Wien. Roboter sind auf dem Vormarsch. In Amazons Lagerhallen sortieren sie schon Waren. In japanischen Krankenhäusern ersetzen Roboter bereits Krankenschwestern. Und bald werden Roboterautos auch im Straßenverkehr unterwegs sein. Seit geraumer Zeit schreiben Roboter sogar Artikel. Als am 17. März 2014 in Los Angeles die Erde bebte, dauerte es nur drei Minuten, bis die "LA Times" eine erste Meldung publizierte. Geschrieben wurde sie von einem Programm namens Quakebot. Die Software ist so programmiert, dass sie auf einen Alarm des U.S. Geological Survey reagiert, der auf ein Erdbeben ab einer bestimmten Stärke folgt. Quakebot extrahiert die Informationen und fügt sie in den vorgefertigten Text ein. Die Tatsache, dass ein Computer einen Text schrieb, sorgte für deutlich mehr Aufsehen als die Meldung selbst. "Algorithmus macht Journalismus", jubilierte "Zeit Online", "Die Roboterjournalisten sind schon unter uns", schrieb die "Welt".

Die Nachrichtenagentur AP (Associated Press) nutzt seit Juli letzten Jahres ein Software-Tool namens Wordsmith, das automatisch Finanzberichte verfasst. Zum Beispiel Quartalsberichte börsennotierter Unternehmen. Wordsmith nutzt die Technik der Natural Language Generation, um aus Daten Texte zu generieren. In einer Pilotphase wurden die Meldungen von einem Redakteur gegengelesen. Seit Oktober gehen die Meldungen ohne menschliche Kontrolle heraus, wie Wirtschaftsredakteurin Philana Patterson dem American Press Institute sagte. Pro Quartal werden bei der AP 3000 automatisierte Meldungen generiert. Die Software wird von dem US-Unternehmen Automatic Insights geliefert. Die Meldungen folgen immer demselben Muster. Etwa: "Das in Cupertino basierte Unternehmen verzeichnete im letzten Quartal einen Umsatz von 18 Milliarden Dollar." Die Textbausteine stehen fest, der Algorithmus ergänzt die Lücken mit Daten, mit denen er gespeist wird. Automatic Insights schreibt, dass es auch die Syntax und den Stil zu variieren vermag.

Wortschmied ackert sich durch


Mit Wordsmith könnten zudem auch Infografiken und Performanzanalysen (etwa über die Leistungsdaten von Sportlern) erstellt werden. Die Vorteile scheinen auf der Hand zu liegen: Die Redakteure können sich anspruchsvolleren Aufgaben wie Recherche oder Reportagen widmen und müssen sich nicht mehr mit mühsamen Bilanzzahlen herumschlagen - das erledigt der Computer schneller und zuverlässiger. Ein Sprecher von Automatic Insights teilt auf Anfrage mit: "Die Automatisierung ist besser für Kunden und Reporter, sie resultiert in weniger Fehlern und führt zu einer größeren Newsroom-Effizienz." Automatic Insights hat im vergangenen Jahr eine Milliarde Meldungen generiert - mehr als alle Medien zusammen.