Geharnischte Worte, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren, sondern auf dem Postweg an die Vertreter der Gremien weitergeleitet wurden. In der Vorwoche ist die Korrespondenz aber zu den "Salzburger Nachrichten" durchgesickert, einen Tag, nachdem die Gesellschafter Bachler hoffnungsfroh gekürt hatten.

Fragt sich: Nehmen die Osterfestspiele womöglich Thielemanns Abzug in Kauf? Oder erwarten sie, dass der konfliktfreudige Kapazunder ohne Wenn und Aber bleibt? Die VorstandsvorsitzendeWedl-Wilson denkt Letzteres. "Wir glauben dies aufgrund von vielen Gesprächen", zeigt sie sich zuversichtlich und ist auch überzeugt, dass die Osterfestspiele - trotz ihres schmalen Programm-Angebots - eine profilierte Doppelspitze benötigen. Es gälte, die Strukturen des Festivals zu überdenken. Dies sei seit der Ära Karajan nicht geschehen und "überfällig", um "die Zukunftsfähigkeit der Festspiele sicherzustellen". Dabei gehe es auch um das Thema Sponsoren. "Wir haben viel zu wenige, und Bachler war da in München sehr erfolgreich."

"Ein Bärendienst"

Ähnliche Worte hört man auch aus dem Umfeld. Zwar werde dem Edel-Festival nicht von heute auf morgen das Geld ausgehen. Doch die Gremien sehnen sich schon seit geraumer Zeit nach mehr Sponsormitteln: Bereits bei der Kür Ruzickas zum Intendanten hätte sich der Aufsichtsrat eine Person mit mehr Tuchfühlung zur Privatwirtschaft gewünscht; Thielemann habe aber seinen Wunschkandidaten "durchgeboxt".

Dass nun die Gegenseite gewonnen hat, könnte sich als Pyrrhussieg herausstellen: Ein Exodus des deutschen Pultstars droht. Das dürfte ihm zwar einerseits schwerfallen, weil sein Orchester Sympathien für Salzburg hegt. Andererseits würde ein Einlenken die Gefahr eines Gesichtsverlusts bergen, weil Thielemanns Drohungen publik gemacht worden sind. Das sei "ein Bärendienst" gewesen, heißt es aus dem Umfeld der Gremien. Wie Bachler all das sieht? Eine Anfrage der "Wiener Zeitung" ließ er vorerst unbeantwortet.