• vom 11.10.2018, 07:00 Uhr

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Update: 11.10.2018, 10:09 Uhr

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Von Judith Belfkih

  • Medientheoretiker Bernhard Pörksen über Meutenverhalten, populistisches Geschrei und neue digitale Verantwortung.

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Bernhard Pörksen, geboren 1969, ist Professor für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen. Zuletzt erschien bei Hanser sein Buch "Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung".

Bernhard Pörksen, geboren 1969, ist Professor für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen. Zuletzt erschien bei Hanser sein Buch "Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung".© APAweb, Hans Punz Bernhard Pörksen, geboren 1969, ist Professor für Medienwissenschaften an der Universität Tübingen. Zuletzt erschien bei Hanser sein Buch "Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung".© APAweb, Hans Punz

Lech/Wien. Seine Analysen sind beunruhigend treffsicher: Wir erleben eine konstante Verstörung durch Vernetzung, beobachten einen beängstigenden kommunikativen Klimawandel, der als eine große digitale Gereiztheit und rauschhafte Nervosität zu erleben ist. Doch der deutsche Medienwissenschafter Bernhard Pörksen zeigt sich nicht nur als präziser Gegenwartsanalyst, er hat auch einen Gegenentwurf parat, der einen Weg aus der kollektiven Erregung weisen kann. Die "Wiener Zeitung" sprach mit Pörksen am Rande des Philosophicums Lech über seinen utopischen Entwurf einer redaktionellen Gesellschaft.

"Wiener Zeitung": Jeder ist heute medienmächtig, lautet Ihre zentrale Analyse. Jeder sollte daher medienmündig sein. Wann ist das jemand, medienmündig?

Bernhard Pörksen: Wenn er weiß, wie Journalisten arbeiten. Wenn er in einem möglichst hellen Bewusstsein über die Folgen der eigenen Kommunikation nachdenken kann. Wenn er weiß, welche ungeahnten Möglichkeiten, aber auch entsetzlichen Folgen ein Kommunikationsanstoß in den digitalen Wirkungsnetzen hat; wenn er die Prinzipien des guten Journalismus beherzigt - prüfe erst, publiziere später, sei skeptisch, höre auch die andere Seite, geh’ deinen Vorurteilen nicht auf den Leim, arbeite transparent und nicht zu schnell. Dann ist Medienmündigkeit gegeben: mit einem Bewusstsein für die möglichen Folgen der eigenen Kommunikation und dem Bemühen, vor diesem Hintergrund das Richtige zu tun.

Jetzt gelingt es ja mitunter nicht einmal Medienprofis, ihrem eigenen Arbeitsethos gerecht zu werden. Die Verlockungen des Schnellschusses, des Klicks sind enorm. Wie soll da ein nicht geschulter User diese Mündigkeit erreichen?

Dazu braucht es ein Schulfach, in dem Medienmündigkeit auf der Höhe der digitalen Zeit eingeübt wird. Medien- und Machtanalyse, Auseinandersetzung mit medialer Praxis. Was ist eine seriöse Quelle, was ist es nicht? Die Grundlagen des guten Journalismus sollten zu einem Element der Allgemeinbildung werden in dieser Redaktionellen Gesellschaft. Aber diese Gesellschaft ist ein Ideal. Der real existierende Journalismus wird diesem Ideal auch nicht immer gerecht. Es gibt Meutenverhalten, übertriebene Skandalisierung, Falschnachrichten, nicht vertretbare Zuspitzungen. Aber wird ein Ideal schon deshalb wertlos, weil es nicht umgesetzt wird? Ich denke nicht. Dieses Ideal, dass guter Journalismus zu Allgemeinbildung wird, könnte einen neuen Dialog anregen zwischen dem Publikum und Medienmachern. Wir brauchen so etwas wie ein Qualitäts- und Öffentlichkeitsbewusstsein. Viele Menschen wissen ja gar nicht, wie im Journalismus gearbeitet wird, wie teuer Qualität ist, wie wichtig es ist, seriöse Berichterstattung zu unterstützen.


Was machen in einer medienmündigen redaktionellen Gesellschaft die Journalisten?

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Dokument erstellt am 2018-10-10 16:00:39
Letzte Änderung am 2018-10-11 10:09:24


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