Zwei weitere Wochen hat die amerikanische Fotografin den Schwimmlehrerinnen danach noch Englisch beigebracht. Die Kommunikation mit den Frauen war nämlich immer wieder ein Problem, weil Boyiazis nicht Sansibars Landessprache Swahili beherrscht. Mit den Männern konnte sie Englisch sprechen, sie lernen es in der Schule. Bei den Frauen war dies kaum möglich, denn bei ihnen werde nämlich weniger Wert auf Bildung gelegt.

Sich Wissen anzueignen, das ist für die Mädchen in Sansibar aber besonders wichtig, meint Boyiazis. "Jede Art der Bildung, egal ob innerhalb oder außerhalb des Wassers, gibt Frauen die Möglichkeit, ihre Rechte zu beanspruchen und bestehende Regeln und Normen herauszufordern. Deswegen ist Schwimmen lernen, was in Sansibar den Frauen lange nicht erlaubt war, ein wichtiger erster Schritt in Richtung mehr Selbstbestimmung", sagt sie weiter. Noch stehe man auf dem afrikanischen Archipel aber am Anfang. Das bezeugen die leuchtend bunten Burkinis, ohne die das Schwimmen eine unsittliche Angelegenheit wäre.

Internationale Aufmerksamkeit

Doch schon jetzt seien sowohl Lehrerinnen als auch Schülerinnen durchaus stolz auf ihre Anstrengungen. So ist die Veröffentlichung der Fotos von den Schwimmerinnen sehr positiv aufgefasst worden, erzählt Boyiazis. Auch über die internationale Aufmerksamkeit für ihr Projekt im Rahmen des "World Press Photo" Wettbewerbs freut sie sich. Denn ihr Anspruch ist es, mit ihren Bildern soziale Probleme aufzuzeigen, die ansonsten verborgen bleiben würden: "Fotografie öffnet unsere Augen."

Das machen auch andere Bilder in der "World Press Photo" Ausstellung im Wiener Westlicht, welche die besten Pressefotografien des vergangenen Jahres präsentiert. So zeigt ein Foto von Ronaldo Schemidt einen Demonstranten in Venezuela, der nach einer Explosion in Brand geriet und um sein Leben läuft. Er hatte gegen den autoritären Präsidenten Nicolas Maduro protestiert. Auch eine Bilderserie mit Österreich-Bezug gibt es: Die niederländische Fotografin Carla Kogelman hat das Aufwachsen zweier Mädchen in einem Bioenergiedorf im Waldviertel seit 2012 begleitet und dokumentiert.

WestLicht. Schauplatz für Fotografie.

Westbahnstraße 40, 1070 Wien

"World Press Photo": bis 21.10. geöffnet