• vom 13.10.2018, 18:00 Uhr

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Update: 13.10.2018, 18:10 Uhr

Helmut Qualtinger

Der Herr Qualtinger im Fernsehen




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Von Viktoria Klimpfinger

  • Am Montag wäre Helmut Qualtinger 90 Jahre alt geworden. Das Fernsehprogramm schwelgt in Erinnerungen.

Qualtinger als Herr Karl: Das Fernsehen gratuliert zum 90er.

Qualtinger als Herr Karl: Das Fernsehen gratuliert zum 90er.© orf Qualtinger als Herr Karl: Das Fernsehen gratuliert zum 90er.© orf

Selten raunte eine Stimme so nachhaltig im österreichischen Ohr wie die von Helmut Qualtinger. Heute ist er wohl vor allem als Satire-Größe, die nach wie vor ihresgleichen sucht, in Erinnerung. Doch sowohl auf der Bühne als auch vor der Kamera bespielte er verschiedenste Genres als wandlungsfähiger Schauspieler. So hätte man den raunzenden Herrn Karl wohl kaum in einem packenden Filmdrama wie "Der Name der Rose" erwartet. Qualtinger schaffte den Spagat, doch die Rolle als Remigio da Varagine, Kellermeister des Klosters, sollte seine letzte bleiben. Während der Dreharbeiten erkrankte er schwer und verstarb schließlich am 29. September 1986 im Alter von 57 Jahren. Vergangenen Montag wäre er 90 Jahre alt geworden. Um ihm nachträglich Tribut zu zollen, bietet das TV-Programm dieses Wochenende einige Reminiszenzen an den meist mit seinem Herrn Karl assoziierten Satiriker, der wohl lieber einfach als Herr Qualtinger in Erinnerung geblieben wäre.

"Es gibt Erfolge, die Stigmata sind, die zu einem Fluch werden", hat Qualtinger über seine Paraderolle angeblich einmal gesagt. Ein Fluch, der Qualtinger aber auch großen Ruhm einbrachte. Im Monolog "Der Herr Karl" (Sonntag, 9.10 Uhr, ORFIII) porträtiert er den klassischen Wiener Suderanten und hält zugleich dem leidigen Opportunismus einen Spiegel vor. Im Keller einer Wiener Delikatessenhandlung erzählt der Herr Karl einem fiktiven jungen Menschen seine Lebensgeschichte. Zwischen selbstmitleidigem Geraunze blitzt nach und nach das Fähnchen im Wind durch: Vom Sozialisten schwankte der Herr Karl zum Christlich-Sozialen und schließlich zum Nationalsozialisten, bevor er sich dann doch den Besatzungsmächten anbiedert. Ein Wendehals ist es, der da vor einem sitzt, und mit trübem Blick und Urwiener Habitus erzählt, wie er es sich gerichtet hat.


Scharfer Blick
Der Blick des Herrn Qualtinger war dafür umso schärfer auf die sozialpolitischen Brennpunkte der Nachkriegszeit gerichtet. Mit seinen Lesungen aus Hitlers "Mein Kampf" etwa ließ er durch unnachahmliche Nachahmungsgabe die Schrecken und Absurditäten der nationalsozialistischen Ideologie wieder präsent werden. In Gerhard Bronners Lied "Der Papa wird’s schon richten" schlägt seine Satire auch mal treffsicher nach oben aus. Gerade deshalb war es ihm auch gar nicht recht, dass man gemeinhin beherzt über seinen Herrn Karl lachte, wollte er doch ein gnadenloser Spiegel sein. "Sie vernichteten uns mit Applaus. Deshalb habe ich aufgehört", sagte er dazu und hängte 1961, auf dem Höhepunkt des Herrn Karl, seine Kabarett-Karriere in die Garderobe. 1970 bekleidete er allerdings eine Rolle ähnlichen Namens im Bayerischen Fernsehen: In der sechsteiligen Comedy-Serie "Die Berufe des Herrn K." gibt Qualtinger den Buchhalter Herrn K., der in seinem Job durch einen Computer ersetzt wurde. Also begibt er sich auf die Suche nach einem neuen Beruf und wühlt sich durch die moderne Gesellschaft. Am Samstag versucht sich der "Herr K. als Werbeberater" (14.30 Uhr, ARD Alpha).

Auch das "Porträt eines Unbequemen" am Sonntag auf ORFIII (10.10 Uhr) kann den Herrn Karl nicht ruhen lassen, gehört er schließlich doch zu Qualtinger wie seine Beleibtheit und sein Hang zum Alkoholischen, die er zu Lebzeiten ebenfalls immer wieder abzuschütteln versuchte. Neben Ausschnitten aus seinem Parademonolog zeigt das Porträt aber auch Teile anderer Qualtinger-Klassiker und weniger bekanntes Material, wie zum Beispiel skurrile "Science-Fiction"-Werbefilme oder Ausschnitte aus dem kürzlich wieder entdeckten Spielfilm "Du bist die Richtige", in dem Qualtinger als Maharadscha zu sehen ist. Dazwischen kommen immer wieder Weggefährten wie Gerhard Bronner zu Wort, auch Nachfolger wie Erwin Steinhauer, der nach Qualtinger der nächste Herr Karl wurde.

Sterben, um zu leben
Wie Qualtinger wohl heutzutage seine Wiener porträtieren würde, darüber lässt sich nur munkeln. Eins steht aber fest: Des Raunzer-Klischees konnten die Wiener sich bis heute nicht entledigen - ebenso wenig wie Qualtinger den Karl loswurde. Daraus lässt sich wohl schließen, dass der Paradewiener nicht nur sudert, sondern auch verdammt hartnäckig ist. Ebenso wie Qualtingers Vermächtnis, das sich beharrlich zur heimischen Ikone durchgesetzt hat. Das beweist wiederum die traurige Wahrheit seiner Worte, die fälschlicherweise Falco zugeschrieben werden: "In Wien musst erst sterben, bevor’s dich hochleben lassen. Aber dann lebst lang."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-12 16:03:52
Letzte Änderung am 2018-10-13 18:10:38


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