Wien. (apa/irr) Vier Jahre wurde der Streit vor Gericht und über die Medien ausgetragen, nun hat man das Kriegsbeil begraben. Matthias Hartmann, im Zuge des Burgtheater-Skandals seines Amts als Direktor enthoben, einigte sich am Freitag außergerichtlich mit dem ehemaligen Arbeitgeber. Schon am Montag wurde bekannt, dass sämtliche Ermittlungen gegen Hartmann eingestellt wurden; diese betrafen anfangs unter anderem den Verdacht der Untreue und der Bilanzfälschung. Der aktuelle Friedensschluss hat nun zur Folge, dass die laufenden zivilrechtlichen Verfahren ebenfalls beendet werden. Über den Vergleichsinhalt wurde Stillschweigen vereinbart.

In einer gemeinsamen Stellungnahme heißt es: "Nach Einstellung des Strafverfahrens gegen Matthias Hartmann haben die Burgtheater GmbH und Matthias Hartmann einen Schlussstrich unter ihre Rechtsstreitigkeiten gezogen. Die Erhebungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft haben ergeben, dass gegen Matthias Hartmann in seiner früheren Tätigkeit als künstlerischer Leiter des Burgtheaters in Wien keine strafrechtlichen Vorwürfe bestehen. Die Parteien haben sich deshalb darauf verständigt, ihre gegenseitigen Rechtsstreitigkeiten zu beenden und die im März 2014 ausgesprochene fristlose Entlassung in eine einvernehmliche Beendigung umzuwandeln." Dies bedeutet, dass das Dienstverhältnis des am 11. März 2014 entlassenen Direktors nun einvernehmlich mit 31. August 2014 aufgelöst wurde.

Nun doch Ansprüche

Daraus folgt, dass Hartmann jetzt doch Ansprüche auf den vom Burgtheater eingezahlten Pensionskassenvertrag hat. Dieser beläuft sich auf rund 111.000 Euro, die monatlichen Auszahlungen kann Hartmann ab seinem Pensionsantritt in Anspruch nehmen.

Zahlungen seitens des Burgtheaters wird es allerdings nicht an Hartmann geben. Laut Informationen der Austria Presse Agentur erhält der deutsche Theatermann Geld von der Manager-Haftpflichtversicherung. Dieser Betrag soll dem Vernehmen nach der Prozesskostentilgung dienen und nicht, wie kolportiert, Nachzahlungen von Gehältern und Urlaubsansprüchen darstellen.

An das Burgtheater wiederum fließt fast eine Million Euro. Zum einen leistet die von den Bundestheatern abgeschlossene Manager-Haftpflichtversicherung eine Zahlung von 450.000 Euro, zum anderen bekam das Burgtheater schon in einem früheren Vergleich 500.000 Euro von der Versicherung der vormals zuständigen Wirtschaftsprüfer zugesprochen. "Mit heutigem Wissensstand hätten die Parteien anders gehandelt", heißt es in dem gemeinsamen Statement. "Durch das lange Ermittlungsverfahren entstanden auf beiden Seiten finanzielle, zeitliche und persönliche Belastungen, was beide Parteien bedauern."

Nur Finanzchefin im Visier

Der Burgtheater-Skandal machte ab dem Jänner 2014 Schlagzeilen. Nach und nach kamen dabei finanzielle Ungereimtheiten ans Licht und schließlich ein immenser Schuldenberg, der offenbar gezielt verschleiert worden ist. Sowohl Hartmann als auch die damalige kaufmännische Leiterin wurden entlassen. Gegen Letztere wird weiterhin wegen des Verdachts der Untreue und der Bilanzfälschung ermittelt.