Wien. Eine Entscheidung des Kulturministeriums bleibt es auch künftig. Doch sie wird weniger einsam sein. Ab 2020 stimmt die Ministerin oder der Minister sich mit einer Expertenjury ab, die auf den Ergebnissen einer öffentlichen Ausschreibung aufbaut. Ein Vorgehen, das in Ländern wie der Schweiz oder in Deutschland bereits Standard ist, greift ab sofort auch in Österreich: Die Bestellung der Kuratorinnen und Kuratoren für die Bespielung des heimischen Pavillons bei den Kunst- und Architektur-Biennalen in Venedig verläuft künftig nach einem transparenten Auswahlverfahren.

Diese Vorgangsweise sei international Standard, so Kulturminister Gernot Blümel bei der Präsentation der neuen Vergabeform, zudem erweitere sie das Blickfeld. Bewerben können sich Interessenten in der ersten Runde für die Architekturbiennale 2020, ausgeschrieben wird am 1. Dezember, die Entscheidung wird für das kommende Frühjahr erwartet. Eingereicht werden soll ein "möglichst innovatives" wie detailliertes Konzept für den Pavillon in den Giardini. Einreichende müssen österreichische Staatsbürger sein oder ihren ständigen Wohnsitz in Österreich haben, in einem architekturrelevanten Bereich tätig und mit der österreichischen Kunst- und Architekturszene vernetzt sein.

Immer neue Jury

Kulturminister Gernot Blümel mit Biennale-Kommissärin Verena Konrad. - © BKA/Christopher Dunker
Kulturminister Gernot Blümel mit Biennale-Kommissärin Verena Konrad. - © BKA/Christopher Dunker

Aus den Projekten trifft dann eine Jury eine Vorauswahl. Sie soll jedes Jahr neu bestellt werden und setzt sich aktuell zusammen aus Verena Konrad, der österreichischen Kommissärin 2018, dem Architekturjournalisten Matthias Boeckl, den Architekten Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs und Ernst J. Fuchs sowie Andreas Ruby, Direktor des Architekturmuseums Basel. Die Jury erstellt zunächst eine Longlist, deren Proponenten zu Hearings eingeladen werden, bevor aus deren Kreis eine Shortlist mit drei Kandidaten ermittelt wird. Diese werden dann gemeinsam mit dem Kulturminister diskutiert. "Die Formalnominierung erfolgt dann durch den Bundesminister", so Blümel.

Eine weitere Neuerung betrifft die Trennung der künstlerischen und der administrativen Verantwortung. Auch für letztere wird es eine Ausschreibung geben, wobei die Position über zwei Jahre läuft und einmalig verlängert werden kann. Dieses Organisationsbüro soll den Kurator oder die Kuratorin bei der organisatorischen Abwicklung unterstützen. Das neue Gesamtprozedere soll analog auch für die Kunstbiennalen ab 2021 angewandt werden. Was gleich bleibt, ist die Dotierung des Projekts mit 450.000 Euro.

Der heimische Beitrag bei der eben zu Ende gegangenen Architekturbiennale ist gerade abgebaut worden. Für die Kunstbiennale 2019 ist bereits Felicitas Thun-Hohenstein, unter dem neuen Titel Kuratorin firmierend, ausgewählt worden. Sie hat sich für Renate Bertlmann als Künstlerin entschieden.