhundert v. Chr. zurückdatieren lässt. König Gilgamesch, zu einem Drittel Mensch, zu zwei Dritteln Gott, zu drei Dritteln ein ganzer Held, zieht aus, um Abenteuer zu erleben. Der Heros, der sich ins Wagnis stürzt, ist nicht nur bis heute wiedergekäutes Narrativ, sondern schlichtweg Voraussetzung für die Heldenfigur an sich. Doch nicht nur das allein machte den strahlenden Recken lange Zeit aus: Auch seine fast vollkommene Unfehlbarkeit ist Teil seines Wesens.

Und wenn dem Ritter in der strahlenden Rüstung doch einmal der Harnisch scheppert, war es keinesfalls Eigenverschulden: Bei Achilleus ist die Mutter schuld an der pedalen Schwachstelle, weil sie ihn an der Ferse hielt, während sie ihn in den Styx tauchte. Beim Nibelungen-Siegfried war sogar bloß ein unkooperatives Lindenblatt der Übeltäter, der sich im Drachenblutbad an seine Schulter schmiegte und ihn an dieser Stelle verletzbar machte.


Während in der überlieferten Heldenepik von den alten Griechen bis zum europäischen Mittelalter und darüber hinaus das einzige Manko der Heroen also ihre ärgerlich schicksalhafte Verwundbarkeit ist, sieht der heutige Heldentypus anders aus: Persönliche Unzulänglichkeiten und ein Hang zum Anti-Heldentum machen die modernen Ritter angreifbarer, die meist aus Comic-Büchern entsprungen sind und die glänzende Rüstung durch körperschmeichelnde Stretch-Bodys und exzentrische Kostüme ersetzt haben. Davon wird man am Wochenende einige sehen, denn im Fernsehprogramm kommt es zum Showdown zwischen zwei Helden-Universen: Protagonisten der Marvel- und DC-Comics kämpfen abwechselnd für das Gute.

Den Anfang macht der DC-Kosmos am Samstag mit "The Dark Knight" (20.15, ProSieben). Dass im verbrechengeplagten Gotham dank Batman (Christian Bale) und Lieutenant Gordon (Gary Oldman) langsam Ruhe einkehrt, kann nur Ankündigung eines umso heftigeren Sturms sein. Und prompt erscheint auch schon der "Joker" psychopathisch grinsend, grotesk geschminkt auf der Bildfläche. Sein unkontrollierbarer Hang zum totalen Tumult treibt den Fledermaus-Rächer an seine Grenzen. Unglaublich fesselnd erweckt Heath Ledger die Rolle des Chaos-Clowns zum Leben. Eine Darbietung, die zum einen wegen ihrer Brillanz in die Filmgeschichte eingeht, zum anderen aber tragischer Höhepunkt der Karriere des kurz nach Ende der Dreharbeiten verstorbenen Schauspielers bleiben wird. Am Sonntag kommt es auf gleich drei Sendern zum Kampf der Giganten. Nach langem Nebeneinander kollidieren sie zum ersten Mal im Free-TV: "Batman v Superman: Dawn of Justice" (20.15, ORFeins, ProSieben, SF2). Batman (Ben Affleck) beobachtet, wie sein Saubermann-Äquivalent Metropolis im Duell gegen einen Widersacher in Schutt und Asche legt. Superman (Henry Cavill) scheint sich vom ritterlichen Heros mit übernatürlichen Kräften zum Egozentriker mit Gottkomplex entwickelt zu haben. Doch dahinter steckt ein altbekannter Fädenzieher: Lex Luthor (Jesse Eisenberg).

Als dann gegen Ende auch noch Wonder Woman (Gal Gadot) in dem stetig düsteren Setting auftaucht, fragt man sich insgeheim, wie viele Superhelden eine Stadt verkraften kann.

Apropos viele Krieger auf einem Haufen: Niemand fusioniert seine Einzelkämpfer so gekonnt wie der Comic-Verlag Marvel in "The Avengers" (22.45, ORFeins). Thors Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) hat sich mit Aliens verbündet, zu deren Welt er ein Portal öffnen will. Um die Menschheit vor einem außerirdischen Massaker zu retten, müssen Iron Man (Robert Downey Jr.), Thor (Chris Hemsworth), Captain America (Chris Evans), Black Widow (Scarlett Johansson), Hawkeye (Jeremy Renner) und Hulk (Mark Ruffalo) ihre Kräfte vereinen. Doch aufgrund persönlicher Animositäten und Einzelkämpfer-Allüren hat das Ganze auch ein bisschen was von einem Teambuilding-Workshop auf dem Olymp.

Das schrägste Team im Marvel-Universum sind dennoch die "X-Men", denen Puls4 die gesamte zweite Hälfte des Samstags widmet (ab 15.30). Vier der insgesamt elf mutantenbasierten Filme beweisen, wie sehr die Absage an den unfehlbaren Helden zum Vorteil in Sachen Selbstfindung gereichen kann. Jede Figur der X-Men besitzt eine bestimmte Mutation, die sie zwar eigen-, aber eben auch einzigartig macht. Die Marvel-Verfilmung zeigt in eindrucksvollen Special-Effekts und fantasiereichen Kostümen am deutlichsten, dass die wohl begehrteste Superkraft von heute die Einzigartigkeit ist.




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Medien, Fernsehen

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-14 16:00:12
Letzte Änderung am 2018-09-20 12:15:16


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