• vom 11.10.2018, 08:21 Uhr

Medien

Update: 11.10.2018, 14:31 Uhr

Bericht

US-Regierung hatte Hinweise auf Pläne gegen Khashoggi




  • Artikel
  • Lesenswert (1)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, AFP

  • Der saudiarabische Kronprinz soll hinter der Operation gegen den Journalisten stehen.

Jamal Khashoggi hat das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten. Ob er es auch wieder verlassen hat, ist Gegenstand von Ermittlungen. - © APAweb / AFP, Mohammed Al-Shaik

Jamal Khashoggi hat das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten. Ob er es auch wieder verlassen hat, ist Gegenstand von Ermittlungen. © APAweb / AFP, Mohammed Al-Shaik

Istanbul. Im Fall des vermissten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi haben die USA und die Türkei den Druck auf Riad erhöht. Die Türkei könne nicht länger "still bleiben", warnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag und forderte die Herausgabe von Videoaufnahmen aus dem Istanbuler Konsulat, in dem Khashoggi verschwunden war.

Gespräche "auf höchter Ebene"

Zuvor hatte bereits US-Präsident Donald Trump Auskunft zum Schicksal des Regierungskritikers verlangt. Er habe "auf höchster Ebene" mit Vertretern Saudi-Arabiens gesprochen, sagte Trump am Mittwoch. Washington sei "sehr enttäuscht" und werde der Sache "auf den Grund gehen". Laut dem Weißen Haus sprachen Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und sein Sicherheitsberater John Bolton mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Khashoggis türkische Verlobte Hatice Cengiz hatte zuvor Trump um Hilfe gebeten.

Türkische Ermittler haben den Verdacht geäußert, dass Khashoggi bei einem Besuch im Konsulat seines Landes in Istanbul vergangene Woche von saudi-arabischen Agenten ermordet wurde. Riad weist die Vorwürfe zurück, ist aber den Beweis schuldig geblieben, dass der Regierungskritiker das Konsulat wieder lebend verließ. Laut dem Konsulat waren die Überwachungskameras im Gebäude am Tag von Khashoggis Besuch ausgefallen.


Erdogan: "Es ist uns nicht möglich, still zu bleiben"

"Ist es möglich, dass es in einem Konsulat, in einer Botschaft kein Kamerasystem gibt?", fragte Erdogan laut der Zeitung "Hürriyet". "Dieser Vorfall ist in unserem Land passiert. Es ist uns unmöglich, bei einem solchen Vorfall still zu bleiben", warnte er. Die türkische Regierung hat bisher direkte Vorwürfe an Riad vermieden, doch veröffentlichten die türkischen Medien zahlreiche Details aus den Polizeiermittlungen zu dem Fall.

Die "Washington Post", für die der im Exil lebende Khashoggi zuletzt als Kolumnist tätig war, berichtete, die US-Geheimdienste hätten im Voraus Kenntnis von Plänen zur Festnahme des Journalisten gehabt. Laut der Zeitung ordnete der mächtige Kronprinz bin Salman an, den 59-jährigen Regierungskritiker nach Saudi-Arabien zu locken, um ihn dort festzunehmen. So sei ihm ein neuer Job angeboten worden, doch habe Khashoggi dem Angebot misstraut.

Das US-Außenministerium bestritt, dass die USA im Voraus über Pläne zur Entführung Khashoggis informiert gewesen seien. Dieser lebte seit September 2017 in den USA im Exil, da er in seiner Heimat eine Festnahme fürchtete. In seinen Kolumnen hatte er wiederholt die repressive Politik von Kronprinz bin Salman sowie die Militärintervention im Jemen, die Blockade Katars und die Verfolgung der Muslimbruderschaft kritisiert.

In der Türkei konzentrierten sich die Ermittlungen unterdessen auf ein mutmaßliches "Anschlagsteam" aus 15 Saudi-Arabern, die am Tag von Khashoggis Besuch nach Istanbul gereist waren. Türkische Medien veröffentlichten am Mittwoch Fotos und Namen von 15 Männern, die in zwei privaten Flugzeugen am Dienstag vergangener Woche in Istanbul eintrafen, bevor sie am Abend über Dubai und Kairo nach Saudi-Arabien zurückkehrten.

In Medien wurden die 15 Männer als Mitarbeiter der saudi-arabischen Sicherheitsdienste oder Vertraute von bin Salman identifiziert. Die Türkei hat von Saudi-Arabien die Zustimmung erhalten, das Istanbuler Konsulat zu durchsuchen, doch fand die Durchsuchung bisher nicht statt. Medienberichten zufolge gibt es noch Diskussionen, ob auch die Residenz des Konsuls und Fahrzeuge des Konsulats durchsucht werden dürfen.




Schlagwörter

Bericht, Jamal Khashoggi

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-11 08:22:38
Letzte Änderung am 2018-10-11 14:31:48


Comicreader

Comics auf dem Schirm

Die Leseoberfläche... In der besten aller Welten gibt es ein standardisiertes Buchformat, und alle elektronischen Bücher sind damit kompatibel... weiter




Comic

Das Rätsel des 20. Jahrhunderts

Coversujet des "Fun"-Comics. - © avant-verlag Endlos aufsteigende Fassaden, gleichmäßig angeordnete Fenster, die Verästelungen stählerner Brückengeländer und Hochbahn-Konstruktionen: Die Ästhetik... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Frau Kuk liegt im Sterben
  2. Eine Viennale der großen Kaliber
  3. Es braucht so wenig
  4. Judith Belfkih rückt in Chefredaktion auf
  5. KZ-Arzt Mengele: "Fürst der Finsternis"
Meistkommentiert
  1. ORF lagert seine Tagesschiene aus: Protest in der Redaktion
  2. ZiB-Moderator weist Vorwurf gefährlicher Drohung zurück
  3. Klamauk um ein Politfossil
  4. Neues ZiB-Moderationspaar gesucht
  5. Befreiung und Kahlschlag


Quiz


"Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.

Tilda Swinton in einem Haute Couture Kleid des Designers Schiaparelli - das sich sogar in den Schuhen und Handschuhen optisch fortsetzt. Gruppenbild der Jury: Präsident Guillermo del Toro (4.v.l.) gewann im Vorjahr den Goldenen Löwen für "The Shape of Water". Ganz links Venedig-Chef Alberto Barbera im Gespräch mit Christoph Waltz, ganz rechts:Biennale-Präsident Paolo Barratta.


Werbung