Inszenierung, die Macht von Bildern und journalistische Sorgfalt. Das waren die zentralen Themen bei der Diskussion "Message Control durch Bilder", die am Dienstag vom Presserat und dem Presseclub Concordia veranstaltet wurde. Im Podium diskutierten Petra Bernhardt, Expertin für visuelle Kommunikation an der Universität Wien, Helge Fahrnberger, Mitbegründer des Medienwatchblogs "Kobuk", Kurier-Fotograf Jürg Christandl mit dem Sprecher der Regierung, Peter Launsky-Tieffenthal, ob die Regierung ihre Politik in ihren Bildern inszeniert.

Spätestens seit Sebastian Kurz als Bundeskanzler das höchste politische Amt im Staat bekleidet, steht der Vorwurf "Message Control", also inszenierte optische Botschaften, im Raum. Medien sollen nur gefilterte und geschickt platzierte Botschaften aus der Politik-Agenda übernehmen. Kaum jemand scheint die Umsetzung so perfekt zu beherrschen wie der österreichische Bundeskanzler, weil er um die Macht der Bilder weiß. In der digitalen Kommunikation hat er die besten Teams zusammengetrommelt. Zum Beispiel den Hausfotografen des BKA, Dragan Tatic, der "einen hervorragenden Job macht", räumte Christandl ein, aber als PR-Fotograf eine andere Aufgabe habe.

Den Vorwurf der Inszenierung wies der Regierungssprecher zurück. Kritik hagelte es aber nicht nur für die Politik und deren Inszenierungsabsichten, sondern auch für Medien. Redaktionen hätten "ein schlampiges Verhältnis zu Propagandafotos", sagte Jürg Christandl. "Pressefotos sollen Inszenierung unterlaufen, und nicht zur Imagepflege von Politikern beitragen", kritisierte der Fotograf die Übernahme von offiziellen Regierungsfotos von Seiten der Medien.

Launsky-Tieffenthal: PR-Fotos sind "Service"

"Natürlich kann man darüber sprechen, dass Fotos eine bestimmte Sprache sprechen. Das tun sie sicher", sagte der Regierungssprecher über die Macht von Bildern und das von Helge Fahrnberger präsentierte Flugzeug-Foto, das vier Tageszeitungen auf der Titelseite groß brachten: Es zeigt lächelnde Regierungsmitglieder im Flugzeug. Kurz, Strache, Köstinger und Blümel in totaler Harmonie. "Bilder können Botschaften verstärken", gab Launsky-Tieffenthal zu. Die Regierung bemühe sich um "zusätzliche Informationen", die Journalisten mit den Fotos von BKA-Fotografen erhalten sollen und nannte es "Service-Einrichtung". Bildexpertin Bernhardt sieht diese "Einblicke ins Tagesgeschäft der Politik" prinzipiell als positiv an, aber nicht, wenn sie mit "Vorgaben ans journalistische Feld" wie beispielsweise Zugängsbeschränkungen für FotojournalistInnen verbunden werden. Gibt es von einem Ereignis nämlich nur PR-Fotos, stellt man die Redaktion vor eine entweder/oder-Entscheidung zwischen Bild oder kein Bild.